Gar nicht begeistert ist Hartmut Schranz, Geschäftsführender Gesellschafter des Mainnizza. Kein Wunder, schließlich bleiben wegen der vielen Stornierungen wahrscheinlich viele Plätze im Lokal leer. Dabei hatte der Gastronom auf das Weihnachtsgeschäft gehofft.
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Hartmut Schranz, geschäftsführender Gesellschafter des Mainnizza: Stornierungen im Weihnachtsgeschäft machen ihm zu schaffen.

Weihnachtsfeiern

Corona in Frankfurt: Stornierungslawine bei Weihnachtsfeiern trifft Gastronomen hart

  • VonMichelle Spillner
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Die Corona-Lage löst in Frankfurt eine regelrechte Welle der Stornierungen aus. Abgesagte Weihnachtsfeiern machen den Gastronomen zu schaffen.

Frankfurt – Sadi Sanlav vom Restaurant „Druckwasserwerk“ würde am liebsten gar nicht mehr ans Telefon gehen: „Wenn es klingelt, wissen wir schon: Das ist wieder eine Absage für eine Weihnachtsfeier.“ Die georderten Gänsebraten, die abgenommen werden müssen, werden nun nicht gegessen werden. All die Vorbereitungsarbeit eines halben Jahres, das Aufbauen des großen Zeltes im Außenbereich, die Kosten - vergebens. Bei den Gastronomen und Veranstaltungs-Locations hagelt es seit etwa vier Wochen Stornierungen.

Dabei hatte sich das Winterhalbjahr bei vielen gut angelassen. „Die Buchungslage war extrem gut, was Weihnachtsfeiern angeht“, schildert James Ardinast von der Initiative Gastronomie Frankfurt, dass es einen Nachholbedarf gegeben habe. Das bestätigt Hartmut Schranz vom „Main Nizza“: „Wir haben wirklich Freudensprünge gemacht. Die Reservierungslage war optimal, und es war alles gerichtet.“ Nun aber sei es so, dass er froh sein könne, wenn er in dieser Wintersaison noch 50 Prozent der Zahlen von Vor-Corona erreiche.

Corona Frankfurt: „Im Prinzip alle Weihnachtsfeiern abgesagt“ - harte Winter-Zeit für Gastronomen

Abgesehen von den dramatischen wirtschaftlichen Folgen sei dies auch ein emotionaler Rückschlag, wie es Lukas Kranz von der Veranstaltungs-Location Thurn und Taxis Palais bezeichnet, den es besonders hart getroffen hat: „Die Unternehmen haben im Prinzip alle Weihnachtsfeiern abgesagt - eine haben wir noch.“ Und es trudeln auch schon Absagen für Januar und Februar ein. „Solange es Ungewissheit gibt, führt das dazu, dass die Firmen sagen, wir machen keine Veranstaltungen. Dieses Problem zieht sich für uns noch Monate in die Zukunft und damit länger als bei den Restaurants“, beschreibt er.

„Die steigenden Inzidenzen und Empfehlungen des RKI, weiterhin auf größere Veranstaltungen zu verzichten, haben viele Veranstalter verunsichert. Neue Anfragen hat es kaum mehr gegeben, da viele Veranstalter auch weitere politische Entscheidungen und Maßnahmen abwarten wollten“, erklärt sich die Hoteldirektion des Steigenberger Frankfurter Hofs die Entwicklung.

Gastronom aus Frankfurt verärgert: Politik hätte Stornierungswelle wegen Corona verhindern können

Diese Verunsicherung in der Corona-Pandemie habe zu der jetzt verheerenden Situationen geführt, so Lukas Kranz. Veranstaltungen seien ja nicht verboten worden, würden unter 2G - erst als Option und nun flächendeckend vorgesehen - gut funktionieren. Aber die Aufforderung, auf größere Veranstaltungen zu verzichten, die Sorge, absagen zu müssen und die Tatsache, dass die Politik so lange mit verlässlichen Regeln gewartet habe, habe zu der Stornierungswelle geführt.

„Das hat viel zu lange gedauert. Die Stimmung ist gekippt.“ Eine klare Ansage durch die Politik vor vier Wochen, sprich Planungssicherheit, hätte das in seinen Augen verhindert: „Die Regeln jetzt, zu diesem Zeitpunkt, werden der Branche nicht mehr großartig helfen.“

Je größer die geplante Veranstaltung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie abgesagt wurde und wird. In diesem Wissen hat der Hotel Steigenberger Frankfurter Hof von vorneherein auf kleinere Veranstaltungen gesetzt und habe dafür auch verstärkt Anfragen und weniger Absagen. Die Winterlandschaft im Innenhof mit der „Erdinger Urweisse Hütt‘n“, in der viele Firmen seit 2011 feierten, gibt es wegen der Corona-Pandemie im zweiten Jahr in Folge nicht. Dort hatte das Hotel von November bis Januar immer bis zu 4500 Gäste begrüßt.

Corona-Stornierungswelle reißt in Frankfurt viele mit: „Es ist ein Alptraum, was gerade passiert"

Die Absagen indes reißen auch viele andere mit: Caterer, Technikfirmen, Möbelverleiher, Dekorateure, Blumenhändler, Künstler... Im Weihnachtsgeschäft 2019 „waren unsere Künstler jeden zweiten Tag unterwegs“, sagt Kateryna Schostak, Chefin der Frankfurter Künstleragentur Bernstein, die 30 Solokünstler und Bands vertritt. „Es ist ein Alptraum, was gerade passiert.“

Für Robert Mangold ist das ständige Umplanen nicht mehr erträglich. Der Tigerpalast habe zum Glück kaum Stornierungen, weil er eher kleinere Gruppen empfange. Aber er habe auch vorher mit aufwendigen Konzepten und umfänglichen Änderungen versucht, sich abzusichern. Ständige Änderungen und Planungsunsicherheit, „das ist den Gästen nicht mehr zumutbar und auch dem Personal und den Künstlern nicht. Es reicht langsam, wir müssen mal wieder in einen Takt kommen. Von den Politikern erwarten wir jetzt einen sicheren Weg durch den Winter, der muss verlässlich sein und darf sich nicht alle 14 Tage oder drei Wochen ändern. Das verträgt die Branche nicht mehr“. (Michelle Spillner)

Ende Oktober 2021 erlitt die Gastronomie in Frankfurt einen herben Schlag. Nach 45 Jahren muss die Weinstube am Römer schließen.

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