Auf der Suche nach der Identität

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Gibt es eigentlichen den typischen Dornbuscher? Diese Frage stellt sich auch die neue Stadtteilhistorikern Susanne Czuba-Konrad, die sich mit der Identität des Stadtteils befasst, der erst 1949 gegründet wurde und irgendwie immer noch auf der Suche nach seinem eigenen Ich ist.

Wer durch das Dichterviertel mit seinen imposanten Villen und Bauten flaniert, der spürt unweigerlich den Hauch der Geschichte, der über die alten Kopfsteinpflasterstraßen weht. In solch einem Moment mag man kaum glauben, dass der Dornbusch, der scheinbar so geschichtsträchtige Stadtteil, gerade einmal 69 Jahre alt ist. Bis 1946 gehörte das 78 Hektar große Dichterviertel zu Ginnheim, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es aus verwaltungstechnischen Gründen ausgegliedert und mit westlichen Teilen des Nachbarstadtteils Eckenheim vereint – zum Dornbusch wie er heute existiert.

Stunden, Tage, nein sogar Wochen hat sich Susanne Czuba-Konrad bereits mit der Geschichte und somit auch automatisch mit der Identität des noch so jungen Stadtteils beschäftigt. Das Engagement hat sich gelohnt – die 49-Jährige ist eine der 25 neuen Stadtteilhistoriker der Polytechnischen Gesellschaft. „Ich habe nicht lange überlegen müssen mich dort zu bewerben. Es ist schön, Anerkennung und Unterstützung für seine Arbeit zu erfahren“, sagt Czuba-Konrad, die am Dornbusch keine Unbekannte ist. Erst im vergangenen Jahr gewann die promovierte Literaturwissenschaftlerin den Gedichtwettbewerb des Vereinsrings.

„Obwohl der Dornbusch kein gewachsener Stadtteil ist, so hat er doch sein eigenes Gesicht. Ebenso wie die Menschen, die hier leben. Diese Entwicklung will ich nachspüren“, erklärt die Wahl-Dornbuscherin ihre Ziele. Das Eintauchen in die Geschichte eines Stadtteils ist für sie nichts Neues – schon vor 15 Jahren beschäftigte sie sich intensiv mit Kalbach und seinem letzten Bürgermeister Rudolf Lade. „Es sind die Geschichte und die Menschen, die mich reizen“, sagt sie.

1910 entstand das Dichterviertel – im sogenannten Dornbuschgebiet. Das bekam seinen Namen, weil dort einst Dornenbüsche wuchsen. Zudem wurde am 2. Juli 1895 der westliche Teil des damaligen Diebsgrundwegs in „Am Dornbusch“ umbenannt. „Es gab den Dornbusch also schon viel länger, aber eben nicht als eigenen Stadtteil. Deswegen existiert er auch nicht, der eine Dornbuscher. Vielmehr handelt es sich bei den dort lebenden Menschen meist um Zugezogene, wie mich“, sagt CzubaKonrad, die es der Liebe wegen dorthin verschlug.

Geboren und aufgewachsen in Bonn kam sie vor 30 Jahren nach Frankfurt, lebte mit ihrem ersten Mann und der Tochter zunächst in Kalbach. „Mein Mann arbeitete am Dornbusch und schon da entdeckte ich meine Liebe zum Stadtteil. Da war es vielleicht ein wenig Schicksal, dass ich nach dem Tode meines ersten Mannes meinen jetzigen Ehemann kennenlernte. Der wohnte nämlich am Dornbusch“, erzählt die 49-Jährige, die sich ansonsten auch durchaus vorstellen könnte in Bornheim oder Bockenheim zu leben.

Es ist der städtische und trotzdem ländliche Charakter, der Czuba-Konrad am Dornbusch reizt. Sowie das gemischte Publikum aus Familien, Studenten, Wissenschaftlern und Frankfurter Persönlichkeiten. Aber auch wenn es für sie den typischen Dornbuscher nicht gibt, so gibt es doch ein paar Stellen, ein paar wenige Orte, die den Dornbusch für sie ausmachen. Wie das Café Christine, das seit mittlerweile 67 Jahren und einigen Pächterwechseln immer noch an der Eschersheimer Landstraße beheimatet ist. „Das Café ist eine Identität des Dornbusches. Fragt man nach etwas Typischem aus dem Stadtteil, dann fällt nicht selten dieser Name“, sagt sie.

Zudem passe sich das Café nahtlos ein in die bunte Mischung aus Geschäften. Bei denen taucht übrigens nicht selten der Dornbusch im Namen auf. Wie beim „Musikhaus am Dornbusch“ oder der „Apotheke am Dornbusch“. Dafür hat Susanne Czuba-Konrad eine Erklärung parat. „Diese Namensgebung ist ein typisches Zeichen für die Suche nach Identität und zugleich ein Zeichen, das die Nähe zum Stadtteil zeigt“, vermutet sie. Aber auch dieses Phänomen ist einer der Punkte, denen sie in ihren weiteren Forschungen noch mehr nachgehen möchte. Für Czuba-Konrad hat der Dornbusch übrigens seine eigene Identität, auch wenn er kein gewachsener Stadtteil ist. „Ich spüre den Unterschied, wenn ich nach Eschersheim oder Ginnheim komme. Das Übertreten der Stadtteilgrenzen ist für mich ein magisches Gefühl“, unterstreicht sie noch einmal die Faszination, die die einzelnen Ecken Frankfurts für sie ausmachen.

Begleitet werden kann die Arbeit von Susanne Czuba-Conrad auf ihrer Seite unter im Internet.

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