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Das Niederräder Ufer ist idyllisch, hier liegen viele Segelyachten vor Anker. Dass ausgerechnet dort ein Steg entlang des Ufers verlaufen soll, können sich die Vereine kaum vorstellen.

Holzsteg

Ein Steg soll in Niederrad über den Main führen

Weil das Niederräder Mainufer von Vereinen belegt ist und es deshalb keinen Uferweg gibt, sollen die Bürger nicht am, sondern auf dem Main spazieren können.

Niederrad - Das Niederräder Mainufer für die Bürger zu öffnen ist schon lange ein Thema. Die Mainfeldstraße, die für Autos befahrbar ist, aber auch als Rad- und Spazierweg dient, ist nach hinten versetzt: Vorne direkt am Wasser liegen die Vereinsgelände des Niederräder Schwimmclubs, des Frankfurter Yachtclubs, der SKG, des Polizeisportvereins, des Frauen-Rudervereins Freiweg und einiger weiterer.

Ab dem Licht- und Luftbad Richtung Westen ist das Ufer also Privatgelände. Weil deshalb nur wenige Bürger etwas vom Mainufer haben, wurde vor gut acht Jahren Stichwege zwischen den Vereinen geschaffen, die direkt ans Wasser führen. Dort wurden Sitzbänke aufgestellt oder Plattformen über dem Wasser geschaffen, etwa neben der Anlegestelle des Feuerlöschboots.

Vorbild steht im Zürichsee

Jetzt hat die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) die Diskussion wieder in Gang gebracht. Per Antrag brachte die Fraktion eine neue Idee ins Spiel: Ein Holzsteg soll gebaut werden, der entlang des Ufers ab dem Licht- und Luftbad bis zur Niederräder Eisenbahnbrücke führt - über dem Wasser.

Als Beispiel dient ein Steg mit einseitigem Geländer im Zürichsee, der 2012 südlich von Zürich gebaut wurde (siehe Foto). "Der Steg ist ganz innovativ und wäre sicher im Main ein Touristenmagnet", sagt die Antragstellerin Petra Korn-Overländer. Idealerweise soll der Steg von der Friedensbrücke entlang des Theodor-Stern-Kais am Licht- und Luftbad vorbei und so weit wie möglich Richtung Niederräder Eisenbahnbrücke reichen. Er soll mehrere Zuwege haben, so dass man per Abzweig beispielsweise zum Licht- und Luftbad gelangen kann. "Der Holzsteg soll so errichtet werden, dass die Vereine weiterhin ihre Boote zu Wasser lassen können. Wie das gehen könnte, etwa durch Verbindungswege, müsste die Stadt planen."

Neun Meter hohe Maste

Der Frankfurter Yachtclub ist entsetzt. Sein Vereinsgelände ist groß, es gibt einen Hebekran mit Rampe, die Boote liegen quer zum Ufer vor Anker. "Der Steg würde das Aus aller Segelvereine hier bedeuten", sagt der Vorsitzende Alexander Launhardt. Er kann sich nicht vorstellen, wie das Vorhaben technisch umgesetzt werden sollte. "Wie sollen wir etwa mit Booten, die teilweise sieben bis neun Meter hohe Maste haben, unter einem Steg durchfahren?" Er verstehe das Ansinnen, das Ufer zu öffnen. "Unser Gelände steht aber schon jetzt den Bürgern offen. Spaziergänger können sich jederzeit hier aufhalten, wenn jemand vom Verein da ist."

Der Yachtclub unterstützt daher den Gegenantrag, den die Grünen formuliert haben, der im August im Ortsbeirat eingebracht wird. Die FDP wird Mitantragsteller sein. Dieser bittet die Stadt darum zu prüfen, ob ein Steg zwischen dem Theodor-Stern-Tiefkai und der Mündung des Luderbachs eingerichtet werden kann. Dann müssten Spaziergänger nicht mehr vom Tiefkai hoch an die Uferstraße fahren und können direkt aufs Gelände des Licht- und Luftbads gelangen. Etwa 300 Meter beträgt die Entfernung.

Der Steg wäre laut Grünen eine bessere Variante als die, die vor gut 16 Jahren vorgeschlagen wurde, nämlich dort unten einen Treidelpfad aufzuschütten. Dies wurde abgelehnt, weil der Pfad durchs Landschaftsschutzgebiet führen würde. Stattdessen wurde die Halbinsel des Licht- und Luftbads neu gestaltet und mit Wegen versehen und Brücken zwischen den Teilen der Halbinsel installiert. Auch über eine Klappbrücke zwischen den westlichen Ende und dem Ufer wurde nachgedacht - damit die Schiffe des Wasser- und Schifffahrtsamts hindurch können. Doch davon sah die Stadt ab, um den Charme dieser ruhigen Stelle zu bewahren. Die Tier- und Pflanzenwelt dankt es.

VON STEFANIE WEHR

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