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Außergewöhnliches Gebäude kurz vor Abriss: Nachbarn sind entsetzt

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Seit Monaten kämpfen Nachbarn darum, dass das Haus an der Ecke Mechthildstraße/Spenerstraße nicht abgerissen wird. Ein Bauzaun steht schon und kündigt den bevorstehenden Abriss an.
Seit Monaten kämpfen Nachbarn darum, dass das Haus an der Ecke Mechthildstraße/Spenerstraße nicht abgerissen wird. Ein Bauzaun steht schon und kündigt den bevorstehenden Abriss an. © Leonhard Hamerski

Ein Gericht genehmigt den Abbruch eines außergewöhnlichen Gebäudes in Frankfurt Dornbusch – die Nachbarn wollen Beschwerde einreichen.

Frankfurt – Die Straße an der Ecke Spener-/Mechtildstraße ist abgesperrt, die Strom- und Wasserversorgung des Doppelhauses abgeklemmt. Nun fehlen nur noch die Baufahrzeuge, die mit dem Abbruch des Ende der 1920er-Jahre errichteten Gebäudes mit seinem seltenen Tonnenwalmdach beginnen. Denn sie dürften nun tatsächlich anrücken.

Zum Entsetzen der Nachbarn, die seit Monaten versuchen, dies zu verhindern und deswegen Widerspruch gegen die von der Stadt erteilte Abbruchgenehmigung einlegten. Mit dem Ziel, nicht nur das Gebäude, sondern das gesamte nach den Plänen des Architekten Christoph Bernoully erbaute Ensemble östlich der Eschersheimer Landstraße unter Denkmalschutz stellen zu lassen oder zumindest zu erwirken, dass die Stadt Frankfurt eine Erhaltungssatzung erlässt. Was beides bislang nicht passierte.

Abriss in Frankfurt: Im Eilverfahren Recht bekommen

Der Widerspruch der Nachbarn hatte zwar die gewünschte aufschiebende Wirkung, da der Grundstückseigentümer so lange nicht mit dem Abriss beginnen darf, bis abschließend vor Gericht über diesen entschieden ist. Ein Verfahren, das allerdings lange dauern kann. Wohl zu lange für den Eigentümer, der deswegen beim Verwaltungsgericht Frankfurt ein Eilverfahren anstrengte und Recht bekam. Am 16. Februar wurde dort entschieden, dass der Abriss sofort erfolgen darf und nicht die Entscheidung über den Widerspruch der Nachbarn abgewartet werden muss, teilte das Verwaltungsgericht kürzlich in einer längeren Pressemitteilung mit.

Dann könnte also theoretisch in der kommenden Woche mit dem Abriss begonnen werden? Nein, das heißt es nun auch wieder nicht. Denn die Nachbarn haben nun die Möglichkeit, innerhalb der kommenden zwei Wochen Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel einzulegen. Was sie auch mutmaßlich tun werden, wie Rainer Krug, direkter Nachbar des betroffenen Eckhauses, sagt. Wohlwissend, dass dies die letzte bestehende Möglichkeit ist, den Abriss zu verhindern.

Denn solch ein Eilverfahren geht nicht bis zum Bundesverwaltungsgericht. Über die Erfolgsaussichten einer solchen Beschwerde wollte Krug freilich keine Prognose abgeben. „Es ist aber nicht selten der Fall, dass beim Verwaltungsgerichtshof in Denkmalfragen anders entschieden wird, als beim Verwaltungsgericht“, sagt er nur.

Haus mit sieben Wohnungen in Frankfurt-Dornbusch geplant

Friedrich Hesse (CDU), Vorsteher des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim), der sich ebenso dafür eingesetzt hatte, das Ensemble unter Denkmalschutz zu stellen oder zumindest eine Erhaltungssatzung zu erlassen, klingt da weniger optimistisch. „Uns als Ortsbeirat sind da leider die Hände gebunden. Ich denke, das war es“, sagt er. Wohlwissend, dass auch eine Erhaltungssatzung den Abriss nicht verhindern könnte. Sie ist vielmehr ein Instrument, das Ortsbild und die städtebauliche Struktur zu bewahren. Sprich: Ein Neubau muss sich in das vorhandene Ensemble einpassen.

Eben das täten die Planungen für den Neubau auf dem Eckgrundstück aber nicht, kritisieren die Nachbarn und auch der Ortsbeirat seit mittlerweile drei Jahren, nachdem damals zum ersten Mal ein möglicher Abriss bekannt wurde. Geplant ist eine Mehrfamilienhaus mit sieben Wohneinheiten samt Tiefgarage.

Wann beginnt der Abriss in Frankfurt-Dornbusch?

Das Landesdenkmalamt in Wiesbaden hatte bereits im Sommer 2019 mitgeteilt, dass die Voraussetzungen für eine Beurteilung der Gebäude als Kulturdenkmäler nicht gegeben seien. Auch nachfolgende intensive Prüfungen seien zu keinem anderen Ergebnis gekommen, hieß es Ende 2021. Begründet wurde dies mit starken baulichen Veränderungen an Gebäuden. Es sei unsorgfältig gearbeitet worden, kritisiert derweil Rainer Krug. Weswegen die Nachbarn auch ein entsprechendes Gutachten durch einen Experten in Auftrag gegeben hatten. Allerdings ohne Erfolg. „Die von den Nachbarn vorgelegten privatgutachterlichen Stellungnahmen überzeugten das Gericht nicht“, heißt es von dort.

Und: Für die mit den Abbrucharbeiten einhergehenden erhöhten Lärm- und Staubbelästigungen läge ein entsprechendes Konzept vor. Sollte dies nicht eingehalten werden, könnten die Nachbarn Hilfe der Behörden in Anspruch nehmen. Wenn es denn dann irgendwann wirklich los geht mit dem Abbruch.

Der Abriss der Brotfabrik in Frankfurt soll unbedingt verhindert werden. Die Stadt hat ihre Unterstützung signalisiert. (Judith Dietermann)

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