Weniger Energie benötigt

FES stellt das bundesweit erste erdgas-elektische Müllfahrzeug vor

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Das erste erdgas-elektrische Müllfahrzeug Deutschlands ist seit gestern in Frankfurt unterwegs. Es soll leiser sein, weniger Energie benötigen und weniger Abgase ausstoßen.

Um ehrlich zu sein: Flüster-Müll hört sich leiser an. Ein erster Lärmtest des nagelneuen, erdgas-elektrisch betriebenen Müllsammelfahrzeugs, gestern durch Journalisten vorgenommen: Das Ding ist lauter als ein Diesel. Der nagelneue Müllsammelwagen hat einen kernigen Sound, so richtig gesund.

„Das wird sich ändern“, verspricht Georg Sandkühler, Chef der Entwicklung alternativer Antriebe bei der Herstellerfirma Faun. „Es ist vor einigen Stunden ausgeliefert worden. Das Problem ist, dass man Lärmquellen schlecht simulieren kann.“ An der University of Applied Sciences (UAS), die das Pilotprojekt der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) begleitet, soll als nächstes die Ursache des kernigen Sounds herausgefunden werden. Sandkühlers Vermutung: „Es könnte an Gummipuffern liegen, die den Motor dämpfen. Sie sind auf Dieselmotoren optimiert.“

Faun ist eine Spezialfirma. Auf Fahrgestellen des Mercedes Econic baut sie Müllwagen für Kommunen. Darunter auch diesel-elektrische und eben jetzt, für Frankfurt, das bundesweit erste erdgas-elektrische Müllfahrzeug.

Es hat zwei Erdgas-Motoren: Den großen, der den Lastwagen in normalem Tempo über die Straßen bringt. Und einen kleinen, lediglich 40 PS starken Motor, der dann angeht, wenn der große ausgeht. Der kleine Motor erzeugt Strom und lädt damit Kondensatoren. Diese Stromspeicher können hohe Spitzen schnell aufnehmen und abgeben, anders als Akkus. „Wir haben gar keine Akkus“, sagt Sandkühler. „Wir haben nur die Kondensatoren und den kleinen Motor.“

Die Kondensatoren speisen drei Verbraucher: Die Hinterachse des Müllwagens, wenn er mit maximal 30 Kilometer pro Stunde von Mülltonne zu Mülltonne rollt. Die Bremsenergie wird wieder in den Kondensator geladen. Zweitens wird der Lift mit Strom betrieben, der die Tonnen nach oben wuchtet. Drittens schließlich wird die große Trommel elektrisch gedreht.

All das funktioniert im Alltag der FES künftig mit dem kleinen 40 PS-Motor. „Bei diesel-elektrischen Fahrzeugen geht das, der Motor ist nicht stärker“, versichert Sandkühler.

Doch Diesel-Elektrisch, das wollte man in Frankfurt nicht. Einen Tag nach Verkündung des Verwaltungsgerichts-Urteils zum Thema Diesel sagte denn auch Hesses Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), dass Hessen alternative Antriebe mit sieben Millionen Euro unterstützt. Alleine 417 000 Euro erhält die Frankfurter Entsorgung und Service GmbH für ihr erdgas-elektrisches Müllfahrzeug.

Die UAS (vormals Fachhochschule) begleitet das Projekt. Dafür hatte sie von Anfang Dezember an für ein halbes Jahr einen ganz normalen Diesel-Müllwagen untersucht: Welchen Lärm macht der warum? Wie viel Kraftstoff braucht er wofür? „Die Ergebnisse liegen noch nicht vor“, sagte der leitende UAS-Forscher Prof. Holger Marschner. „Doch der Dieselverbrauch ist so hoch gewesen, dass man umgerechnet sagen kann, 160 Liter auf 100 Kilometer.“

Sandkühler verspricht, dass diesel-elektrische Müllfahrzeuge „40 bis 50 Prozent sparsamer sind“, und ob dies für erdgas-elektrische ebenfalls gilt, wollen Marschner und seine Studenten ab Anfang Dezember herausfinden. Sie lassen das neue Fahrzeug deswegen auf exakt der gleichen Route zu den gleichen Jahreszeiten fahren und messen den Lärm und den Energieverbrauch. Damit man sieht, ob sich die mit 500 000 Euro doppelt so hohen Anschaffungskosten gelohnt haben.

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