Der Kapuzinerpater Paulus Terwitte versteht nicht, warum "Eisenbahn-Reiner" anders behandelt wird als andere Menschen mit schwerem Schicksal. FOTO: Kapuzinerorden
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Der Kapuzinerpater Paulus Terwitte versteht nicht, warum "Eisenbahn-Reiner" anders behandelt wird als andere Menschen mit schwerem Schicksal.

Strassenverkauf

Streit um "Heiligenbildchen-Olaf": Bruder Paulus wirft Oesterling Ungerechtigkeit vor

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Der Frankfurter Kapuzinerpater Paulus versteht nicht, warum "Heiligenbildchen-Olaf" anders behandelt wird als "Eisenbahn-Reiner".

Der Kapuzinerpater Bruder Paulus Terwitte ist Vorstand der Franziskustreff-Stiftung, die im Liebfrauenkloster den Franziskustreff für obdachlose Menschen betreibt. Er ist ein Kritiker der Sondererlaubnis für "Eisenbahn-Reiner" Reiner Schad, der in der Liebfrauenstraße Kinderspielzeug ausstellt. Unser Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit Bruder Paulus über Olaf Wand gesprochen, der bis vor kurzem Heiligenbilder verkauft hat.

Könnten Sie nicht ein Stück des Platzes vor dem Punctum Kirchenladen für "Heiligenbild-Olaf" zur Verfügung stellen?

Dieser Platz gehört nicht den Kapuzinern; er wurde von der Stadt vom katholischen Gesamtverband gepachtet für den Zweck, das dort eine katholische Informationsstelle, jetzt punctum, betrieben wird. Eine andere Nutzung ist nicht gestattet.

Frankfurter Pater: "ein ungerechter Übergriff des Verkehrsamtes"

Was halten Sie von Olaf Wand und seinem Schicksal?

Ich bin mit Herrn Wand seit Jahren verbunden und finde es ganz toll, dass er vor zwei Jahren aus der Obdachlosigkeit herausgekommen ist. Ich werde alles tun, ihn zu unterstützen, sei es, dass er um eine Sondernutzungsgenehmigung bei der Stadt Frankfurt nachsucht oder sich wie alle Einzelhändler einen Gewerberaum mietet.

Er hat jahrelang neben "Eisenbahn-Reiner" gestanden, und es hat niemanden gestört.·

Die Sondernutzungserlaubnis für "Eisenbahn-Reiner" war der ungerechte Übergriff des Verkehrsamtes in die Befugnisse der Ämter für Soziales und für Ordnung. Die Stadt will offensichtlich ungerecht handeln, wenn der öffentliche Druck nur groß genug ist. Deswegen wundere ich mich, dass die Stadt Olaf Wand noch nicht ebenso wie "Eisenbahn-Reiner" eine Fläche ausgewiesen hat.

Haben Sie etwas gegen "Eisenbahn-Reiner?"

Ich habe nichts gegen ihn. Aber gegen das Ergebnis der Ungerechtigkeit, von der ich gesprochen habe: Dank Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ist er immer noch obdachlos. Meines Erachtens gehört es nicht zum Menschenbild der Stadt, das Campieren auf der Straße zu unterstützen. Es ist nicht nur ein unwürdiger Umgang mit diesem Personenkreis. Es ist auch ungerecht gegenüber den Anliegern der Liebfrauenstraße.

Wie meinen Sie das?

Ich habe nichts dagegen, wenn die Stadt Leuten Flächen zuweist, beispielsweise vor der Kleinmarkthalle, in der Goethestraße, der Freßgass', vor dem Dom oder vor der Zeitungsredaktion. Damit die Liebfrauenstraße nicht alles ausbaden muss.

Bruder Paulus: Auch 434 Zwangsräumungen sind soziale Schicksale

Und Herr Wand tut ihnen nicht leid?

Es tut mir leid, dass Herr Wand jetzt so behandelt wird wie die anderen Händler. Alle wollen in die Liebfrauenstraße. Aber fragen Sie mal, wie verzweifelt viele Künstler eine Genehmigung haben wollen, damit sie auf der Straße musizieren dürfen, jetzt, in Corona-Zeiten, da das Auftrittsgeschäft eingebrochen ist. Wie viele Leute mit schweren Schicksalen froh wären, wenn sie nur Bratwürstchen verkaufen dürften. Dürfen sie nicht, die Stadt genehmigt es nicht. Es geht Olaf Wand so wie allen anderen. Die einzige Ausnahme ist "Eisenbahn-Reiner". Soziale Schicksale werden aber nicht mit öffentlichem Druck im Einzelfall gelöst. Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr ist es in Frankfurt zu 434 Zwangsräumungen gekommen. Da steht ein Container vor dem Haus, der gesamte Hausrat, Erinnerungsstücke, Kinderspielzeug, alles wird dort entsorgt, und die Familie kommt ins Hotel. Das ist auch schlimm, läuft aber so. Es gibt ja immer auch Vorgeschichten dazu.

Was empfehlen Sie Olaf Wand?

Er muss sich entscheiden, was er machen will. Ob er sich bemüht und einen Antrag stellt wie jeder Blumenhändler oder Bratwurstverkäufer. Herr Oesterling muss sich überlegen, warum er dem einen dauerhaft etwas genehmigt und dem anderen nicht. Natürlich unterstütze ich Olaf Wand weiter. Aber wenn er etwas verkaufen will, soll er es so tun, wie das in Frankfurt erlaubt ist.

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