Auch die Straßenbahn wird ihren Dienst in der Oberräder Landstraße nur eingeschränkt tun können, wird die Straße vom kommenden Jahr an saniert.
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Auch die Straßenbahn wird ihren Dienst in der Oberräder Landstraße nur eingeschränkt tun können, wird die Straße vom kommenden Jahr an saniert.

Offenbacher Landstraße in Oberrad

Stolperstrecke soll saniert werden

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) hat die Pläne für die Sanierung der westlichen Offenbacher Landstraße vorgestellt. Schon im Frühjahr 2017 sollen die Bagger zwischen Scheerengasse und Buchrainplatz anrollen. Doch die Bürger bleiben ob des straffen Zeitplans skeptisch.

Just nachdem Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) Oberrad verlassen hatte, passierte es schon wieder: Ein Radfahrer stürzte auf der Offenbacher Landstraße. „Die Situation hier ist wirklich ein Drama und vor allem für Fahrradfahrer viel zu gefährlich“, sagt der Oberräder Volker Hartmann. Das Straßenbild wird durch tiefe Krater im Asphalt und herabgesenkte Pflastersteine, die die Gleise der Straßenbahn mehr als fünf Zentimeter aus dem Boden herausragen lassen, geprägt. Doch das soll sich ändern. Deshalb war Stefan Majer nach Oberrad gekommen. Zusammen mit Michael Wejwoda vom Amt für Straßenbau und Erschließung sowie Torsten Jordan von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) stellte er den interessierten Bürgern die Pläne für die Sanierung der Offenbacher Landstraße vor.

Bagger kommen bald

Schon im März 2017 sollen die Bagger anrollen, die Hauptverkehrsader durch Oberrad aufgehübscht werden. Zwischen Scheerengasse und Buchrainplatz werden auf einer Länge von 560 Metern komplett die Gleise ausgetauscht und neue verlegt werden. In vier Bauabschnitten werden die Pflastersteine beseitigt, neuer Asphalt verlegt, ein durchgängiger Fahrradweg eingerichtet. Zudem werden 13 neue Bäume gepflanzt, die Straßenbahnhaltestelle „Bleiweißstraße“ barrierefrei umgestaltet und ein zusätzlicher Fußgängerüberweg östlichen des Hansenwegs. Insgesamt werden rund 8,1 Millionen Euro investiert. Davon sollen 3,7 Millionen Euro aus Zuwendungsmitteln finanziert werden.

Bereits seit den 1980er Jahren gibt es Überlegungen, die Offenbacher Landstraße zu sanieren und umzugestalten. Erste Vorplanungen stammen aus dem Jahr 1984 und 1987. Das Stadtparlament hatte bereits im Dezember 1993 den Plänen zugestimmt. Neue Bäume sollten gepflanzt, die Parkplätze am Straßenrand schräg angeordnet werden. Doch immer wieder wurden die Planungen überarbeitet. Im Jahr 2008 wurden die finanziellen Mittel sogar in den Haushaltsentwurf miteingeplant. Lediglich ein Teilstück rund um die Tram-Haltestelle „Balduinstraße“ wurde im Herbst 2013 saniert.

„Wir hatten uns den Fortgang der weiteren Sanierungsarbeiten auch einfacher vorgestellt“, sagt Majer. Doch so sei es nicht gewesen. Denn für diese Baumaßnahme habe man ein Planfeststellungsverfahren einleiten müssen – laut Majer „das schwierigste überhaupt“. Schon 2014 habe man dies gemacht. Doch viele Unterlagen mussten zusammengetragen werden. Um nur ein Beispiel zu geben: Auf der Offenbacher Landstraße sind die Fahrleitungsmasten von den Trams an den Häusern angebracht. „Wenn wir die Leitungen jetzt neu machen wollen, ist die Genehmigung aber weg“, erklärt Majer. Die brauche man aber. „Dafür mussten wir der Feuerwehr aber für jede Wohnung einen zweiten Rettungsweg nachweisen, was nicht immer leicht ist und Zeit kostet “, sagt Majer.

Im September, so hofft es der Verkehrsdezernent, soll der Planfeststellungsbeschluss vom Regierungspräsidium Darmstadt aber vorliegen. Das Stadtparlament muss dann der Bau- und Finanzierungsvorlage zustimmen, so dass zwischen September und Februar die europaweite Ausschreibung erfolgen wird. „Dann können wir im März 2017 mit der Sanierung beginnen“, sagt Majer. Eine Bauzeit von 40 Wochen haben die Planer berechnet. Allerdings, so der Stadtrat, müssten die Oberräder in dieser Zeit mit Einschränkungen rechnen. „Wenn es besser werden soll, dann wird es erst einmal schlimmer, das ist auch beim Renovieren des Hauses so.“

Umleitung kommt

Während der Bauzeit ist die Offenbacher Landstraße zwischen Balduinstraße und Buchrainplatz gesperrt. Nur für Anwohner und Lieferanten werden kleine Trassen frei gehalten. Aus Frankfurt kommend geht es dann über die Siemens- oder Seehofstraße über die Gerbermühlstraße und die Wehrstraße zum Buchrainplatz.

Die Straßenbahnlinie 15 wird für die Zeit der Baumaßnahme nur bis zum Südbahnhof fahren. Die Fahrten Richtung Offenbacher Stadtgrenze entfallen. Die Linie 16 wird von Ginnheim bis zur Haltestelle Balduinstraße fahren und dort umkehren. Die samstags bis Oberrad verkehrende Linie 18 wird nur bis zum Lokalbahnhof fahren. Die Quartiersbuslinien 81 und 82 werden zusammengefasst. Sie fahren alle 30 Minuten vom Buchrainplatz über den Goldbergweg, die Georg-Treser-Straße, den Goldbergweg und die Wiener Straße zurück zum Buchrainplatz. Stündlich fährt der Bus über den Waldfriedhof. Der Schienenersatzverkehr für die Straßenbahnen fährt alle zehn Minuten von den Offenbacher Stadtgrenze über den Buchrainplatz und die Wehrstraße über die Osthafen- und Honsellbrücke bis zum Ostbahnhof, von wo die U-Bahnlinie 6 über Konstablerwache und Hauptwache bis nach Praunheim fährt. Ganz in der Nähe ist auch eine Haltstelle von der Straßenbahnlinie 11, die über den Römer und den Hauptbahnhof nach Höchst fährt.

Mit den Umleitungen können die Oberräder gut leben. Ob des straffen Zeitplans bleiben sie allerdings skeptisch – zu oft wurden sie in den vergangenen Jahren vertröstet. „Bitte nennen Sie, bevor die Ausschreibungen noch nicht abgeschlossen sind, keinen Zeitplan“, sagt Günter Jung. „Ich sage heute, und das können Sie gerne protokollarisch festhalten, dass hier vor 2018 keine Baumaschine auf der Offenbacher Landstraße steht.“

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