Trotz der Schlange musste niemand wirklich lange auf Beratung und Piks warten.
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Trotz der Schlange musste niemand wirklich lange auf Beratung und Piks warten.

Coronaschutz in Frankfurt

Stich für Stich mehr Sicherheit

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Impfaktion im Hessen-Center in Bergen-Enkheim wird auch heute fortgesetzt

Es ist erst kurz vor zehn. Da soll die Impfaktion beginnen. Trotzdem warten schon gut zwei Dutzend Menschen vor dem Geschäft im Hessen-Center, um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Unter ihnen Angela Philipps und Anja West mit ihren Töchtern Katharina (16) und Aurelia (14). Sie haben aus der Tagespresse von der Impfaktion erfahren und finden es eine "gute Gelegenheit", das schnell und unkompliziert zu erledigen, wie eine der Mütter sagt. Selbst sind sie bereits seit einiger Zeit geimpft, doch für junge Menschen ab zwölf Jahren gilt die allgemeine Impfempfehlung erst seit kurzem. "Wir müssen nicht bei Ärzten anrufen oder ins Impfzentrum fahren", erläutert Angela Philipps den Entschluss, in das Einkaufszentrum in Enkheim zu kommen.

Die Jüngeren erreichen

Seit Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember 2020 sind in Frankfurt mobile Teams vom Malteser Hilfsdienst, den Johannitern und dem Arbeiter-Samariter-Bund unterwegs. "Zu Anfang standen Alten- und Pflegeheime im Fokus. Jetzt geht es darum, auch die jüngeren Menschen zu erreichen", sagt Katrin Steul, Ärztin im Gesundheitsamt.

Denn die Immunisierungsquote liege noch spürbar unter den angestrebten 80 Prozent, da Kinder und Jugendliche bisher von den Impfungen ausgenommen waren. Hinzu kämen Menschen, die von den bisherigen Angeboten nicht erreicht worden sind. Um dieses Ziel umzusetzen, gibt es aktuell bis zu zehn solcher Aktionen in Frankfurt.

Zu der erwachsenen Zielgruppe gehört auch Brigitte Dick. Sie steht in der mittlerweile auf knapp 40 Leute angewachsenen Schlange und ist gekommen, "weil ich hier wohne." Den Weg ins Impfzentrum oder zum Arzt hat sie bisher nicht gepackt. Doch dieses Angebot habe sie direkt angesprochen, als sie in den Medien davon las. Schließlich gehe sie ohnehin regelmäßig ins Hessen-Center zum Einkaufen. Ein junger Mann, der lieber anonym bleiben will, ist auf den Druck seiner Partnerin gekommen. "Ich mache es für sie. Selber glaube ich nicht dran, dass es was bringt", sagt er ehrlich.

Das Konzept geht auf

Leon Stoll koordiniert bei den Maltesern die Impfaktionen. Seit Anfang August steuere man öffentliche Plätze und Einkaufszentren an, mit messbarem Erfolg. "Auf der Konstablerwache haben wir am vergangenen Samstag etwa 230 Leute geimpft", berichtet er. Im Hessen-Center sei man drei Tage, von 10 bis 19 Uhr. Also auch heute. "Das hat zwei Vorteile: Wir erreichen vor Ferienende die jungen Menschen, die Schulsachen kaufen, und die, die einfach so einkaufen wollen", sagt Stoll. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Während des Gespräches kommt ein junger Mann hinzu und fragt: "Hier kann ich mich jetzt einfach so impfen lassen?" Die Antwort: "Ja, wenn Sie einen Ausweis dabei haben."

Besser als in einem Zelt

Der Standort im Hessen-Center hat für Stoll einen weiteren Vorteil: "Wir sind hier in einem ungenutzten Laden, was besser als ein Zelt ist." Hierzu ist es dank des Zusammenspiels von Center-Manager Olaf Kindt und Alexandra Weizel, der Ortsvorsteherin von Bergen-Enkheim gekommen. "Herr Kindt ist auf mich mit der Idee zugegangen und dann ging alles ganz schnell", berichtet sie. Ein anderer Aspekt ist der Ärztin Weizel sehr wichtig. "Ich möchte die Menschen, die ich hier sehe, nicht als Patienten wiedersehen", sagt sie und verweist darauf, dass immer mehr Jüngere von den schweren Folgen der Erkrankung betroffen sind. Daher müsse die Impfung zu den Leuten kommen. Die dafür geeigneten Orte ließen sich allerdings nur durch Vernetzung finden.

Konkrete Vorschläge für weitere Aktionen, inklusive eines Ansprechpartners für das Management vor Ort, nimmt das Gesundheitsamt per E-Mail an info.gesundheitsamt@stadt-frankfurt.de entgegen. red

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