Ohne Autozufahrt und Parkplätze, so ist der stellvertretende Marktsprecher Peter Geis überzeugt, drohe dem Höchster Wochenmarkt das baldige Aus.
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Ohne Autozufahrt und Parkplätze, so ist der stellvertretende Marktsprecher Peter Geis überzeugt, drohe dem Höchster Wochenmarkt das baldige Aus.

Höchst: Verkehrsproblem

"Straßensperrungen töten unseren Markt"

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Händler wehren sich gegen Pläne der Grünen

Wenn es um "seinen" Höchster Markt geht, wird Peter Geis schnell leidenschaftlich: "So gut wie der Markt jetzt aufgestellt ist, war er noch nie - und ich bin schon seit vier Jahrzehnten dabei", sagt der stellvertretende Marktsprecher und Besitzer eines Geflügelhofs, der seine Produkte in der Markthalle anbietet.

Umso mehr empören ihn die Pläne, über die Grünen-Chef Thomas Schlimme auf der nächsten Sitzung des Ortsbeirates 6 (Frankfurter Westen) am 23. Februar abstimmen lassen will: Er will zu Marktzeiten die den Platz umgebenden Straßen für den Verkehr sperren (wir berichteten). Damit, so die Hoffnung der Grünen, werde das Parkchaos zu den Marktzeiten verhindert, die "Aufenthaltsqualität" beim Einkaufen erhöht und der Markt für eine "neue Zielgruppe" attraktiver.

"Noch nie so viele junge Leute"

Schon diese Formulierung bringt Geis in Rage: "Das ist eine Frechheit von den Grünen", kommentiert er. "So viele junge Leute wie heute hatten wir noch nie auf dem Markt", sagt er und erinnert daran, dass mancher schon in den 1980er Jahren die Totenglocken für die Institution Höchster Wochenmarkt zu hören glaubte. Doch dieses Schicksal hätten die Marktbeschicker immer wieder mit vereinten Kräften abwenden können. Dabei sei man gerade vor Wahlen immer wieder einem Sperrfeuer von Politikern ausgesetzt, "die glauben zu wissen, was zu tun und zu lassen ist - obwohl sie sich nie hier blicken lassen und die wirklichen Probleme gar nicht kennen".

Die wirklichen Probleme, dazu zählt Geis die Toiletten, die oftmals nicht benutzbar seien - tatsächlich funktioniert derzeit mal wieder nur eine von zweien, wie gestern beim Ortstermin festzustellen war. Ebenso sieht er den Dreck rund um den Markt als Dauerproblem. In der Tat lagen gestern an verschiedenen Stellen, etwa vor der Markthalle oder rund um die Bäume am Parkplatz Abfälle aller Art, vom Grünspan ansetzenden Bauschutt bis hin zu Autoreifen. "Ein Saustall!", schimpft Geis. Und das, "obwohl ich gemeinsam mit dem Marktmeister wie jedes Mal schon um 5 Uhr morgens den Dreck aufgeräumt habe". Dabei sei das eigentlich doch Aufgabe der Stadt.

Hinter der Theke des Standes von "Blumen Büschers" demonstriert Geis ein weiteres Dauerproblem: Dort klaffen basketballgroße, mit Regenwasser gefüllte Schlaglöcher im Asphalt.

Die Stadt, beklagt Peter Geis, flicke die Löcher allenfalls provisorisch. Diese Stolperfallen seien eine ständige Gefahr für Kunden wie Marktbeschicker. Ein Stand-Mitarbeiter bestätigt: "In so einem Loch bin ich schon einmal umgeknickt und habe mir den Meniskus verletzt." Zwei Jahre lang habe er sein Knie nicht mehr richtig bewegen können.

Stolperfallen lauern im Pflaster

Werner Trübenbach, der am Stand gegenüber frisches Gemüse von seinem Hof in Griesheim bei Darmstadt feilbietet, bestätigt das Problem: "Die Schlaglöcher sind ein Dauerärgernis, da bleiben wir oft schon morgens bei der Anfahrt drin stecken." Auch der Gärtnermeister hält nichts davon, die Zufahrtsstraßen zum Markt zu sperren. Er erinnert an die vielen Kunden, die beispielsweise aus dem Taunus mit dem Auto kämen und in größeren Mengen einkauften. "Die kaufen bei mir - oft auch für Oma und Opa, die wegen Corona zu Hause bleiben, drei bis vier Säcke Kartoffeln à 25 Kilo", berichtet er. "Dazu noch zehn Taschen Gemüse - das können sie unmöglich mit dem Fahrrad abtransportieren."

Und das von Thomas Schlimme beschriebene Parkchaos zu den Marktzeiten? Das entstehe vor allem dadurch, argumentiert Trübenbach, "dass uns Parkplätze zugunsten von Baumanpflanzungen genommen wurden". Das sieht auch Markus Schaetzle ähnlich. Der Sprecher der Marktbeschicker und Besitzer einer Metzgerei, der in der Markthalle seine Produkte feilbietet, prophezeit für den Fall, dass die Straßen um den Markt gesperrt würden: "Dann bleiben die Besucher aus und der Markt stirbt." 60 bis 80 Prozent der Kundschaft, so schätzt Geis, würden dann wegbrechen. Und Schaetzle nennt die Verfügbarkeit einer ausreichenden Zahl an Parkplätzen auch als entscheidend dafür, um gegen die Konkurrenz der Supermärkte bestehen zu können - für die teils riesige Parkplätze ja selbstverständlich seien und nie infrage gestellt würden. Im Gegensatz zum Höchster Wochenmarkt.

Was ist also zu tun? Schaetzle fordert, dass die Parkdauer an Markttagen auf eine oder eineinhalb Stunden begrenzt wird. "So entsteht eine Fluktuation, und wir gewinnen an Parkfläche." Seiner Ansicht nach sei der Markt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur "schlecht erreichbar. Wir brauchen den Autoverkehr und Parkplätze, um überlebensfähig zu sein" . Michael Forst

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