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Der Gorilla Quembo sieht durch die Scheibe des Geheges im Zoo. Darin spiegeln sich Pflanzen des Menschenaffenhauses.

Namenssuche für das Gorillababy

„Tag des Gorillas“ lockt in den Zoo

Ein Name für das Gorillababy, eine Sammelaktion für bedrohte wilde Artgenossen – am „Tag des Gorillas“ macht der Frankfurter Zoo aufmerksam auf die sanften Riesen unter den Menschenaffen.

Mit einem „Tag des Gorillas“ stellt der Frankfurter Zoo an diesem Samstag seine großen Menschenaffen in den Mittelpunkt des Besucherinteresses. Gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) will der Zoo dabei auch auf die Bedrohung der wilden Gorillas in Zentral- und Westafrika aufmerksam machen.

„Selbst bei den westlichen Flachlandgorillas, von denen es noch relativ viele gibt, ist der Trend einfach katastrophal“, warnt Zoodirektor Manfred Niekisch. Insofern seien die Frankfurter Zoo-Gorillas gewissermaßen Botschafter für ihre wildlebenden Artgenossen.

Zu den weltweit besonders bedrohten Tierarten gehören die rund 800 Berggorillas in den Vulkanbergen des Ostkongo, Ruandas und Ugandas. Über die Ländergrenzen hinweg besteht hier der Virunga-Nationalpark, das älteste Schutzgebiet Afrikas. Seit nahezu 60 Jahren engagiert sich die ZGF hier für den Schutz der größten Menschenaffen. Doch während in Ruanda und Uganda mit vorsichtigem, für die Tiere schonenden Gorillatourismus wichtige Einnahmen für den Schutz der Tiere erzielt werden, ist der Ostkongo seit Jahrzehnten von Gewalt erschüttert.

Kämpfe zwischen Regierungstruppen und verschiedenen Milizen in der Region haben in der Vergangenheit wiederholt auch auf das Gelände des Nationalparks übergegriffen. Die ZGF musste eigene Mitarbeiter aus Sorge um ihre Sicherheit zurückziehen, wie Geschäftsführer Christof Schenck berichtet. „Es ist fantastisch, wie engagiert die örtlichen Ranger sind“, sagt Schenck über die mitunter lebensgefährliche Arbeit der oft schlecht bezahlten Wildhüter, die ihr Bestes tun, um die Gorillas vor Wilderern und bewaffneten Banden zu schützen.

Der illegale Abbau von Edelmetallen in der rohstoffreichen Region finanziert die bewaffneten Gruppen – und bedroht letztlich auch den Lebensraum der Gorillas. Besonders gefragt ist Coltan, das etwa bei der Herstellung von Handys und Laptops benötigt wird. Am „Tag des Gorilla“ können gebrauchte Handys abgegeben werden. Mit der schon seit 2009 laufenden Aktion „Ein Handy für den Gorilla“ soll auf die Coltanproblematik aufmerksam gemacht werden.

Bei den Gorillas im Frankfurter Zoo handelt es sich allerdings um Flachlandgorillas, die als wilde Tiere rund tausend Kilometer westlich von ihren Verwandten leben. Am Samstag können die Besucher über den Namen für den jüngsten Neuzugang der Gruppe um Silberrücken „Viatu“ abstimmen. Das Jungtier wurde Mitte September geboren und gedeiht unter der liebevollen Pflege von Mutter „Shira“ gut. Allerdings konnte bis jetzt kein Pfleger einen so genauen Blick auf das Gorillababy werfen, um eindeutig das Geschlecht zu erkennen. Die Namensvorschläge werden daher geschlechtsneutral sein.

Vorsicht ist im täglichen Umgang mit den Menschenaffen geboten, die mit uns Zweibeinern einen großen Teil des Erbguts teilen, so dass Krankheiten übertragen werden können. „Wenn Tierpfleger Anzeichen für ansteckende Krankheiten wie Schnupfen, Husten, Grippe haben, gehen sie normalerweise nicht zu den Gorillas“ betont Niekisch. „Und wenn wir mal in Ausnahmefällen hinter die Kulissen gehen, wo uns kein Glas von den Gorillas trennt, dann tragen wir alle Mund- und Nasenschutz.“

Das Stereotyp von den sanften Riesen sei bei Gorillas aber berechtigt. „Bei Biologen gibt es den Spruch: Haltet euch an die Gorillas, das sind die besseren Menschen“, sagt Schenck über die friedlichen Menschenaffen, deren Tag vor allem von Fressen und Schlafen bestimmt werde. Schimpansen hingegen seien genetisch mit dem Menschen noch enger verwandt – und hätten einen völlig anderen Charakter: „Sie stehlen, sie töten andere Tiere, sie sind aggressiver.“

„Gorillas sind völlig entspannt, weil sie, wo immer sie gerade sitzen in der Natur, nur links und rechts in die Pflanzen greifen müssen und dann gleich Futter in der Hand haben“, sagt auch Niekisch. Da dieses Grünfutter in der Regel relativ schlecht von der Nährstoffqualität sei, müssten Gorillas entsprechend viel Nahrung aufnehmen – was auch die umfangreichen Bäuche der Moppel unter den Menschenaffen erkläre.

Gorillaschwangerschaften wie zuletzt bei „Shira“ sind daher selbst für erfahrene Zoo-Mitarbeiter überraschend: „Eine Gorillafrau wiegt so viel wie eine Menschenfrau und in der Regel auch noch ein bisschen mehr“, sagt Niekisch. „Die Jungtiere sind aber in der Regel nur 1200 bis 1500 Gramm schwer. Das heißt, bei einer Schwangerschaft mit diesen Winzlingen sieht man einfach nichts.“

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