1. Startseite
  2. Frankfurt

Immer wieder überflutet: Stadt und DB lassen Südbahnhof im Regen stehen

Kommentare

Der überflutete Südbahnhof letzte Woche. Kommen die Wassermassen, kann’s gefährlich werden. Die Stadt aber hat Zeit.
Der überflutete Südbahnhof letzte Woche. Kommen die Wassermassen, kann’s gefährlich werden. Die Stadt aber hat Zeit. © Bernd Kammerer

Bis der Südbahnhof in Frankfurt vor Überschwemmungen geschützt wird, dauert es noch. Die Ämter agieren nur langsam. Die Bahn fühlt sich nicht zuständig.

Frankfurt - Bis der Südbahnhof vor Überschwemmungen wie vergangene Woche geschützt wird, dauert es noch. Die Deutsche Bahn verweist im Zusammenhang mit dem ICE-Bahnhof auf die Stadt, in der Stadt schieben sich die Ämter die Verantwortung zu. Vergangenen Mittwochabend war - nicht zum ersten Mal - Land unter im Südbahnhof.

Die Bilder und Videos von den Wassermassen, die sich bei dem Unwetter durch die Zwischenräume der Eingangstüren drückten, durch geborstene Fensterscheiben schossen und den Durchgang zwischen Mörfelder Landstraße und Diesterwegplatz bis zur Mitte überfluteten, gingen durch die Medien in ganz Europa. Sturzbäche flossen die Treppen und Rolltreppen hinab zur U-Bahn. Die fuhr ab 21 Uhr nicht mehr, ab 1 Uhr rollten die ersten U-Bahnen wieder. Auch der Bahnhof war zwei Stunden lang gesperrt.

Südbahnof in Frankfurt: Das Wasser stand draußen gut einen Meter hoch

Die gröbste Verwüstung wurde noch in derselben Nacht von Mitarbeitern der VGF und der Feuerwehr beseitigt. Am Tag danach wurden die kaputten Glastüren abgeklebt. Sie waren offenbar zu Bruch gegangen, als Kühltruhen und andere große Gegenstände, die draußen im Wasser trieben, gegen die Scheiben donnerten. An den heil gebliebenen Glasscheiben ist zu sehen: Das Wasser stand draußen gut einen Meter hoch. Verletzt wurde niemand - obwohl Scherben in den Fluten trieben. Von Treppenabgängen und Rolltreppen konnten sich Fahrgäste schnell genug retten.

Der Südbahnhof ist starkregengefährdet. Das ist bekannt: Wenn die Fluten von den Straßen des Sachsenhäuser Bergs hinab über die Mörfelder Landstraße geschossen kommen, bahnen sie sich ihren Weg in Richtung Eingang der B-Ebene, der ein gutes Stück tiefer liegt. Denn das Problem der Überflutung ist keinesfalls neu. Dennoch: Der Eingang ist so gut wie gar nicht gegen Starkregen gesichert. Die Türen waren zwar zu, das Wasser floss jedoch wie beschrieben durch alle Ritzen.

Lediglich die vier U-Bahn-Abgänge an der Mörfelder Landstraße sind mit Sinkkästen und Wassersperren ausgestattet. „Die Wassersperren klappen von selbst hoch, sobald sie angeschwemmt werden“, erklärt Alexandra Malczewski, Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). „Das hat gut funktioniert, dort kam kein Wasser rein, außer dem Regen, der von oben reinregnete.“ Die Sperren seien 2010 dort eingebaut worden.

Schon etliche Male wurde der Südbahnhof bei Starkregen überschwemmt, besonders schlimm war es 2004 und 2007. Zuletzt standen 2017 U-Bahn-Unterführung und die B-Ebene an der Seite der Mörfelder Landstraße großflächig unter Wasser. Die VGF, die für die vier U-Bahn-Abgänge an der Mörfelder Landstraße zuständig ist, war die Erste, die etwas gegen Starkregen unternahm.

Starkregenschutz in Frankfurt: Bis was passiert, dauert es noch

Die Deutsche Bahn, die für die B-Ebene, die Zugänge zur U-Bahn und für die A-Ebene der Gleise zuständig ist, hat bisher nichts unternommen. Das Unternehmen sieht die Verantwortung bei der Stadt. Die „massiven Wassermassen“ von der Mörfelder Landstraße hätten „von den städtischen Flächen und Abflüssen nicht aufgenommen“ werden können, teilt eine Sprecherin am Tag danach mit. Noch könnten keine Aussagen zu Schäden getroffen werden.

Dass Personen bei Starkregen nicht mehr in Gefahr gebracht werden sollen, darüber waren sich auch die städtischen Umwelt- und Verkehrsdezernate einig, als sie im Oktober 2021 die Starkregenkarte für Frankfurt vorstellten. „Es soll nicht mehr vorkommen, dass der Südbahnhof überflutet wird“, sagte der damalige Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Frankfurt: Eingang zur B-Ebene ist auf Gefahrenzonen-Karte nicht zu erkennen.

Die Karte, einzusehen auf dem Geoportal Frankfurt, macht Gefahrenzonen bei Starkregen deutlich. Anhand von lila Flächen und Pfeilen ist markiert, dass sich an den U-Bahn-Abgängen des Südbahnhofs bei Starkregen Wasser bis zu einem Meter hoch stauen kann. Der Eingang zur B-Ebene ist allerdings nicht auf der Karte zu erkennen. Die B-Ebene gilt als Keller: Alles, was unterirdisch liegt, wird auf der Starkregenkarte nicht abgebildet, erklärt eine Mitarbeiterin des Umweltamts.

Die Stadtentwässerung, die zum Verkehrsdezernat gehört, erläutert, „verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation seien von den zuständigen Ämtern vereinbart worden“. Die Abwasserkanäle zu vergrößern, sei nicht geplant. Ob das ausreicht? Weitere Vorhaben von Bahn oder Stadt bleiben unklar: „Die Realisierung solcher Maßnahmen dauert leider aus unterschiedlichen Gründen unterschiedlich lange und kann mehrere Jahre betragen“, heißt es bei der Stadtentwässerung.

Das zuständige Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) kündigt an, sogenannte Kastenrinnen mit Ablaufschächten an der Mörfelder Landstraße einzubauen und den Bordstein zu erhöhen. „Dadurch entsteht ein Grat zwischen den beiden Häusern Mörfelder Landstraße 46 und 50, so dass Regenwasser in Richtung Straße ablaufen kann“, erklärt Amtsleiterin Michaela Kraft. Zeitplan: 2024. (Stefanie Wehr)

Auch interessant

Kommentare