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Streitbare Stimme der Bürger für Frankfurt

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Von: Thomas J. Schmidt

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Mitgründerin der Bürger für Frankfurt: Ellen Wild (78). Im kommenden Jahr wird sie nicht mehr im Ortsbeirat sitzen. FOTO: hamerski
Mitgründerin der Bürger für Frankfurt: Ellen Wild (78). Im kommenden Jahr wird sie nicht mehr im Ortsbeirat sitzen. © Hamerski

Abschied nach 25 Jahren - Mit Fluglärm fing alles an

Es war ihre letzte Sitzung: Ellen Wild, seit fast 25 Jahren Mitglied im Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim), verlässt das Gremium. Blumensträuße von Ortsvorsteherin Dr. Alexandra Weizel (WBE) und von Mathias Mund (BFF), der wie fast immer als Zuschauer bei der Sitzung anwesend war, und ein Delikatessen-Korb vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Reiß waren auf ihrem Tisch deponiert, als die 78-Jährige in gewohnt kämpferischer Manier unbeeindruckt für ihre Sache stritt.

Nicht mehr so fit wie früher

Ihr Rücktritt aus dem Ortsbeirat ist, wie sie später sagte, gesundheitlichen Gründen geschuldet: "Ich bin im Garten gestürzt." Eine Hüftoperation schloss sich an. Seitdem fühle sie sich nicht mehr so fit wie früher: "Ich lasse jetzt die jungen Leute ran." Wilds Nachfolgerin ist Dorothee Bogner (BFF).

Im kommenden März hätte Ellen Wild dem Ortsbeirat 25 Jahre angehört. "Ich bin seit 1997 gewählt, nicht als Parteimitglied, sondern als Mitglied eines Vereins, den ich mit gegründet habe: Bürger für Frankfurt", sagt sie. "Es war eine schöne und spannende Zeit. Ich habe eine Menge bewegen können."

In die Politik gekommen ist sie mit dem Kampf gegen den Fluglärm. "Ich habe in einer Bürgerinitiative mitgemacht, die sich gegen den Flugverkehr über Bergen-Enkheim gerichtet hat, der nicht notwendig war", sagt Ellen Wild. Ihre Bilanz: "Es war alles sehr zäh. Ich habe nicht nur gewundert, dass das 2020 während des Corona-Lockdowns alles ganz schnell möglich war, was vorher unmöglich erschienen ist."

Dann, mit Gründung der BFF, kandidierte sie für den Ortsbeirat. "Wir sind keine Partei, und wir bekommen keinen Wahlkampfunterstützung. Das ist gut so. Es ist alles viel zu sehr parteidominiert und überideologisiert. Es geht allzu oft nicht mehr um die Bürger und ihre berechtigten Interessen." Doch weil die Mitglieder der BFF eher das gehobene CDU-Publikum sind, wurde die BFF seitens dieser Partei immer besonders kritisch gesehen. Um so mehr freute Ellen Wild sich über das Geschenk von Michael Reiß.

In ihrer Arbeit im Ortsbeirat - wo sie stehts durch ihre engagierten Vorträge und manchmal etwas skurrilen Anträge auffiel - konnte sie unglaublich viel erreichen, auch wenn es oft ihren eigenen Worten zufolge nur "Kleinigkeiten" waren - Kleinigkeiten, die wichtig sind, die aber oft übersehen werden. "Ich habe mir das alles nicht ausgedacht, sondern oft haben mich Bürger angerufen." Die Öffnung des Wohngebiets Leuchte war eines der großen Themen für sie. "Das ist seit 40 Jahren ein Thema, und es wird viel Verkehr in den Ort bringen." Ein anderes ihrer Dauerthemen ist die Situation in ihrer eigenen Nachbarschaft, dem Fritz-Schubert-Ring: "Mit dem Bau wurde ein Bachlauf zugeschüttet, der dann unterirdisch in einem Kanal die Straße unterquert. Da wurden dann auf meinen Antrag hin Poller gesetzt" - eine der wichtigen Kleinigkeiten, die oft übersehen werden.

Dennoch, die Wasserschäden bleiben ein Thema und haben die Ortsbeirätin in ihren 25 Jahren als Konstante begleitet. Gerade vor ihrem Unfall hatte Ellen Wild mal wieder Wasser im Keller, und noch immer sind die Schäden nicht vollständig behoben. "Es ist das Wasser, das vom Hang kommt und dort wegen des Lehmbodens nicht schnell versickern kann." Diese Probleme werde man auch in der Leuchte bekommen.

Hochwasser bleibt Thema

"Die Häuser dort sollen ja in Betonwannen stehen, immerhin. Aber die alten Enkheimer haben alle gewusst, dass dies der Lauf eines alten Mainarmes ist. Sie wären nie auf die Idee gekommen, dort zu bauen." Viele Probleme, auch mit dem Hochwasser, sind in der Tat selbstverschuldet.

Ellen Wild wird dem Ortsbeirat weiter erhalten bleiben, wenn auch nicht mehr als Mitglied. "Ich freue mich, wenn ich die Leute mal wieder sehe und werde deshalb manchmal hingehen." Natürlich helfe sie auf Wunsch auch ihrer Nachfolgerin und arbeite sie etwas ein. Und fast alle wichtigen Vorgänge und Unterlagen hat sich bei sich gesammelt, in ihrem ehemaligen Büro als Verlagsvertreterin. Über die Jahre sind Aktenordner gefüllt worden voll mit Tagesordnungen, Briefwechseln, Magistratsberichten. "Das steht Dorothee Bogner zur Verfügung, aber nicht nur ihr", sagt Ellen Wild. Sie gewährt allen Einblick bei Fragen, und einige Vertreter im Ortsbeirat waren schon in den vergangenen Jahren bei ihr. "Dann schauen wir, was wir da haben", kündigt Wild an. In der Sitzung des Ortsbeirats, der letzten in ihrer Karriere als Kommunalpolitikerin, bot sie allen Parteien einen Besuch in ihrem Archiv an. Überparteilich, unideologisch, bürgerorientiert... Thomas J. Schmidt

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