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Sicherungsmann Jürgen Reitz reicht seine Ausrüstung Sven Kleinschmidt im Wahrschau-Boot der DLRG.

Archäologie

Tauchgang in die Römerzeit: Forscher suchen antike Brücke im Main

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Taucher auf archäologischer Mission im 12 Grad kalten Main: Der Geschichtsverein Griesheim sucht zusammen mit Spezialisten nach den Resten einer römischen Mainbrücke.

12 Grad Wassertemperatur sind für Forschungstaucher Gerd Knepel geradezu paradiesisch: Der Archäologie-Spezialist aus Oberursel musste schon bei weit geringeren Temperaturen ins Wasser, gut geschützt durch seinen Neoprenanzug. Trüb sind die Fluten an diesem Oktober-Vormittag, aber schon beim ersten Tauchgang hat Knepel Erfolg: Er stößt auf die Überreste hölzerner Pfähle neben der Fahrrinne im Main.

„Wegen der guten Vorbereitung konnten die Taucher zielgenau ins Wasser gehen“, freut sich Harry Haarstark vom Geschichtsverein Griesheim. Ob die gefundenen Pfähle tatsächlich aus der Römerzeit stammen, muss nun mit der Untersuchung einer Holzprobe geklärt werden. Die Probe, die Taucher Knepel entnommen hat, ist noch am Samstag an Dr. Andrea Hampel, die Leiterin des Frankfurter Denkmalamts, übergeben worden. Analysieren soll sie der Dendrochronologe Thorsten Westphal, der auch den 2009 in einem Brunnen bei Waldgirmes gefundenen Pferdekopf einer Reiterstatue aufgrund der Brunnenhölzer als augusteisch datieren konnte. Der Pferdekopf ist nach Einschätzung von Fachleuten so bedeutend wie die Himmelsscheibe von Nebra und der Keltenfürst vom Glauberg.

„Wir warten nun mit Spannung auf die Ergebnisse“, sagt Harry Haarstark. Der Griesheimer Geschichtsverein hatte zusammen mit benachbarten Geschichtsvereinen eine Römer-Arbeitsgruppe gegründet, um den Tauchgang vorzubereiten. Dass zwischen Griesheim und Schwanheim eine römische Brücke über den Main geführt haben muss, ist eine Vermutung: Bereits in vorrömischer Zeit verliefen durch das heutige Griesheimer Gebiet zwei sogenannte „Altstraßen“ von Mainz kommend, eine über die Nidda-Brücke bei Nied durch den Griesheimer Gemeindewald (Rödelheimer Straße, heute Oeserstraße) sowie eine am Mainufer zum Frankfurter Domhügel (heute etwa Nieder Kirchweg / Stroofstraße beziehungsweise Alt-Griesheim).

Die Römer nutzten diese Straßen, bauten sie weiter aus und legten eine weitere Heerstraße vom Verwaltungssitz Nida der „Civitas Taunensium“ zum römischen Kastell „Auf Esch“ und der angrenzenden zivilen Siedlung bei Groß-Gerau an, wo sich eine überregionale römische Straßenkreuzung befand. Diese Verbindungsstraße ist heute vollständig verschwunden, aber durch Funde am Ebelfeld in Praunheim, in Rödelheim, im Griesheimer Wald und in Schwanheim ist der Verlauf gesichert. Diese Straße muss den Main bei Griesheim gekreuzt haben.

Nach einem Zeitungsartikel über das Peilschiff Johannes Kepler, das den Main vermisst, kamen die Historiker auf die Idee, Kontakt zum Wasser- und Schifffahrtsamt aufzunehmen, um an Messdaten des Maingrunds zu kommen. Und in der Tat: Auf der 3-D-Darstellung der Unterwasser-Scans der Sohle zog sich eine Erhebung als Unregelmäßigkeit quer durch den Fluss. Dort stieß Knepel jetzt auf die Holzreste, vermutlich Nadelholz.

Schon bei der Mainkanalisierung 1884 hatte der damals zuständige Bauingenieur Borgreve beobachtet, dass der Dampfbagger bei Schwanheim eisenbeschlagene Holzpfähle und behauene Steine aus dem Main zutage förderte. Nun soll die Untersuchung Aufschluss darüber bringen, ob an der Stelle, an der die 1945 gesprengte alte Schwanheimer Brücke über den Fluss führte, schon eine Römerbrücke stand. Die Eifelstraße und damit der alte Brückenkopf zielen auf die Schwanheimer Bahnstraße, die schon seit den Forschungen Schwanheimers Dr. Wilhelm Kobelt als Römerstraße bekannt ist. Ausgegraben wird im Main aber erst einmal nichts. Forschungstaucher Gerd Knepel sagt es so: „Die Sachen sind jetzt 2000 Jahre im Main, die halten auch noch eine Woche länger.“

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