Das Storchennest für den ausgedienten Strommasten haben (von Links) Sabrina Riener, Daniel Schneider und Bastian Leibner während ihrer Prüfungsvorbereitungen gebaut.
+
Das Storchennest für den ausgedienten Strommasten haben (von Links) Sabrina Riener, Daniel Schneider und Bastian Leibner während ihrer Prüfungsvorbereitungen gebaut.

Nieder-Erlenbach: Ein Nest in Frankfurt

Storch statt Strom: Alles klar für Adebar

  • VonNiklas Mag
    schließen

Mainova-Lehrlinge funktionieren ausgedienten Mast um

Neubaugebiete gibt es in und um Nieder-Erlenbach reichlich. Auch ein Storchenpaar wird spätestens im nächsten Frühling in den Stadtteil ziehen. Drei Auszubildende der Mainova haben ein Nest-Gestell gebaut, das gestern auf einen ausgedienten Strommast montiert wurde. Mainova-Vorstand Peter Arnold und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) waren für das kleine Ereignis in den Stadtteil gekommen.

Die drei angehenden Konstruktionsmechaniker Sabrina Riener, Daniel Schneider und Bastian Leibner sind stolz auf ihr Werk: "Wir haben das während der Prüfungsvorbereitungen nebenbei gebaut. Es hat einige Tage gedauert", berichten sie. "Aber es hat großen Spaß gemacht und war eine gute Abwechslung." Sie seien froh, der Natur mit dem Gestell aus rostfreiem Stahl etwas Gutes tun zu können. Nabu-Vorstandsmitglied Ingolf Grabow erklärte: "Wir sind dankbar, dass die Mainova den Mast der Natur übergibt."

Bereits im vergangenen Jahrzehnt hat der Energieversorger mehrfach Nester für Störche und andere Vogelarten im Frankfurter Grüngürtel geschaffen. Die Ansiedlung von Wanderfalken am Heizkraftwerk West gehört ebenfalls dazu, außerdem finden Enten Brutplätze an der Konzernzentrale in der Solmsstraße. Seit 2020 ist eine neue Stromtrasse in Betrieb, die alten Mittelspannungs-Freileitungen verschwinden zusammen mit 16 Strommasten in den kommenden Tagen endgültig. "Dieser hier bleibt aber stehen und das ist gut, denn die Masten sind sehr beliebt bei den Vögeln", weiß Grabow. "Spätestens nächstes Frühjahr werden hier Störche einziehen. Für dieses Jahr sind wir etwas spät dran, da wäre Anfang März die beste Zeit gewesen."

Lange Zeit war der Storch aus Frankfurt verschwunden. 1968 hatten diese sich aus der Rhein-Main-Region verabschiedet, sind nicht zuletzt dank Maßnahmen wie dieser aber mittlerweile wieder heimisch hier. Doch ist damit nicht alles getan, warnt Grabow: "Die industrielle Landwirtschaft schadet vor allem den Kleinvögeln. Eine naturverträgliche Landwirtschaft ist dringend notwendig. Denn ohne ein geeignetes Umfeld helfen auch solche Nester nichts", sagt der Experte. Blumenwiesen statt englischem Rasen und Schottergärten. Nistplätze für Vögel an städtischen Gebäuden, die neu gebaut werden. Ein Umdenken dieser Art sei notwendig, fordert er. "Wir sind nicht die Herren der Natur, sondern Teil davon. Umwelt und Artenschutz müssen in die Stadt integriert werden."

Auch Peter Feldmann sagt ein paar Worte. "Ich komme ja aus Bonames, also zwei Dörfer weiter", beginnt er und erzählt: "Dort gab es immer ein Storchennest auf einem Schornstein einer Bäckerei." Das plötzliche Verschwinden der Tiere hatte man in Bonames als Unglücks-Zeichen wahrgenommen, so der Oberbürgermeister. "Die Menschen lieben das Tier, aber es ist auch ein ganz emotionales Thema." Störche seien ein Symbol für Glück. Er freue sich weiterhin über die gute Zusammenarbeit von Mainova und dem Naturschutzbund: "Sie hat etwas bewegt für den Natur- und Artenschutz."

Peter Arnold ergänzt: "Gerne unterstützen wir den Nabu Frankfurt bei der Wiederansiedlung der Störche in der Region. Eine vielfältige Natur steigert auch die Lebensqualität für die Menschen vor Ort." Man sei stolz auf die Kooperation in den vergangenen Jahren und bereit für neue Projekte. Niklas Mag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare