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Bildhauer Andreas Rohrbach beim Monsterspecht im Grüngürtel im Stadtwald.

Der Monsterspecht

Von Sturm zerstörtes Kunstwerk wird für 7000 Euro ersetzt

Elf Jahre hat der Monsterspecht, eines der 14 Werke der Komischen Kunst im Grüngürtel, im Stadtwald gehangen. Dann haben ihn gleich mehrere Plagen heimgesucht. Nun wurde er ersetzt und wirft ästhetisch-philosophische Fragen auf.

„Der Monsterspecht!“ Das klingt zwar sehr martialisch, doch ehrlich gesagt hat das Werk der Komischen Kunst im Grüngürtel den Namen nur zur Hälfte verdient. Zugegeben, mit einem Gewicht von 300 Kilogramm, einer Körpergröße von zwei Metern und einem Umfang von fast einem Meter würde bei einer Body-Maß-Index-Maschine sicherlich „monströs übergewichtig“ aufleuchten. Allerdings sind Verwüstungen im Oberräder Forst durch den Monsterspecht nicht zu erwarten, ganz gleich welche Erwartungen der Name weckt.

Anders als seine gefiederten Artgenossen setzt sich der Monsterspecht nämlich nicht blindlings auf irgendeinen Baum und hämmert drauf los. Vielleicht hat der Monsterspecht, der ja selbst vollständig aus Holz besteht, einfach einen empathischeren Zugang zu Bäumen. Vielleicht ist er aber auch bloß ein gedankenloser Holzkopf.

Auf jeden Fall wurde der Baum, auf dem der Vogel nun seit Montag sitzt, zuvor auf Stamm und Wurzel geprüft. Daran dürfen sich die Spechtarten, die den Oberräder Stadtwald bewohnen, ruhig mal ein Beispiel nehmen. Die gibt es nämlich, sagt Revierförster Lars Eckert. Allerdings hört man sie wegen des Fluglärms nicht. Der Bösewicht hier ist also nicht der Monsterspecht. Der wahre Schurke heißt vielmehr – wie könnte es anders sein – Jürgen. „Tief „Jürgen“ hatte nämlich Anfang August des vergangenen Jahres nicht nur Frankfurter Keller geflutet, sondern im Stadtwald auch Bäume umgeschmissen. Einer davon traf Monsterspecht 1.0 – der Vorgänger von dem, der jetzt aufgehängt wurde – und brach ihm den Schnabel.

Als der Arme verarztet werden sollte, kam es zu einer noch viel schlimmeren Diagnose: Pilzbefall. „Er zerbröselt uns in den Händen“, sagte damals Rainer Zimmermann. Er kümmert sich beim Umweltamt um die 14 Kunstwerke. Und als man dachte, es könne nicht mehr schlimmer werden, kam auch noch einer von den gefiederten Artgenossen mit Napoleonkomplex vorbei und hackte eine Loch in Monsterspecht 1.0.

Zimmermann blieb damit nur, den gemarterten Vogel nach elf Jahren aus dem Dienst für die Komische Kunst zu entlassen. Gut verkraftet hat der Monsterspecht das nicht. „Als wir ihn abnahmen, ist er in tausend Teile zerfallen“, sagte Zimmermann am Montag.

Monsterspecht 2.0 ist wie sein Vorgänger aus Pappelholz. „Muss er auch“, sagt Andreas Rohrbach, der das Werk geschnitzt hat. „Mit anderen Holzarten wäre das Ungetüm um ein Vielfaches schwerer.“ Eine Woche hat er daran gearbeitet. Ob man nun Monsterspecht 2.0 einen Klon nennen möchte oder optimistischer eine Reinkarnation, hängt vom dem ästhetisch-philosophischen Standpunkt ab. Beide hat Rohrbach nämlich nach einem Entwurf von Friedrich Karl Waechter geschaffen. Idee, Stoff und Form, alles ist also fast identisch. Nur ein neuer Baum trägt das Werk. Dort an der Waldwegverlängerung des Hainer Weg, ungefähr da, wo der Weg die Oberschweinstiegschneise kreuzt, hängt Monsterspecht 2.0 nun an einer Eiche und nicht wie zuvor an einer Buche. Dafür hatte Revierförster Eckert Gründe. Etwa ein Meter unter der Erde beginne eine Gesteinsschicht, die die Wurzeln der Buchen nicht durchdringen könnten, sagt er. „Die Buchen hier werden in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren daher wohl nach und nach alle umfallen.“ Eichen kämen mit den Bedingungen dagegen besser klar.

Gehalten wird der Vogel von Gewindestangen, die zwei Finger dick sind. Der Baum nehme dadurch keinen nachhaltigen Schaden, sagt Eckert. „Die Stangen verwachsen sich einfach.“ Die Hauptsache ist ohnehin, dass die Stangen den Monsterspecht gut festhalten. Hat die Geschichte doch gezeigt, was für ein zerbrechliches Wesen hinter dem martialischen Namen steckt.

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