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Die Schauspieler Tom Butcher und Carmen Rodriguez stehen im Karmeliterkloster.

Theater in Frankfurt

Sie streiten sich aus Leidenschaft

Knatsch und Krach – es weihnachtet sehr am englischen Königshof des Jahres 1183. Henry II. bekommt von seiner scharfzüngigen Gattin Eleonore von Aquitanien ein bleiernes Präsent.

Knatsch und Krach – es weihnachtet sehr am englischen Königshof des Jahres 1183. Henry II. bekommt von seiner scharfzüngigen Gattin Eleonore von Aquitanien ein bleiernes Präsent. Er vermutet einen Grabstein unterm Geschenkpapier, denn die beiden verachten sich leidenschaftlich.

Eine schrecklich nette Familie, diese Königs, wie sie der Saisonauftakt „The Lion in Winter“ noch bis 18. Oktober im English Theatre präsentiert. Das Stück aus der Feder des US-Dramatikers James Goldman , in den 1960er Jahren prominent verfilmt, feuert eine Kissenschlacht zwischen Soap und Comedy ab, wobei die Seidenkissen hier mit Eisen gefüllt sind.

Schauspieler Tom Butcher , der den royalen Wüterich verkörpert, hat sich eigens einen Vollbart wachsen lassen, auch ein Kampftraining mit Schwert absolvierte der 55-jährige Brite. „Die Sprache des Stücks ist modern und nicht mit Shakespeare zu vergleichen, auch die Verfilmung war ernster“, erzählt er und gibt einen Einblick ins eiskalte Bühnen-Eheleben: „Wir streiten uns ähnlich treffsicher und beißend wie das Paar im Klassiker ,Wer hat Angst vor Virginia Woolf?’, wo das Miteinander einem Raubtierkäfig gleicht.“ Carmen Rodriguez , die als Eleonore lustvoll die Giftzähne in den Gatten schlägt, scherzt mit einem weiteren Vergleich: „Wir sind ein bisschen wie die Leute in der TV-Serie ,Dallas’, nur mit Wein statt mit Bourbon.“

Beinharte Machtmenschen waren die historischen Persönlichkeiten, darin sind sich die Schauspieler einig. Eleonore, eine emanzipierte und robuste „Drama-Queen, die ihren ersten Mann Ludwig auf seinen Kreuzzug begleitete“ und Henry, „der in jedem Ort, wo er sich aufhielt, ein Kind zeugte“.

Doch anders als heute habe es keine Paparazzi gegeben, allenfalls hielten die Chronisten Skandale fest. „Handfeste Ehekräche gab es zu allen Zeiten, und Royals sind davon nicht ausgenommen“, sagt Carmen Rodriguez, die sich selbst als glücklicher Single beschreibt.

In England geboren, wanderte Carmen Rodriguez mit der Familie nach Kanada aus, um schließlich mit 17 Jahren allein zurückzukehren: „Ich gehöre einfach auf die Insel, das fühlte ich schon als Kind.“ Durch und durch britisch sieht sich auch ihr Kollege, der in einem „langweiligen Nest“ in der Nähe von London aufwuchs. Man kennt ihn in seiner Heimat als langjährigen Fernsehdarsteller in einer Polizei-Serie.

Jetzt mit Theater-Schwert statt Pistole zu hantieren, gefällt ihm, und eine Zeitreise wüsste er gut zu nutzen: „Ich würde Henry II. bitten, dass ich ihn für sechs Monate begleiten dürfte, um sein Leben kennenzulernen.“

Sorge, nicht lebend zurückzukehren, hat der Schauspieler nicht, im Gegenteil: „Ich erwarte ein Abenteuer. Wie Menschen zu allen Zeiten glaubten auch Henrys Untertanen, sie seien fortschrittlich. Nur drei Tage, um eine Nachricht von Stadt zu Stadt zu übermitteln, darauf war man stolz.“

Zwar nicht der amtierenden Queen, aber immerhin ihrer Ex-Schwiegertochter „Fergie“ schüttelte der Schauspieler bereits die Hand. Auf Camilla Parker Bowles, der zweiten Frau von Prinz Charles, traf Carmen Rodriguez in einem Londoner Theater. „Geknickst vor ihr wurde nicht“, so die Mimin. Wer einmal Mäuschen sein will beim Zoff im Schloss, lauscht Henry und Eleonore. Es gibt Dinge, die ändern sich nie.

(fai)

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