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Es gibt so viele Studenten wie nie. Nicht alle verlassen die Hochschule mit einem Abschluss.

Goethe-Universität Frankfurt

Studienabbrecher – wie viele gibt es?

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Es gibt so viele Studenten wie nie. Nicht alle verlassen die Hochschule mit einem Abschluss. Wie viele es nicht tun, ist jedoch nicht einfach zu bestimmen. Die Goethe-Universität hat zurzeit eine Umfrage laufen. Erste Ergebnisse werden im Sommer erwartet.

Das Problem mit der Abbruchquote: Die Zahlen unterliegen, wie Uni-Sprecher Dr. Olaf Kaltenborn sagt, „aus statistischen Gründen einer erheblichen Verzerrung“. Als Abbrecher nämlich wird gezählt, wer einen Studiengang ohne Abschluss verlässt. Wohin er geht – ob er zum Beispiel die Hochschule wechselt oder das Studienfach wechselt oder beides – wird nicht registriert. Wie viele der „Abbrecher“ also wirklich das Studium abbrechen, ist unbekannt.

Zumindest weitgehend unbekannt. Die besten Schätzungen hat vermutlich eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHF). Demnach lag die bundesweite „echte“ Abbruchquote 2012 bei 28 Prozent. Von 100 Studienanfängern machen demnach nur 72 einen Abschluss in irgendeinem Fach an einer Hochschule.

Dabei liegt die Erfolgsquote an Fachhochschulen etwas höher als an Universitäten. „Das kann an der kleineren Gruppengröße und besseren Betreuungsrelation an Fachhochschulen liegen“, vermutet Sören Isleib vom DZHW, aber auch daran, dass viele geisteswissenschaftliche Fächer nur an Universitäten angeboten werden. „Womöglich hören hier viele Studenten auf, weil sie sich von den schlechten Berufsperspektiven entmutigen lassen“, so Isleib. Hingegen sind an Unis wie an Fachhochschulen die meisten Abbrecher an Fächern zu finden, die als sehr schwer und mathematisch gelten: die Natur- und die Ingenieurswissenschaften.

„Aber wenn eine Pädagogik-Studentin vom Studium enttäuscht ist und eine Ausbildung zur Erzieherin beginnt, um direkt mit Kindern arbeiten zu können, ist das doch nicht als schlecht zu bewerten“, mahnt Isleib.

Neben den Abbrechern, die die Hochschule verlassen, gibt es in jedem Fach auch den sogenannten Schwund. An der Goethe-Universität wurde bei einer breit angelegten Befragung im Wintersemester 2012/13 festgestellt, dass immerhin 18 Prozent der Studenten schon einmal Fach oder Abschlussart und neun Prozent die Universität gewechselt haben. Sie sind also, wiewohl Studenten, in der Statistik der Studienabbrecher enthalten. 53 Prozent von ihnen sagten, dass das Studienfach ihnen nicht gefallen hat. 51 Prozent beklagten den Prüfungsdruck, 42 Prozent überfüllte Veranstaltungen und 37 Prozent mangelnden Freiraum.

Was die einzelnen Fachbereiche der Goethe-Universität angeht, liegt die Abbrecherquote in der Medizin schätzungsweise bei fünf Prozent, in einzelnen mehrheitlich geisteswissenschaftlichen Fächern hingegen bei 40 Prozent.

An der University of Applied Sciences (UAS, vormals Fachhochschule) ist die Lage ähnlich unübersichtlich. Dort haben, wie die Sprecherin Nicola Veith sagt, „im Wintersemester 2014/15 501 Absolventen ihr Studium nach Abschlussprüfungen erfolgreich abgeschlossen; es wurden zusätzlich 254 Abbrecher gezählt.“ Dies ist eine Abbruchquote von rund einem Drittel. Nähere Angaben waren nicht möglich.

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