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Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main.

Mordanklage

Die Strangulationsfantasien an der Nachbarin ausgelebt

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Nur knapp konnte im vergangenen Sommer das Leben einer 61 Jahre alten Frau gerettet werden. Ihr Nachbar hätte sie beinahe stranguliert. Gestern wurde die Anklage gegen den 26-Jährigen vorgestellt.

Versuchter heimtückischer Mord – unter diesem schweren Vorwurf hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen einen 26 Jahre alten Arbeitslosen aus Niederursel erhoben. Der Mann soll im Juli vergangenen Jahres seine 61 Jahre alte Wohnungsnachbarin mit einem Kabel fast zu Tode stranguliert haben. Seither sitzt der psychisch auffällige mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft.

Am Samstagnachmittag, den 8. Juli, hatte es an der Wohnungstüre der 61-Jährigen in dem Mehrfamilienhaus an der Oswaltstraße geklingelt. Die Frau dachte sich nichts dabei, als sie den Nachbarn sah, und ließ ihn in die Wohnung. Schon früher hatte er dann und wann kleinere Handwerksarbeiten für sie erledigt.

Diesmal aber sprach er von einer „Überraschung“, die er für sie parat habe. Zu diesem Zweck solle sich die Frau mit dem Rücken zu ihm auf einen Stuhl setzen und die Augen schließen. Die Überraschung freilich bestand in dem brutalen Einsatz eines Kabels, mit dem der Mann den Hals des schreienden und gurgelnden Opfers strangulierte.

„Wie im Rausch“

sei er dabei vorgegangen, berichtete gestern Oberstaatsanwältin Nadja Niesen, die die Anklage gegen den mutmaßlichen Täter vorstellte.

Erst als das Opfer bewusstlos am Boden lag, habe er von ihm abgelassen und sei zu seinem Vater gefahren. „Ich habe die Iris umgebracht“, stammelte er. Dieses Geständnis führte immerhin zu einem schnellen Eingreifen der Ärzte und Sanitäter, denen es tatsächlich gelang, die Frau zu reanimieren und mit einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt zu retten.

Der Angeklagte wurde unmittelbar nach der Tat festgenommen. Schon in den ersten Vernehmungen zeigten sich deutlich psychische Auffälligkeiten. Aufgrund eines gewissen Selbsthasses und mangelnden Selbstbewusstseins befand er sich offenbar selbst als unfähig, eine geregelte Arbeit anzunehmen. Aus der Unzufriedenheit über seine Lebenssituation heraus habe er stattdessen „Strangulationsfantasien“ entwickelt, sagte Niesen. Am Nachmittag des 8. Juli fasste der 26-Jährige laut Anklage schließlich den Entschluss, „etwas ganz Grelles“ zu machen. Opfer wurde die völlig arglose Nachbarin.

Vieles in der Einlassung des Mannes deute auf eine zumindest eingeschränkte Schuld- und Steuerungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat hin. Thema in der Verhandlung wird auch eine mögliche Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus sein. Gleichwohl hat die Staatsanwaltschaft bislang eine reguläre Anklage erhoben und nicht etwa von vorneherein den Antrag auf Unterbringung gestellt. Die Schwurgerichtskammer wird sich voraussichtlich vom 22. März an mit der Gewalttat beschäftigen. Nach Mitteilung des Gerichts soll das Verfahren bereits nach drei Verhandlungstagen abgeschlossen werden.

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