Kontrolleure überprüfen, ob sich auch jeder Fahrgast an die Maskenpflicht hält. Die Disziplin der Leute und gute Durchlüftung sind zwei Faktoren, warum Busse und Bahnen keine Corona-Hotspots sind.
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Kontrolleure überprüfen, ob sich auch jeder Fahrgast an die Corona-Maskenpflicht hält. Die Disziplin der Leute und gute Durchlüftung sind zwei Faktoren, warum Busse und Bahnen des RMV keine Corona-Hotspots sind.

Selbst Corona-Experten überrascht

Keine Corona-Schleudern: Warum Fahrgäste in Bus und Bahn genauso sicher sind wie im Auto

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Fahrgäste des RMV sind statistisch gesehen genauso sicher vor einer Corona-Infektion wie Autofahrer. Das fanden Forscher der Berliner Charité in einer Studie im Rhein-Main-Gebiet heraus.

Frankfurt – Bahnen und Busse sind keine Virenschleudern. Das hat eine für ganz Deutschland repräsentative Studie der Berliner Charité in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet ergeben. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona anzustecken, ist nach Erkenntnis der Forscher im öffentlichen Nahverkehr nicht höher als bei einer Fahrt im privaten Auto.

Volles Fahrtenangebot trotz nur rund 47 Prozent Fahrgästen, Lüften mit allen Türen offen an jeder Haltestelle, Trennscheibe zum Busfahrer, häufigere Reinigung, Hygienemittelspender, Maskenverteilaktionen, digitale Tickets, Auslastungsprognose in der App: Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gibt man sich seit Beginn der Pandemie alle Mühe, dass die Fahrt mit Bahnen und Bussen sicher ist. Dennoch warnten selbst manche Politiker zwischenzeitlich davor, den Nahverkehr in Corona-Zeiten zu nutzen.

RMV-Studie zu Corona: Nutzung von Bus und Bahn so sicher wie Auto

Die Studie des Forschungsinstituts des in der Corona-Forschung führenden Berliner Charité-Universitätsklinikums bringt jetzt erstmals wissenschaftliche Klarheit. Im Februar und März haben die Forscher 681 nach Zufallsprinzip ausgewählte Menschen zwischen 15 und 65 Jahre in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet vier Wochen lang begleitet. Diese pendelten werktags zur Arbeit, Schule oder Ausbildung und waren 15 bis 30 Minuten je einfacher Strecke unterwegs. Die Hälfte nutzte den Nahverkehr, die andere Hälfte Auto oder Fahrrad. Sie wurden zu Beginn und Ende der Studie auf Corona getestet.

Nach den vier Wochen hatten sich zwölf der Fahrgäste mit Corona infiziert sowie 14 der Nutzer von Auto und Fahrrad. Das werten die Forscher als gleich hohe Häufigkeit. "Die Nutzung von Bus und Bahn ist so sicher wie die Fahrt mit dem eigenen Auto", folgert RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Er selbst habe das "nicht in dieser Deutlichkeit erwartet".

Corona-Studie zu RMV-Nutzung: Die „diffuse Sorge“ ist unbegründet

Natürlich sei das Ansteckungsrisiko prinzipiell höher, wenn man auf andere Menschen treffe, als wenn man alleine im Auto sitze, gestehen die Forscher zu. Offensichtlich wirkten jedoch die Schutzvorkehrungen im Nahverkehr wie Masken und Lüften, da Fahrgäste ebenso selten erkrankten wie Auto- und Radfahrende. Da das Risiko allein im Auto gleich null sei, gehen die Forscher davon aus, dass sich alle Erkrankten andernorts ansteckten - im Privaten oder am Arbeitsplatz.

Fast alle Bundesländer sowie der Verband deutscher Verkehrsunternehmen hatten die Untersuchung in Auftrag gegeben. Gerade für Nutzer von Bahn und Bus sei das Ergebnis wichtig: "Fahrgäste müssen sich sicher fühlen", sagt RMV-Chef Ringat. Die Studie sei durchaus ein Risiko gewesen: Ein schlechtes Ergebnis hätte Länder, Verbünde und Unternehmen unter Druck gesetzt, noch mehr in Infektionsschutz zu investieren.

Für den Nahverkehr geht es um viel: Die "diffuse Sorge" vor Ansteckung habe die Fahrgastzahlen teils deutlich einbrechen lassen, viele Stammkunden hätten Abos gekündigt, sagt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne). So fuhren Busse und Bahnen deutschlandweit 2020 einen Verlust von 3,3 Milliarden Euro ein und rechnen für dieses Jahr mit 3,6 Milliarden Euro Miese. Bund und Länder müssen das mit einem eigenen Rettungsschirm auffangen.

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Corona-Studie: RMV hofft auf Erholung der Fahrgastzahlen

Auch dank der Erkenntnis der Studie rechnet RMV-Chef Ringat damit, dass "wir schnell wieder Fahrgastzahlen wie vor der Pandemie" haben werden und diese 2022 oder 2023 wieder auf dem alten Niveau lägen. Dafür "brauchen wir schnell mehr Kapazität". Die sei bereits vor Corona ausgereizt gewesen. Deshalb würden in diesem Jahrzehnt im RMV-Gebiet 25 Milliarden Euro in neue Schienenstrecken investiert.

Um Bahnen zu entlasten, wolle der RMV sein Expressbus-Netz weiter ausbauen, kündigt Ringat an. Seit Ende 2020 sind auch 14 zusätzliche S-Bahn-Züge im Einsatz und sieben weitere neu bestellt. Die größere Kapazität sei zudem nötig, da der Nahverkehr im Sinn des Klimaschutzes einen sehr großen Beitrag zur Verkehrswende leisten müsse, erinnert der RMV-Geschäftsführer. "Kein anderes Verkehrsmittel kann so viele Menschen so schnell befördern" wie Bahnen und Busse.

„Busse und Bahnen sind keine Corona-Hotspots“

Mit der Studie wollen die Verantwortlichen vor allem bei den Fahrgästen für Vertrauen werben. Aber nicht nur: "Ich hoffe, dass nun der Zungenschlag manchen Politikers und Fernsehmoderators aufhört, der, wenn ihm nichts anderes mehr einfällt, von der Nutzung des ÖPNV abrät", sagt Ringat. Die Studie zeige: "Busse und Bahnen sind keine Corona-Hotspots." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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