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Mit Gartenzwerg und Wissler: Die Linke wirbt mit unter anderem mit dem Slogan ?Gesundheit ist keine Ware? um Stimmen.

Landtagswahl 2018

Im Straßenwahlkampf werben die Parteien um die Gunst der Wähler

Noch knapp eine Woche bis zur Hessenwahl, die heiße Phase des Wahlkampfes ist in vollem Gange. Wir haben uns am Samstag in der Innenstadt umgeschaut und mit Politikern, Wahlhelfern und Bürgern gesprochen.

Gummibärchen, Kugelschreiber und sogar Quetsch-Bälle für stressige Zeiten: Die Wahlkampf-Stände in der Frankfurter Innenstadt sind kurz vor der wieder reichlich gefüllt mit allerhand Geschenken, um auch den letzten Unentschlossenen noch für die eigene Partei zu begeistern. Die Zeil auf und ab laufen Kinder mit gelben, roten und organgefarbenen Luftballons.

Frank Zacharias aus Niederrad ist auch eine Woche vor der Wahl noch unschlüssig, wo er am Sonntag sein Kreuz machen wird. Er hält das Wahlprogramm der SPD in der Hand, das er kurz zuvor am Stand an der Konstablerwache bekommen hat. „Ich möchte mich gut informieren“, sagt der 44-Jährige. Niemals zuvor sei es so wichtig gewesen, sein Kreuz an der richtigen Stelle zu machen, findet er. In der Vergangenheit habe er seinen Wahlzettel häufig ungültig gemacht. Das komme diesmal nicht infrage. „Ich möchte aktiv meine Stimme gegen die Rechtspopulisten der Alternative für Deutschland heben und zeigen, dass Fremdenhass und Ausgrenzung in Frankfurt keinen Platz haben.“

Stattdessen sind Wohnraum, Bildung und die Fahrverbote für Dieselfahrzeuge die großen Themen, die die Frankfurter dieser Tage beschäftigen. Das bestätigt Nora Simon, Wahlhelferin der SPD. „Die meisten Bürger sprechen die hohen Mieten und die fehlenden Sozialwohnungen an“, sagt die 27-Jährige. So auch Ulla Knezevic. „Ich lebe schon immer in Frankfurt, bin ein

Bornheimer Mädel

“, sagt die 67-Jährige. Doch aufgrund ihrer geringen Rente sieht sie sich nun gezwungen, demnächst ins Umland zu ziehen. „Es kann doch nicht sein, dass ich mein Leben lang in einer Stadt gelebt, gearbeitet und Steuern gezahlt habe und mir im Alter nicht einmal die Miete leisten kann“, sagt die gelernte Konditorin. Eine Mitschuld daran sieht Knezevic bei der Politik. „Man hätte viel früher handeln müssen. Jetzt ist es für mich wohl zu spät.“

Auch am Wahlstand der Linken an der Hauptwache ist der fehlende Wohnraum das große Thema. Schon von Weitem sieht man den drei Meter hohen, aufblasbaren Hai, auf dem „Miethaie zu Fischstäbchen“ steht, den sich die Frankfurter Linken in Berlin ausgeliehen haben. Damit punktet die Partei auch bei den Passanten auf der Zeil, viele schmunzeln im Vorbeigehen. „Die Leute wissen, dass wir für soziale Gerechtigkeit und Solidarität stehen“, sagt Steffen Merte, Kreisgeschäftsführer der Partei. In Frankfurt strebe die Partei am Wochenende ein zweistelliges Ergebnis an.

Von Politikverdrossenheit ist an den Wahlständen in der Frankfurter Innenstadt keine Spur zu sehen – ganz im Gegenteil. Bei der FDP auf der Freßgass' halten pro Stunde rund 40 Passanten an und kommen ins Gespräch mit den insgesamt 13 Wahlhelfern. Bei den Freidemokraten geht es allerdings weniger um soziale Themen, sondern vielmehr um Digitalisierung und Bildung. „Das sind Themen, die bislang eher zu kurz gekommen sind“, sagt Kreisvorstand Thorsten Lieb. „Dagegen möchten wir etwas tun.“ Auch die FDP blickt positiv auf den Wahlsonntag. „Wir sind eine bürgerliche Alternative in der Mitte der Gesellschaft“, sagt Lieb.

Auf der Suche nach einer echten Alternative zu den beiden großen Parteien war auch Alexander Kamp. Allerdings hat er schon per Briefwahl seine Stimme abgegeben. „Aber es war in diesmal besonders schwierig, mein Kreuz zu machen“, sagt er. Enttäuscht von der CDU und der SPD habe er versucht, „das geringste Übel auszuwählen“, erklärt er.

Am Stand der CDU direkt neben dem der FDP steht Michael Boddenberg, Vorsitzender der Landtagsfraktion und Kandidat für den Frankfurter Süden, den Bürgern Rede und Antwort. „Die meisten haben persönliche Anliegen“, sagt der Politiker. Da sei etwa eine Frau gewesen, deren Haus verkauft worden sei, in dem sie schon seit Jahren wohne, oder die Mutter, die sich um die Bildung ihrer Kinder sorgt. Auch Boddenberg ist zuversichtlich. „Der Großteil der Hessen ist doch zufrieden mit der Arbeit, die die CDU seit 19 Jahren hier geleistet hat“, erklärt er. Zum sechsten Mal ist der Niederräder bei einem Wahlkampf aktiv – aber dieses Mal unterscheidet sich schon von den vergangenen. „Es hat bislang keinen Wahlkampf gegeben, bei dem die Stimmung im Bund so stark auf die Stimmung im Land abgestrahlt hat“, so Boddenberg.

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