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Hilfe von Frankfurter Tankstelle für die Ukraine - „Es hat sich rumgesprochen“

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Die Reifen-Diehl-Filiale in Frankfurter Berg hat eine ungewöhnliche Spendenaktion an der Zapfsäule für die Ukraine gestartet.

Frankfurt - Feyyaz Çetiner (39) ist ein Mann der Tat. Schon vor Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat er abgelaufene Verbandskästen für Hilfsorganisationen gesammelt. Seit März unterstützt er die vom Krieg Betroffenen direkt.

Sonst sind Tanken, Reifen wechseln, Reparaturen oder ein schneller Kaffee im kleinen Kassenraum das Alltagsgeschäft von Çetiner, dem Geschäftsführer der Reifen-Diehl-Filiale in der Homburger Landstraße 448 in Frankfurt. Das Gebäude und die Zapfsäulen gelb und blau - schon diese Mischung erinnert an die Flagge der Ukraine. „Ich fand es immer schon schade, Verbandskästen einfach zu entsorgen, wenn die Straßenzulassung abgelaufen ist.“

Ukraine-Hilfe in Frankfurt: „Es hat sich rumgesprochen, dass wir die Sache in die Ukraine bringen“

Da kam Çetiner auf die Idee, die Kästen dem Roten Kreuz, der Feuerwehr und Pflegeheimen für Übungen zu spenden. Die Kunden fanden das toll und haben gerne mitgemacht.“ Mehr als 200 Verbandskästen hat er abgegeben. Dann kam der Krieg, Çetiner reagierte sofort. „Den Menschen dort muss man umgehend helfen und Verbandsmaterial ist ganz, ganz dringend dort.“ Die bisherigen Abnehmer hatten volles Verständnis, Çetiner hängte Plakate auf.

Feyyaz Çetiner von der Reifen-Diehl-Filiale in der Homburger Landstraße 448 in Frankfurt unterstützt die Menschen in der Ukraine.
Feyyaz Çetiner von der Reifen-Diehl-Filiale in der Homburger Landstraße 448 in Frankfurt unterstützt die Menschen in der Ukraine. © Rüffer

Der Kassenraum steht voller Kartons. Verbände, Wärmedecken, Pflaster, Scheren, Gehstöcke, Krücken, Rollatoren und Rollstühle. „Es hat sich rumgesprochen, dass wir die Sachen in die Ukraine bringen“, erzählt er. Mit der Initiative #franfurtforukraine werden regelmäßig die Hilfsgüter dorthin geliefert, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Çetiner, der Mitglied der kommunalen Ausländervertretung KAV ist, hat sich an den Vorsitzenden Jumas Medoff gewandt. „Er fand die Idee toll und seither bringe ich alles, was hier gespendet wird, zum Lager von #franfurtforukraine.“

Damit nicht das Gefühl aufkommt, dass Çetiner ein Geschäft mit abgelaufenen Verbandskästen machen will, hat er keine neuen auf Lager. „Nur bei individueller Bestellung eines Kunden, bestellen wir welche.“ Es gehe ihm ausschließlich darum, in der Ukraine zu helfen und darum, die Sachen, die alle einwandfrei seien, nicht in den Müll zu werfen, sagt er.

Ukraine-Hilfe in Frankfurt: Wärmedecken sind besonders gefragt

Ebenso kostenfrei hat er als Kfz-Sachverständiger gemeinsam mit einem Rechtsanwalt Online- und vor Ort-Seminare für Ukrainer gegeben zum Thema „Auto fahren in Deutschland“. Damit sie keine Strafe zahlen müssen wegen der fehlenden Umweltplakette, hat Çetiner ihnen angeboten, auf eigene Kosten die fünf Euro für die Plakette zu spenden, wenn die Wagen den Anforderungen entsprechen. „So konnten wir Neuankömmlingen viel Stress mit Knöllchen oder Abschleppgebühren ersparen“, sagt er.

Mittlerweile sind mehr als 500 Verbandskästen in der Ukraine angekommen. „Die Kästen selbst werden nicht benötigt, darum packen wir sie jetzt aus und sortieren alles sorgfältig. Ganz besonders gefragt sind Wärmedecken.“ Weil es so viele Verletzte gibt, hat Çetiner seine Kunden auch nach Gehhilfen, Krücken, Rollatoren und Rollstühlen gefragt. „Wir bekommen jede Menge, weil viele Leute die Sachen im Keller haben und nicht mehr nutzen“, sagt er. „Die Menschen in der Ukraine sind unendlich froh darüber.“ Sie sähen, dass man an sie denke und unterstütze, sagt Feyyaz Çetiner. „Ich glaube, wenn nichts mehr geschickt würde, würden sie die letzte Hoffnung verlieren und das wäre schlimm.“ (Sabine Schramek)

Ukraine-Hilfe in Frankfurt: Abgeben jeden Tag möglich

Wer abgelaufene Verbandskästen, Krücken, Rollatoren, Rollstühle oder haltbare Konserven spenden möchte, kann sie bei Reifen-Diehl, Homburger Landstraße 448, Montag bis Freitag von 6.30 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr abgeben.

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