Den halben Tag über und an den Wochenenden bleiben die Schwimmbecken im Rebstockbad ungenutzt.
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Den halben Tag über und an den Wochenenden bleiben die Schwimmbecken im Rebstockbad ungenutzt.

Bäderbetriebe nutzen die Zwangspause

Still ruht das Wasser

  • vonKatja Sturm
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Hinter den Kulissen wird in den Frankfurter Hallenbädern weiter gearbeitet.

Frankfurt. -Unterhalb der bläulich schimmernden Wasseroberfläche existiert noch eine für Schwimmer unsichtbare Welt. Eine graue, voller Rohre, Pumpen, Schalterkästen. Eine Million Liter Wasser kann hier pro Stunde umgewälzt werden. Wenn 14 Filter im Hochbetrieb arbeiten.

In Zeiten des Lockdowns läuft auch die Maschinerie im Rebstockbad nicht mit aller Kraft. Obwohl von den Frankfurter Hallenbädern jenes nahe dem Messegelände das einzige ist, das zumindest nachmittags ein paar Stunden lang für ausgewählte Gruppen öffnen darf, sind einige Elemente aus der Konstruktion in den Katakomben stillgelegt. Die Turbinen etwa, die ansonsten Wellen erzeugend zusätzlichen Spaß ins Becken bringen. Oder der Teil der Anlage, der für die Sauna zuständig ist. Die Duschen dort müssen trotz leerer Wannen und ausgeschalteter Kabinen aber ab und an rauschen.

Auch die anderen Bäder im Stadtgebiet, in denen sich seit Mitte Dezember offiziell nichts bewegt, ruhen nicht wirklich. Hinter den Kulissen sorgen Mini-Teams dafür, dass die Rohre regelmäßig durchgespült werden, und kontrollieren die Technik. Den Betrieb komplett lahmzulegen, vielleicht gar die Becken zu entleeren, würde laut Boris Zielinski, dem Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe, nicht nur dafür sorgen, dass bei einer bevorstehenden Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen die Anlagen erst eine knappe Woche lang hochgefahren werden müssten. Durch eine Trockenlegung würden Folgeschäden entstehen und Kosten, die jene übertreffen, die sich aus dem Betrieb auf Sparflamme ergeben.

Stilllegung wäre teurer als Standby-Modus

"Wir haben das mal im Textorbad gesehen", erzählt Zielinski. Da nisteten sich nach einer Pause Legionellen ein. Auch das Material könnte kaputt gehen. Deshalb werden nur Raum- und Wassertemperaturen gesenkt, und alles bleibt im Standby-Modus.

Um 30 bis 50 Prozent reduzieren sich dadurch die Betriebskosten. Von den etwa 300 Mitarbeitern der Bäderbetriebe befinden sich zwei Drittel in Kurzarbeit. "Die Bäder", erklärt Sportdezernent Markus Frank (CDU), "sind sowieso ein Zuschussgeschäft." Doch dank der Einsparungen bewegt man sich laut Zielinski auf dem gleichen Niveau wie sonst auch. Dabei profitiere man von der 2018 beschlossenen Absage an die Leiharbeit. Während die jetzt angestellten Mitarbeiter dank der Agentur für Arbeit und dem Arbeitgeberzuschuss laut Betriebsratsleiter Armin Vessali auch in Kurzarbeit über 95 Prozent ihres vorherigen Einkommens verfügen, muss sich ihr Chef nicht mit beauftragten Firmen über kurzfristige Änderungen von Verträgen einigen. Dennoch, betont Vessali, würden die meisten lieber arbeiten kommen, statt zu Hause die Füße hochzulegen. Dafür nehmen sie sogar kurzfristige Umschulungen in Kauf. Wer sonst als Aufpasser am Beckenrand stand, der reinigt jetzt nach einem Tag Einarbeitung Duschen und Umkleiden oder hilft sonst dort, wo ein Bedarf entsteht.

Die Wochen des Lockdowns werden dazu genutzt, Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen, die sonst schwer anzugehen sind. Neue Farbe wird an die Wände gebracht oder etwas an den Spinden optimiert. "Schönheitsreparaturen eben", sagt Zielinski. Die größeren Themen wie die Renovierung der Sauna in den Titus-Thermen sind abgearbeitet. "Die Bäder sind gut in Schuss", versichert Zielinski. Gerne würde deshalb nicht nur er die Türen so bald wie möglich wieder für die Allgemeinheit öffnen.

Den Mitarbeitern fehlen die Gäste

Ende 2020 durften ein paar Wochen lang Schülerinnen und Schüler in den Hallenbädern Schwimmen lernen und üben. "Sobald es wieder Präsenzunterricht gibt", sagt Frank, "werden wir das wieder anbieten." Aktuell bevölkern nur Leistungssportler ein paar Stunden am Tag die Becken im Rebstockbad. Die 1982 eröffnete Anlage bietet im Vergleich zu den anderen Hallenbädern laut Zielinski den Vorteil, dass hier die unterschiedlichsten Wassersportdisziplinen ausgeübt werden können: Schwimmen ebenso wie Wasserball und Wasserspringen; für Letzteres gibt es mehrere Bretter und eine Plattform bei fünf Meter.

Für Betriebsleiter Harald Kümbel ein kleiner Trost in der Tristesse. Es werde alles sorgfältig erledigt, sagt der 54-Jährige. "Aber im Schwimmbad zu arbeiten, heißt, Publikum zu haben." Bis zu 3000 Gäste kommen sonst pro Tag ins Rebstockbad. Nicht nur Kümbel hofft, dass er dieses vor dem ab April geplanten Abriss noch einmal in Vollbetrieb erlebt. "Publikum heißt Geist", sagt er. "Und der Geist fehlt uns." Katja Sturm

Harald Kümbel und sein Team halten die Technik am Laufen.
Nur Leistungssportler dürfen nachmittags trainieren.

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