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Stürzende Ziegel, fehlende Kunden

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Von: Matthias Bittner

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Um die gesamte Katharinenkirche herum steht ein Bauzaun. Vor dem Haupteingang spannt sich sogar ein provisorisches Metall-Dach, um Passanten vor gegebenenfalls herabstürzenden Schindeln zu bewahren. Speziell die Geschäftsleute hinter dem Gotteshaus an der Hauptwache klagen über die Situation.
Um die gesamte Katharinenkirche herum steht ein Bauzaun. Vor dem Haupteingang spannt sich sogar ein provisorisches Metall-Dach, um Passanten vor gegebenenfalls herabstürzenden Schindeln zu bewahren. Speziell die Geschäftsleute hinter dem Gotteshaus an der Hauptwache klagen über die Situation. rainer rüffer © rüffer

Geschäftsleute rund um die Katharinenkirche kritisieren Vorgehen der Stadt

Der Dachverband der Gewerbevereine sowie sechs einzelne Vereine aus Bornheim, Bockenheim, Dornbusch, Innenstadt und Sachsenhausen haben in einem Brandbrief Alarm geschlagen. Wegen der Umwandlung von Einkaufs- in Fahrradstraßen würden „kaufkraftstarke autofahrende Kunden“ fehlen, kritisieren sie. Dadurch gefährde die Stadt die Existenz der Läden. Die Geschäftsleute in der Innenstadt haben aber noch andere Sorgen. Sie wünschen sich vor allem ein vorausschauenderes Baustellenmanagement.

Bauzaun erschwert Zugang

Die Einzelhändler rund um die Katharinenkirche sind sauer, weil ein Bauzaun um die Kirche errichtet wurde, so dass die Läden nur noch schwer erreichbar sind. In der Kritik steht in erster Linie die schlechte Kommunikation. „Dass für zwei Jahre eine hölzerne Wand vor seinem Laden stehen wird und die Stadt keine Rücksicht auf sein Geschäft und nötige Laufkundschaft nehme,“ bemängelte der Inhaber von Schirm Kippel, Johannes Peter Hogrebe. Angesichts der neuen Situation schloss er den Familienbetrieb notgedrungen nach 124 Jahren.

Die Kritik der wütenden Geschäftsleute hat der Ortsbeirat1 zum Anlass genommen, um zur „Baustelle Katharinenkirche“ nachzufragen. Das Stadtteilparlament hatte einen Fragenkatalog formuliert, der Magistrat hat nun geantwortet.

Welche Kommunikationsmaßnahmen wurden im Vorfeld ergriffen? Wegen der Unfallgefahr - Ziegel hatten sich vom maroden Dach gelöst - habe die Stadt schnell handeln müssen - frühzeitiges Einbindung der Anlieger sei deshalb nicht möglich gewesen. Die Gewerbetreibenden seien aber zeitnah vom Kassen- und Steueramt als Bauherren-Vertretung über die Maßnahme informiert worden. Die zunächst aufgestellten Baubarken seien anschließend durch einen Bauzaun ersetzt worden.

Wie wurde insbesondere auf die Gewerbetreibenden im direkten Umfeld zugegangen? Anfang Juni habe es ein Informationsgespräch mit den ansässigen Gewerbetreibenden und Vertretern der Stadt gegeben. Dombaumeisterin Julia Lienemeyer habe über die Maßnahmen und die abzusperrende Gefährdungszone gesprochen. Gewerbetreibende und Hauseigentümer hätten anschließend auf Erschwernisse durch die fehlende Sichtbarkeit der Läden hingewiesen.

Falls es Gespräche gab, welche Alternativen wurden erarbeitet bzw. vorgeschlagen? Einige Einzelhändler hätten vorgeschlagen, Netze anzubringen, so dass die Baustelle samt Absperrung weniger Fläche beanspruche. Doch das habe sich angesichts von Vorsprüngen und Gauben des Kirchendaches nicht angeboten. Zeitnah seien Hinweisbeschilderungen für die Läden in der Katharinenpforte auf der Nordostseite des Bauzauns (Sichtseite zur Zeil) angebracht worden. Der Bauzaun sollen laut Magistrat möglichst bald künstlerisch gestaltet werden, so dass Passanten eher die Katharinenkirche umrundeten und so zu den hinter der Katharinenkirche ansässigen Läden gelangten.

Wusste die Wirtschaftsförderung von den Baumaßnahmen und deren Umfang? Sowohl Wirtschaftsförderung Frankfurt als auch das zuständige Dezernat seien erst durch die betroffenen Ladenbetreiber über den Bauzaun und die anstehende Maßnahme informiert worden.

Welche Maßnahmen hat der Magistrat auch nach der Berichtserstattung ergriffen? Die Wirtschaftsförderung Frankfurt habe umgehend mit dem Betreiber von „Schirm Klippel“ gesprochen. Da dieser bereits seinen Mietvertrag fristgerecht gekündigt habe, habe ihn die Wirtschaftsförderung nur noch bei der Abwicklung und Auflösung seiner Geschäftsräume unterstützen können. Hierzu sei in Kooperation mit dem Straßenverkehrsamt ein geeigneter Standort für einen Verkaufscontainern gesucht, der sofort vom Straßenverkehrsamt genehmigt worden sei.

Was plant der Magistrat, um die Gewerbetreibenden zu unterstützen? Die Situation für die Geschäftstreibenden hinter der Katharinenkirche sei seit Jahren schwierig, weil sich dort regelmäßig obdachlose Personen aufhielten. Durch verstärkte Präsenz versuche die Stadtpolizei, dass sich die Lage nicht noch weiter verschlimmere. Außerdem werde das Gebiet regelmäßig gereinigt. Geprüft werde derzeit, Bewegungsmelder am Bauzaun anzubringen. Dadurch würde die Fläche als Schlafplatz deutlich unattraktiver. bit

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