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Stich um Stich füllt sich der Arbeitstisch

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Von: Brigitte Degelmann

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Alle mit Eifer bei der Sache: Simone Müller zeigt Ella und Helene (re) den richtigen Umgang mit der Nähmaschine. Im Hintergrund bügelt Praktikantin Heidi mit Leo den Stoff. FOTO: leonhard hamerski
Alle mit Eifer bei der Sache: Simone Müller zeigt Ella und Helene (re) den richtigen Umgang mit der Nähmaschine. Im Hintergrund bügelt Praktikantin Heidi mit Leo den Stoff. © Michael Faust

Sogar ein junger Mann ist in Sachsenhausen dabei

Kritisch mustert Ella die Stofflagen, die vor ihr liegen. Erst vor wenigen Minuten hat Simone Möller der Achtjährigen erklärt, wo sie nun mit der Nähmaschine ansetzen soll: "Guck mal, hier nähst du füßchenbreit." Genau das hat Ella auch gemacht. Doch mit dem Ergebnis ist sie nicht ganz zufrieden: "Ich hab' nicht so ordentlich genäht." Wieder wirft Simone Möller einen Blick auf das rechteckige Stoffgebilde. "Doch, das passt schon", muntert sie ihre Schülerin auf.

Mit Nadel und Faden

Jeden Freitagnachmittag kommen Ella und drei weitere Kinder ins Nähatelier "Nitto Kitto" in Sachsenhausen, um dort unter Anleitung von Simone Möller mit Stoffen, Stecknadeln, Scheren, Garnen und anderen Utensilien zu hantieren. Im vergangenen Herbst haben sie dort ihren ersten Kurs absolviert. Seitdem sind sie mit Feuereifer bei der Sache. Vor allem deshalb, weil sie hier vieles selbst entscheiden dürfen. Ob sie einen Backhandschuh anfertigen wollen, einen Leseknochen oder doch lieber ein kleines Täschchen. Ob sie den weißen Stoff mit den hübschen Schmetterlingen nutzen oder vielleicht den türkisfarbenen mit den bunten Figuren. "Es gefällt mir, dass man machen kann, was man will", bestätigt Ella.

Ganz nebenbei lernen sie und die anderen Teilnehmer dabei einiges. Wie man Hände und Füße koordiniert, wenn man an der Nähmaschine auf das Pedale tritt und gleichzeitig den Stoff führt. Wie man den Faden in das winzige Nadelöhr bugsiert. Und wie man mit dem Bügeleisen hantiert, schließlich müssen die Stoff-Werke zwischendurch immer wieder geglättet werden. Um zu verhindern, dass sich die kleinen Hände an dem heißen Gerät verbrennen, hat Simone Möller einen simplen Trick: "Einfach eine Hand auf den Rücken halten, damit man nicht versehentlich darüber bügelt."

Gerade arbeitet Ella an einer Wickeltasche für ihren Cousin, der bald zur Welt kommen soll. Einen dunkelblauen Stoff mit lustigen weißen Walen hat sie dafür ausgewählt, die Innentaschen wiederum sind weiß-grau gestreift beziehungsweise gepunktet. Nicht ihr erstes Projekt. Auch den geblümten Backhandschuh, der ebenfalls auf dem Tisch liegt, habe sie angefertigt, erzählt sie nicht ohne Stolz. "Und für meinen Opa habe ich einen Leseknochen genäht."

Die zehnjährige Helene, die neben Ella sitzt, werkelt währenddessen an einem Gebilde aus dickem grünem Stoff, das an ein großes "J" erinnert. "Das wird ein Schlüsselanhänger", sagt sie. Der Nähkurs, den sie im vergangenen Herbst absolviert habe, sei ein Weihnachtsgeschenk gewesen. "Und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich jetzt jeden Freitagnachmittag komme." Auch sie kann schon einiges an Ergebnissen vorweisen. Beispielsweise eine Schürze - "die benutze ich öfters in der Küche". Oder ein Frosch-Kissen, das sie ihrem Vater geschenkt habe: "Da hat er sich sehr gefreut."

Leo (13) ist an diesem Nachmittag ebenfalls konzentriert bei der Sache. Gerade steppt er einen gestreiften Stoff mit einem Vlies zusammen - für einen Backhandschuh. Er arbeite gerne mit den Händen, und Nähen mache ihm einfach Spaß, sagt er knapp, bevor er sich wieder seiner Aufgabe widmet.

Anregungen für ihre nächsten Projekte finden die Nachwuchs-Näherinnen und -Näher an einer großen Pinnwand an der Wand, auf der Simone Möller und ihre Schulpraktikantin Heidi Selbstgenähtes präsentieren: Mützen, Taschen, Haarbänder und Stoffherzen hängen hier zwischen niedlichen Stoffmäusen und -hasen. Sogar Stufenröcke hätten die jungen Näherinnen kürzlich fabriziert, erinnert sich die studierte Textiltechnikerin, die seit elf Jahren Nähkurse gibt. Ganz nebenbei verrät sie den Kindern noch etliche Tricks. Dass beispielsweise meist von links genäht und das Ergebnis danach umgedreht wird - "das hat den Vorteil, dass man es nicht so sieht, wenn man mal nicht so schön genäht hat". Und dass hölzerne Essstäbchen beim Umdrehen ziemlich praktisch sind.

Ellas Werk nimmt währenddessen Form an. Etwas fehlt allerdings noch: eine Lasche zum Verschließen. Die fertigt die Achtjährige aus einem rechteckigen Stück Stoff an. Dann befestigt Simone Möller noch einen Druckknopf an dem Stoff - und fertig ist die neue Wickeltasche. "Cool, danke", freut sich Ella und schmiedet gleich neue Pläne: Als nächstes will sie ein Sweatshirt nähen, diesmal aber für sich selbst. Termine und Preise der Kurse für Kinder gibt es auf der Homepage www.nittokitto.com. Brigitte Degelmann

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