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Versteckt in einem Hinterhof, bewachsen von Efeu und umrankt von Büschen und Bäumen steht das 1888 erbaute Straßenbahndepot.

Turnhalle geplant

Stadt will altes Straßenbahndepot am Weißen Stein neu beleben

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Das alte, versteckt im Wohngebiet liegende Straßenbahndepot am Weißen Stein wartet weiterhin auf seine Bestimmung. Bemühungen von Ortsbeirat, wie auch der benachbarten Ziehenschule liefen bislang ins Leere. Jetzt starten die Stadtteilpolitiker einen erneuten Vorstoß.

Das Efeu hat sich an der bröckelnden Backsteinfassade seinen Weg gebahnt, von der Erde bis zum Dach ist es geklettert und verwandelt das 1888 erbaute Gebäude ein wenig in einen verwunschenen Ort aus einem noch unbekannten Märchen.

Da ist es schwer vorstellbar, dass dort einst Dampfzüge hinein und heraus rollten, denn dass es sich bei dem massiven Bau, um eine alte Wagenhalle handelt, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Zumal mit der Einstellung des Betriebes am 21. März 1967 die charakteristischen Schienen verschwanden, als das Depot vom Netz abgetrennt wurde. Hinzu kommt, dass viele Frankfurter gar nicht von der Existenz des Depots wissen. Viel zu versteckt liegt es inmitten des Wohngebietes. In einem Hinterhof, direkt neben dem Schulhof der Ziehenschule.

Das sorgt jedoch jetzt für Sorge bei den Anwohnern, besser gesagt bei der Initiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“. „Wir haben Angst um die Kinder, die dort spielen. Denn es fallen Steine vom Dach herunter“, sagt Barbara van de Loo. Wenigstens die Scheiben und Türen seien mit weißen Platten abgedeckt, schön sehe das allerdings nicht aus. „Ganz ehrlich: Das Depot ist in diesem Zustand ein echter Schandfleck. Da muss etwas passieren“, sagt die Eschersheimerin.

Gebäude erhalten

Ein Vorstoß, den Ortsbeiratsmitglied Lothar Stapf (CDU) gerne unterstützt. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) stellte er eine entsprechenden Anfrage an den Magistrat. Demnach sollen der bauliche Zustand des Depots überprüft werden, sowie Maßnahmen eingeleitet werden, um es für die Nachwelt zu erhalten. Der Antrag wurde angenommen. Einstimmig.

„Was auch sonst. Da muss etwas passieren. Es ist verrückt, dass bislang noch nichts geschehen ist“, sagt Lothar Stapf, der allerdings bislang davon ausging, dass die Wagenhalle unter Denkmalschutz steht. Dem ist jedoch nicht so. Bereits 2007 wurde bekannt: Ursprünglich vorhandene Denkmalwerte seien durch Veränderungen und unterlassene Bauunterhaltung nicht mehr vorhanden, so die damalige Begründung.

Sprich: Das Depot kann abgerissen werden und Platz für ein anderes Gebäude machen. Zum Beispiel für eine doppelstöckige Turnhalle für die Ziehenschule. Das sei nämlich nach wie vor der Plan, bestätigt Günter Murr, Sprecher von Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU). Einen genauen Zeitplan konnte er jedoch nicht nennen.

„Der Plan ist gut. Allerdings sollte man dann auch gleich eine Halle schaffen, die groß genug ist und auch ausreichend Kapazitäten für Vereine bietet“, begrüßt Lothar Stapf diese Pläne. Zumal es seit jeher der Plan gewesen sei, das Depot, beziehungsweise das Areal der Ziehenschule zuzuschlagen, sagt er und erinnert an den ehemaligen Lehrer Klaus Belz, Leiter des Darstellenden Spiels an dem Gymnasium.

Zu klein für Theaterbühne

Vor über zehn Jahren hatte der Pädagoge die Idee, das historische Gebäude als Probebühne zu nutzen sowie in der schulfreien Zeit Vereinen aus dem Stadtteil zur Verfügung zu stellen. Doch die Schule äußerte Bedenken, das 250 Quadratmeter große Depot sei dafür zu klein.

Groß genug war es allerdings 1888 sowohl für die Dampfzüge, die von Eschersheim in die Innenstadt fuhren, wie auch ab 1908 für die Überlandlinie 23, die jedoch zwei Jahre später auf den neu eröffneten Betriebshof nach Heddernheim umzog. So wurden künftig erst Pferde- und später Straßenbahnwagen mit offenen Plattformen dort untergestellt, die auf ihren Umbau warteten.

Seit der Stilllegung diente es der Verkehrsgesellschaft Frankfurt als Lagerraum für alte Fahrscheinautomaten und Mülleimer, ehe es 2010 in den Besitz der Stadt überging, in deren Hand jetzt die Zukunft des Depots liegt.

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