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Taunus-Wanderer suchen einen Ausweg

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Von: Niklas Mag

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Wolfgang Lenz leitet den Wanderverein mittlerweile seit 2019, allerdings nur in seiner Position als Zweiter Vorsitzender FOTO: sauda
Wolfgang Lenz leitet den Wanderverein mittlerweile seit 2019, allerdings nur in seiner Position als Zweiter Vorsitzender © Sauda

Klub ist überaltert - Keine Mieteinnahmen auf dem Feldberg - Kein 1. Vorsitzender

Bei der Frankfurter Sektion des Taunusklubs brennt es derzeit an allen Enden. Wolfgang Lenz leitet den Wanderverein mittlerweile seit 2019, allerdings nur in seiner Position als Zweiter Vorsitzender. "Da lege ich auch viel Wert drauf", erklärt er. Ursprünglich wollte Lenz den Verein mit Sitz in der Eckenheimer Landstraße 57 nur kurzzeitig führen bis ein Erster Vorsitzender gefunden ist. Doch bislang gab es keinen Interessenten für den Posten.

Versammlung verschoben

Dazu hat sicherlich auch die Pandemie einen kleinen Teil beigetragen, denn die für 2021 geplante Mitgliederversammlung konnte erst vor zwei Monaten nachgeholt werden. "Immerhin waren 54 Mitglieder da, 64 hätten wir reinlassen dürfen. Ich denke, ohne Pandemie und die Vorgaben wären mehr Mitglieder gekommen", überlegt der Zweite Vorsitzende, der bei der Mitgliederversammlung bestätigt wurde. "Wir haben ganz allgemein ein Überalterungsproblem. Das geht jedem Verein so, aber uns trifft das natürlich sehr hart."

Wandern sei durchaus weiterhin "in", ist sich Lenz sicher. Doch die digitale Welt ersetzt die Aufgaben eines Vereins an vielen Stellen: "Die Leute können sich ganz einfach selbst verabreden und uns fällt es schwer, mit den neuen Medien da mitzuhalten." Ein Beispiel: Der Verein versende weiterhin viele Briefe, denn zahlreiche Mitglieder seien nicht firm mit Computern, doch Briefe kosten Geld. "Es heißt dann oft 'Das haben wir doch schon immer so gemacht', aber ich denke, ein Verein muss auch einfach mit der Zeit gehen, denn die Zeiten ändern sich."

380 Mitglieder hat der Frankfurter Taunusklub noch, deutlich über 1000 waren es in der Vergangenheit. Um wieder mehr Mitglieder zu gewinnen und die Angebote des Vereins zu modernisieren, könnte Lenz sich beispielsweise vorstellen, neue Arten des Wanderns wie "Geocaching" anzubieten. Hierbei wird mit Hilfe online veröffentlichter Koordinaten eine Art Schnitzeljagd bestritten.

Ganz allgemein kämpfe der Verein aktuell mit Kontaktbeschränkungen und fehlenden Einnahmen. Ausnahmsweise ist für Letzteres mal nicht allein die Pandemie verantwortlich. So hatte der Wanderverein das Wanderheim im Taunus für 80 000 Euro renoviert. Eigentümer ist der Hessische Rundfunk, der Verein der Pächter. 2019 nahm der Wanderklub 15 000 mit der Vermietung der rund 20 Zimmer ein, die Nachfrage war gigantisch. "Jetzt dürfen wir schon seit einem Jahr nicht mehr vermieten, weil der Brandschutz Probleme bereitet."

Umbau steht in den Sternen

Ein zweiter Fluchtweg müsse geschaffen werden. Wie und wann der nötige Umbau geschehen kann, steht in den Sternen, doch dem Wanderverein fehlen die Einnahmen bereits jetzt. "Wir zahlen aktuell auch Miete für unsere Geschäftsstelle. Das Geld fließt geradezu von unseren Konten, es ist eine Katastrophe", bedauert Wolfgang Lenz. Der Hessische Rundfunk erlasse dem Verein mittlerweile zwar die Hälfte der Miete für das Wanderheim und Geld vom Ortsbeirat habe ebenfalls zeitweise geholfen. "Aber das löst unsere Probleme dauerhaft nicht." Und damit nicht genug: "Jetzt dringt wohl auch noch Wasser in das Wanderheim ein", erzählt Lenz. "Wir tun eigentlich viel, kämpfen aber an allen Fronten gegen Verordnungen oder allgemein die Überalterung. Die Katze beißt sich da in den Schwanz." Aktuell seien er und der Verein ratlos wie man mit den vielen Problemen umgehen sollte. "Wir sind ein über 150 Jahre alter Verein, 1868 gegründet. Und schlagen uns jetzt nur mit solchen Geschichten herum. Wir kämpfen aktuell um jeden Euro. Da kann ich auch durchaus verstehen, dass kein junger Mensch Erster Vorsitzender werden will." Doch es gibt Lichtblicke: Es sei gelungen, den Vorstand zu verjüngen, wenn auch weiterhin kein Erster Vorsitzender da ist. Der Verein hat außerdem auch für 2022 ein breites Angebot geplant. Der Taunusklub freut sich über alle Interessenten oder Neumitglieder. Weitere Informationen gibt es unter www.taunusklub-stammklub.de. Niklas Mag

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