Holger Brackemann
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Hassia-Wasser

Stiftung Warentest wehrt sich gegen Wasser-Vorwürfe

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Die Kritik von Hassia-Marketing-Chef Ullrich Schweitzer am jüngsten Vergleich der Stiftung Warentest zu Leitungs- und stillen Mineralwässern (die FNP berichtete) kann man bei der Stiftung nicht nachvollziehen.

Die Kritik von Hassia-Marketing-Chef Ullrich Schweitzer am jüngsten Vergleich der Stiftung Warentest zu Leitungs- und stillen Mineralwässern kann man bei der Stiftung nicht nachvollziehen. Auch sei das Ergebnis nicht politisch motiviert gewesen. Schweitzer hatte kritisiert, dass der Vergleich der Wässer mit unterschiedlichen Kriterien vollzogen worden sei.

Holger Brackemann, Leiter des Bereichs Untersuchung, und Ursula Loggen, Leiterin des Teams für Ernährungsuntersuchungen, geben Schweitzer nur in einem Punkt recht: „Der Umfang der Untersuchungen war unterschiedlich.“ Doch die von Schweitzer genannten Zahlen seien nicht korrekt. So habe die Stiftung Leitungswässer in insgesamt 89 Punkten geprüft, „das war keine Schmalspuruntersuchung“, schildert Brackemann.

Die Mikrobiologie sei beim Leitungswasser außen vor geblieben, weil dort Verunreinigungen am Wasserhahn Einfluss hätten nehmen können. „Um das auszuschließen, bräuchte man eine Art Flammenwerfer. Und da wir anonym die Proben genommen haben, können wir kaum damit vorstellig werden“, sagt Brackemann.

Der Mineralstoffgehalt indes sei nicht primäres Untersuchungsziel bei den Leitungswässern gewesen. Hier habe sich die Stiftung bei den von Wasserversorgern angegebenen Daten bedient. Doch Verunreinigungen durch menschliche oder natürliche Einflüsse seien genau unter die Lupe genommen worden. So seien etwa bei Chromat Überschreitungen der diskutierten Grenzwerte auch genannt worden; auch zum Nitratgehalt fänden sich detaillierte Werte. Überschreitungen der Grenzwerte seien auch genannt worden. Ob durch Kommazahlen, Hell-Dunkel-Felder oder im Fließtext spiele da keine besondere Rolle. Bei den Schadstoffen allerdings habe die Stiftung in beiden Fällen Kommazahlen genannt.

Die Kritik Schweitzers, dass der Mineralstoffgehalt bei stillen Wässern eher niedriger sei als in kohlesäurehaltigen, stößt auf Unverständnis. „Schweitzer hat klar und korrekt gesagt, dass man am Mineralwasser kaum etwas ändern darf“, schildert Brackemann. Loggen ergänzt: „Unsere Untersuchung hat aber gezeigt, dass nur acht der 30 Mineralwässer beim Mineralstoffgehalt über dem hier stärksten Trinkwasser liegen.“ Die Bandbreite reiche bei den Mineralwässern zwischen 57 und 2600 Milligramm pro Liter.

Die Stiftung Warentest nehme seit einigen Jahren Tests von Mineralwasser vor, erstmals sei dies nun in der Kombination mit Trinkwasser erfolgt. Der Vergleich habe wegen der hohen Ähnlichkeit der Wässer nahe gelegen. Dabei habe man sich auf die Wasserversorger großer Städte und der Quellorte der Mineralwässer konzentriert. „Doch vorab haben wir uns mit Experten – auch aus der Getränkeindustrie – und Verbrauchern darüber unterhalten, welche Kriterien getestet werden“, sagt Loggen.

Bislang sei auch noch keine weitere Kritik bei der Stiftung angekommen. Eine politische Motivation könne man der Stiftung nicht unterstellen. „Im Gegenteil“, schildert Brackemann: Als Renate Künast (Grüne) gerade Ministerin für Verbraucherschutz geworden sei, habe man im Test festgestellt, dass Bio-Fleisch geschmacklich nicht besser sei als konventionelles. „Es gab immer wieder Untersuchungen gegen das politische Kalkül von Ministern“, sagt Brackemann.

(kop)

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