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Stöbern, Sammeln, Schnäppchen suchen

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Von: Sabine Schramek

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Der Erlös aus Kuchen und Kaffee spendet dieser Stand an die Menschen in der Ukraine.
Der Erlös aus Kuchen und Kaffee spendet dieser Stand an die Menschen in der Ukraine. © rüffer

Viel los beim Haus- und Hofflohmarkt

Eine feste Institution ist der Rödelheimer Haus- und Hofflohmarkt geworden. Zweimal im Jahr leeren mindestens 100 Teilnehmer Keller und Speicher, um Platz für Neues zu schaffen und gleich selbst zum Flohmarktshoppen zu gehen.

Eine getigerte Katze hat den besten Platz gefunden. Sie liegt schnurrend auf der gepolsterten Lehne eines hochkant aufgestellten Sofas und lässt sich von jedem den Kopf kraulen, der vorbei kommt. Und es kommen viele vorbei, um in den Straßen von Rödelheim nach Dingen zu suchen, die das eigene Zuhause schöner oder praktischer machen. Schon auf dem Platz vom Bahnhof sind Tische mit günstiger Kleidung, Kunst und Nippes aufgebaut. Ein paar Meter weiter steht ein kleiner Tisch mit Ukraine-Flagge, auf dem Perlenketten, Perlenarmbänder, kunterbunte Ringe und ausgefallene Haarspangen liegen. „Wir machen das alles selbst“, erzählt Viktoriia. Im März sind sie und ihre Freundin vor dem Angriffskrieg in der Ukraine geflohen. „Unsere Familien sind noch dort“, sagt Viktoriia. Um ihren Verwandten und Freunden näher zu sein, machen sie den hübschen Schmuck und spenden einen Teil der Einnahmen an die ukrainische Armee zu Hause. „Wir gehen auf Flohmärkte und bieten die Sachen auf Instagram unter #bijoustore.de an. Das läuft ganz gut, und auch den Leuten hier scheint es zu gefallen.“

Einnahmen gehen an die Ukraine

Beim Bummel durch die Straßen fallen einige Gärten und Höfe auf, wo Ukraine-Flaggen hängen. „Man muss den Leuten doch helfen. Die Situation für sie ist einfach furchtbar“, sagt Peter Neuer, der einen Spaziergang durch die Straßen macht. „Ich habe an drei Ständen etwas gekauft, weil die Leute einen Teil ihrer Einnahmen an die Ukraine spenden. Eigentlich brauche ich nichts, aber das finde ich eine gute Sache.“

Überall wuseln, gucken und stöbern Sonntagsspaziergänger an Ständen, in Gärten und Höfen. Kleidung und Spielzeug gibt es jede Menge, Schallplatten, DVDs und Küchengeräte ebenfalls. Vor einer Hausecke hat Michael Böck einen langen Stand aufgebaut mit Sammlertassen aus edlem Porzellan, schönem Geschirr und einem Bembel mit dem Oberurseler Rathaus. „Die Eltern sind im Pflegeheim, und ich will, dass das Geschirr weiter genutzt wird“, sagt er und lacht ein bisschen über einen Becher mit der Aufschrift „Sound of Frankfurt 1998“. Ob sich dafür jemand interessiert, weiß er noch nicht, „aber Nostalgie ist ja auch schön“.

In einer Seitenstraße blitzt ein kleiner Wohnwagen hervor, der viele Besucher anlockt. „Der ist aber nicht zu verkaufen“, sagt Senta-Marie Rudolph, die sich mit ihrer Mutter abwechselt und gemütlich in Flugzeugsitzen sitzt. „Die werden verkauft und das meiste andere hier auch“. Zwischen Teppichen und Heizlüftern, Pelzmänteln von der Oma, einem Bettgestell, Lederjacken, Schlitten und Spielen genießt sie die Sonne und ein Schwätzchen mit Besuchern. Schon früher haben sie beim Haus- und Hofflohmarkt mitgemacht. „Das hat immer Spaß gemacht“, erzählt sie. Erstens weil immer einiges weggegangen sei, zweitens, weil man Leute kennenlernt. Ihre Mutter ist gerade unterwegs, um zu gucken, was die anderen so anbieten. Ob sie dabei auch shoppen geht, weiß Rudolph nicht. „Wenn ja, bleibt’s ja in der Nachbarschaft“, sagt sie lachend.

Wer Hunger und Durst hat, muss nicht weit gehen. Frisch gebackener Kuchen, Kaffee und andere Kleinigkeiten gibt es. Die Rödelheimer sind gastfreundlich. Wenn ein Flohmarktkunde nett ist, gibt es schon mal einen Kaffee mit dazu. Manche suchen gezielt etwas. Comic-Hefte aus den 90er Jahren etwa sucht Kevin (19). „Bisher habe ich noch kein Glück gehabt. Zumindest nicht, was Comichefte angeht.“ Er zieht einen Rollkoffer hinter sich her. „Den habe ich gerade für acht Euro gekauft und da drin sind zwei Paar Sneaker. Eins für mich und eins für meinen Bruder. Eine Schreibtischlampe habe ich auch noch gekauft. Damit lese ich dann, wenn ich noch Comics finde“, meint er.

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