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Stiller Protest gegen Frankfurter Querdenker

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Von: Matthias Bittner

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Egal wann, egal wo: Wo Querdenker unterwegs sind, sind auch Gegendemonstranten. FOTO: renate hoyer
Egal wann, egal wo: Wo Querdenker unterwegs sind, sind auch Gegendemonstranten. © Renate Hoyer

Heute treffen sich Bürger zum Gegenprotest

Seit Wochen schon versammeln sich samstags "Querdenker" im Holzhausenpark. Er ist Ausgangspunkt für Spaziergänge in die Innenstadt, mit denen gegen Corona-Maßnahmen und die geplante Impfpflicht demonstriert wird. Unerträglich finden das Bewohner des Oeder Weges und aus dem Holzhausenviertel. Sie formieren sich Samstag für Samstag zum sichtbaren Gegenprotest, um "Wissenschaftsleugnern, Verschwörungstheoretikern und Anhängern der rechten Szene" nicht tatenlos das Feld zu überlassen. Mit Mahnwachen wollen sie eine Zeichen setzen für Toleranz, Respekt, Demokratie und gegen rechte Hetze.

Ort des friedlichen Miteinanders

"Nordend gegen Querdenker" nennt sich die Gruppe auf Twitter. Sie ist Teil von "Frankfurt solidarisch". Das ist ein Netzwerk engagierter Bürger und Organisationen, die sich entschieden abgrenzen von den Spaziergängern. Für heute ab 14 Uhr lädt das Netzwerk zur Mahnwache im Holzhausenpark ein. Der Termin wurde frühzeitig angemeldet, um den Spaziergängern zuvorzukommen. "So wird der Park nicht durch Tausende sogenannter Querdenker" besetzt. Denn traditionell sei die Grünanlage "ein Ort des friedlichen Miteinanders, Spielstätte und Begegnungsraum für Kinder und Nachbar. Das soll auch in Zukunft so bleiben", heißt es in der Einladung.

Die Organisatoren hoffen heute auf zahlreiche Besucher, die mit ihrer Präsenz beweisen, dass sie für Vielfalt, Aufklärung und solidarische Krisenbewältigung sind. Gut zwei Stunden dauert die Mahnwache, währenddessen informiert Frankfurt solidarisch über seine Ziele. Omas gegen Rechts stellen ihre Schleifen-Kampagne vor und eine Ausstellung über Neofaschismus wird zu sehen sein.

Um 16 Uhr werden die Zelte im Holzhausenpark dann aber abgebrochen, damit man sich noch rechtzeitig in der Glauburgstraße/Ecke Eckenheimer Landstraße positionieren kann. Dort werden kurz nach 16 Uhr die Spaziergänger vorbeikommen. Plakate mit der Aufschrift "Denkt ihr immer noch, ihr demonstriert gegen eine Diktatur?" oder "Verschwörungstheorien gefährden Ihre Gesundheit" werden ihnen hier von den Gegendemonstranten entgegengestreckt.

Die sind es mittlerweile gewohnt, dass sie wüst beschimpft, bedroht und eingeschüchtert werden, sagt Jochen Müller. Er ist der Einzige, der seinen Namen nennt. Seine Mitstreiter sind da deutlich zugeknöpfter. Und das nicht grundlos. Etliche hätten nachts schon anonyme Anrufe erhalten, gegen mehrere Häuser mit eindeutigen Plakaten in den Fenstern seien schon Eier geschleudert worden. Und im Internet und in den sozialen Medien kursierten auch mehrere Filme, die Gegendemonstranten bei ihren samstäglichen Mahnwachen zeigen. Müller spricht nicht von Angst, aber man werde schon vorsichtiger, sagt er. Einschüchtern will er sich dadurch aber nicht lassen. Vermutlich nur weil sich Polizisten während der Mahnwachen schützend vor den Gegendemonstranten positionieren und auch schon eingreifen mussten, seien bislang Tätlichkeiten ausgeblieben.

Dem Beispiel aus Heddernheim gefolgt

"Die Stimmung hat sich zuletzt schon sehr verschärft, das nimmt bedenkliche antidemokratische Strömungen an", ist Müller besorgt. Das wollten und wollen er und seine Nachbarn nicht hinnehmen und organisieren deshalb "einen visiblen Gegenprotest". Damit folgen die Nordend-Bewohner übrigens dem Beispiel von Bürgern in Heddernheim. Die wehren sich schon seit Anfang des Jahres gegen die Spaziergänge von Querdenkern in ihrem Stadtteil.

Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung mit Sitz im Holzhausenschlösschen, findet die Querdenker-Versammlungen auch noch aus einem anderen Grund bedenklich. Er macht sich Sorgen um den Holzhausenpark. Die ohnehin stark frequentierte Anlage leide unter den zusätzlichen Menschenmassen. Durch die Belastung werde das Erdreich verdichtet, weshalb Wasser nicht versickern und Rasen und Bäume versorgen könnte. "Die Stadt muss unbedingt versiegelte Flächen als Versammlungsorte ausweisen", sagt Greve. Matthias Bittner .

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