Baugebiet in Bergen-Enkheim

Stillstand an der „Leuchte“

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Wieder einmal geht es nicht vorwärts im Baugebiet „Leuchte“: Weil das Grundwasser höher steht als gedacht, muss die Erschließung – also das Verlegen der Leitungen und der Bau der Straßen – neu ausgeschrieben werden. Im Sommer sollen die Arbeiten weitergehen.

Ein Bagger steht herum, auf der anderen Seite des provisorischen Weges sind steinerne Röhren übereinandergestapelt. Alles sieht normal aus im Neubaugebiet „Leuchte“, wo im Herbst vergangenen Jahres die Erschließung mit dem Verlegen von Kanälen und von Leitungen unter den künftigen Straßen des Wohngebiets begonnen hat. Doch zurzeit herrscht Stillstand. Die Arbeiten ruhen und müssen neu ausgeschrieben werden.

„Der Grundwasserstand in dem Areal ist heute 75 Zentimeter höher als bei der Planung der Arbeiten. Dadurch muss ganz anders gearbeitet werden“, erklärt Ulrich Rendel, stellvertretender Leiter des Amts für Straßenbau und Erschließung. Dennoch ist er überzeugt: Im Frühjahr 2016 ist alles fertig und die ersten Häuslebauer können ihre Bauanträge stellen.

Die Kanäle liegen zum Teil sehr tief in der Erde. „Wenn beim Bau Grundwasser in die ausgehobenen Gräben fließt, muss man Wasserhaltung betreiben, um das Nass aus den Gräben heraus zu halten“, sagt Rendel. Und so werden die Gräben abgedichtet oder das Wasser bis zum Ende der Arbeiten ständig aus den Gräben gepumpt. „Auf jeden Fall muss die Firma völlig anders vorgehen. Das, was gemacht werden muss, weicht von der Ausschreibung so stark ab, dass eine Neuausschreibung notwendig ist“, betont Rendel. Fast alle nun notwendigen Leistungen müssten ansonsten über Nachträge abgerechnet werden.

Noch sei nicht genau klar, warum sich der Grundwasserpegel derart stark verändert habe, sagt Rendel. Gestiegen sei er aber wohl, seit die Hessenwasser GmbH ihren Trinkwasserbrunnen im Enkheimer Ried schloss und dort nicht mehr gefördert wird. Im April sollen die Arbeiten nun neu ausgeschrieben werden, so dass die Bauarbeiten voraussichtlich im Sommer weitergehen könnten. „Wir werden versuchen, die verlorene Zeit so weit wie möglich aufzuholen.“

Ob es dadurch für die künftigen Bauherren an der „Leuchte“ größere Verzögerungen geben wird, ist schwer abzuschätzen. Denn auch das Vermessungsamt rechnet damit, im Idealfall Anfang 2016 mit dem Umlegungsverfahren fertig zu sein. Dabei entstehen aus den bisherigen Grundstücken der Garten und Grünflächen die neu zugeschnittene Baugrundstücke.

Erst wenn die neuen Grundstücke festgelegt und die Erschließung abgeschlossen ist, können die ersten Bauanträge gestellt werden, erklärt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. „Umlegungsverfahren und Erschließung bedingen sich gegenseitig.“ Ein Bebauungsplan lege fest, wo Straßen, Parks, Häuser oder Grünflächen entstehen. Aber erst, wenn das Umlegungsverfahren weit fortgeschritten sei, könne die Erschließung beginnen. „Vorher sind nur vorbereitende Arbeiten möglich.“ Mit rund

90 Prozent der Grundstückseigentümer habe das Vermessungsamt bereits gesprochen, sagt Gellert. „Mit einigen Leuten muss noch abschließend gesprochen werden. Die offenen Fragen sind aber überschaubar. Es gibt nichts, was uns großes Kopfzerbrechen bereitet.“

Aufgehalten hatten die Entwicklung des Baugebiets in den vergangenen Jahren vor allem die stark geschützten Zauneidechsen, die im Areal an der „Leuchte“ lebten. Der Umzug der Tiere in einen Ersatzlebensraum im Osten Fechenheims sei abgeschlossen, erklärt Christa Mehl-Rouschal von der Unteren Naturschutzbehörde. „Einige Tiere bleiben in der Binnendüne. Diese wollen wir so entwickeln, wie es der natürliche Standort gestattet“, sagt sie. Der Rest, geschätzte 300 bis 500 Tiere, seien umgezogen.

Irgendwann werde auch der heutige Eidechsenzaun durch einen Absatz im Gelände ersetzt, sagt Mehl-Rouschal. „Über diesen Absatz können die Eidechsen zwar zur Binnendüne, aber nicht von dort in die künftigen Gärten wandern.“ Wie die Binnendüne öffentlich zugänglich gemacht werde, werde zurzeit mit dem Grünflächenamt geplant. „Vorstellbar wäre ein Bohlenweg wie in den Schwanheimer Dünen. Der hat sich dort bewährt.“

Noch nicht abgeschlossen ist hingegen die Suche nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, sagt Rendel. „Es war anfangs nicht vorgesehen, aber nun untersuchen

wir flächendeckend das komplette Gebiet.“ Denn immer wieder stoße man auch dort, wo es aufgrund

von Aufzeichnungen keinen Verdacht auf Bomben gebe, auf diese explosiven Überbleibsel des Krieges.

(hau)

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