Ruhig genug für ein Nickerchen: Dort, wo normalerweise reger Betrieb herrscht und Reisende sich vor dem anstehenden Flug stärken, liegt eine Frau und schläft. Das Restaurant ist geschlossen, die Stühle sind hochgestellt. Fotos: Rainer Rüffer
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Ruhig genug für ein Nickerchen: Dort, wo normalerweise reger Betrieb herrscht und Reisende sich vor dem anstehenden Flug stärken, liegt eine Frau und schläft. Das Restaurant ist geschlossen, die Stühle sind hochgestellt.

Lockdown nicht nur in der Luft

Still ruht der Flughafen

  • vonSabine Schramek
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Immer noch ist das Bild eines der weltweit bedeutendsten Drehkreuze trostlos. Im Dezember 2020 zählte der Frankfurter Flughafen nur 891 925 Passagiere - 82 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Terminal 2 ist wegen der Corona-Pandemie noch immer zu. Dort, wo Reisende abfliegen, herrscht gähnende Leere. Außer in Richtung Dubai.

Frankfurt -Die riesigen Anzeigetafeln klackern. Die Ziele - ans Meer in die Sonne oder ins Gebirge zum Tiefschnee - lassen träumen. Nur ein junges Mädchen weint. Fest von ihrem Vater umarmt, sitzt die Jugendliche auf den niedrigen Eisenstangen an einer Informationstafel und schluchzt. Abschiedsschmerz vor dem Weg zur Passkontrolle. Noch sind 15 Minuten Zeit. Der Flughafen ist leer. Dort, wo auf der Galerie über dem Abflugterminal Last-Minute-Flüge locken, sind die Schalter leer. Zwei Wochen Thailand ab 877 Euro, eine Woche Ägypten ab 319 Euro. Nur bei einem Last-Minute-Anbieter sitzt ein Mitarbeiter. "Es läuft nicht. Es kommen keine Kunden", sagt er. "Jeder hat Angst vor Corona, vor Quarantäne und davor, dass sie nicht mehr zurückkönnen, wenn es schlimmer wird", so der frustrierte Verkäufer.

Mehr Crews als Passagiere

Ein Blick auf die Check-In-Schalter bestätigt es. Fast überall herrscht große Leere. Mehr als Passagiere, die Einchecken wollen, sind Crews zu sehen. Piloten und Stewardessen in schicken Uniformen mit Rollkoffern. Sie eilen Richtung Gates. "Voll sind unsere Flüge momentan nicht", sagt eine Stewardess von Air Nippon Airways (ANA) auf dem Weg zu ihrer Maschine, die in zwei Stunden Richtung Tokio abheben wird. Die Check-In-Schalter sind dünn besetzt. Die Schlange ist kurz. Es sind hauptsächlich japanische Familien, die anstehen. Die Gepäckwagen voller Koffer und Kisten. "Wir kehren zurück nach Hause. Zwei Jahre waren wir in Frankfurt, jetzt ist unsere Zeit hier vorbei", erklärt der Mitarbeiter eines Autokonzerns. Die Möbel der Familie sind per Container auf dem Weg nach Japan. Die Kinder wollen noch am Flughafen shoppen. Zumindest vor der Passkontrolle haben sie Pech. Alle Geschäfte außer den Zeitschriftenläden und der Apotheke sind zu. An manchen hängen noch Zettel, die ein "schönes Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr 2021" wünschen. Andere haben Schilder angebracht, auf denen eigentlich Öffnungszeiten stehen sollten. Aber sie sind blank.

Einkaufen fällt aus

An wenigen Imbissen gibt es noch Kaffee und Kleinigkeiten zu essen, einkaufen fällt flach. Die Lokale, in denen sich vor Corona Geschäftsleute getroffen haben und Reisende zum Abschiednehmen, sind geschlossen. Wer auf die Rollbahn blicken möchte, kann das nicht gemütlich wie früher bei Käfer, sondern nur aus Fenstern im langen, leeren Gang. Eine Condormaschine rollt vom Finger. Nur wenige Plätze sind besetzt. Die Sehnsucht bleibt.

Beim Einchecken füllt sich die Schlange an den Schaltern von Emirates Airlines nach Dubai. Es ist das Reiseziel der Influencer, der Schönen, Reichen und Berühmten. Bis zum 31. Januar reichte ein PCR-Test, der nicht älter als 96 Stunden ist, seit dem 1. Februar darf der Test nicht älter als 72 Stunden sein. Die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen auch Dubai zählt, sind vom Robert Koch-Institut seit dem 24. Januar als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Die landesweite Ansteckungsrate liegt deutlich über 200 Fällen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. "Da ist es warm, Strände, Hotels, Gastronomie und Geschäfte haben offen und es gibt keine Quarantäne", sagt eine Frau mit Pelzmantel.

Es gibt aktuell nur wenige Reiseziele, in die man ohne Quarantäne einreisen darf. Wer bereits geimpft ist, kann ohne Quarantäne auf die Seychellen, nach Island, Polen, Moldau und Rumänien reisen. Nicht nur in der Ankunfthalle ist es leer. Auch bei den Corona-Tests. Dort, wo im vergangenen Jahr noch zwei Corona-Test-Stationen waren, gibt es nur noch eine. Wer sich testen lassen will, muss kaum Wartezeit in Kauf nehmen.

Ein negatives Testergebnis ist erleichternd, nimmt aber nicht den Abschiedsschmerz. Noch einmal nimmt der Vater seine Tochter fest in den Arm, bevor sie schluchzend hinter der Passkontrolle verschwindet.

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