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Tausende demonstrieren in Frankfurt gegen Corona-Maßnahmen

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Von: Sabine Schramek

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Teilnehmer einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen und Impfpflicht laufen mit einem Schild mit der Aufschrift "Gegen die Impfpflicht", aber ohne Masken dicht an dicht auf dem Oeder Weg.
Teilnehmer einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen und Impfpflicht laufen mit einem Schild mit der Aufschrift "Gegen die Impfpflicht", aber ohne Masken dicht an dicht auf dem Oeder Weg. © dpa

Protest ist nur scheinbar friedlich: Auflagen der Polizei wurden ignoriert, die Presse wieder attackiert

Lange war der Rothschildpark Ausgangspunkt für Querdenker-Demonstrationen, die teilweise von der Polizei wegen Nichteinhaltung der Auflagen aufgelöst wurden. Am Samstag haben die Anmelder den Holzhausenpark als Startplatz gewählt. Laut Ordnungsamt wurden 750 Teilnehmer erwartet. Zwischen Dutzenden von Schneemännern, die Kinder vormittags gebaut und einigen von ihnen Masken aufgesetzt hatten, sammeln sich Leute mit eingerollten Plakaten, Herzen, die aus Zollstöcken geformt sind, Trillerpfeifen, Trommeln und Lichterketten, die dem Aufruf "Für freie Impfentscheidung" im Corona-Hotspot Frankfurt mit einer 7-Tage-Inzidenz von 567,8 durch die Querdenker-Szene folgen. "Herzmuskelentzündungsverweigerer" steht auf einem Pappplakat. Schnell füllt sich die Wiese im Park, viele tragen Maske. Sie fällt bei den meisten Teilnehmern bereits auf dem Oeder Weg.

Aus Fenstern schallt: "Lasst euch impfen!"

Aus einem Lautsprecher in einem Kleinwagen mit der handschriftlichen Aufschrift "Kinder schützen" mit einem Herzchen wird dreieinhalb Stunden lang immer wieder die gleiche Musik gespielt. "Wann wachen wir auf" von Helene Fischer, "The Wall" von Pink Floyd, "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen in bester Qualität. Am Straßenrand und aus Fenstern wird gerufen "lasst Euch impfen!". Die Rufe werden mit Trillerpfeifen quittiert. Fragen, ob die Interpreten mit der Nutzung ihrer Lieder für Querdenker-Zwecke gefragt worden seien und ob Gema-Gebühren bezahlt würden, werden ignoriert. Eine Flagge der "Freie Linke" weht, die im Dezember in Halle mit der Botschaft "Widerstand gegen Impfapartheid" eine Demonstration organisiert hatte. Eine Frau ist eingehüllt in eine Flagge von "Die Basis", die als parteipolitischer Arm der "Querdenker"-Bewegung gilt und mit deren Absender laut "Spiegel" und "Focus" momentan dubiose Drohbriefe an Berliner Ärzte verschickt werden, auf die sich sowohl die Ärztekammer als auch die kassenärztliche Vereinigung empört äußern. Die Demo zieht weiter zum Eschenheimer Turm, vorbei an der Konstablerwache über die Berliner Straße bis zum Willy-Brandt-Platz und durch das Bahnhofsviertel nach Bockenheim bis ins Westend. Via Lautsprecherwagen der Polizei wird immer wieder auf Abstand und Maskenpflicht hingewiesen. Das Musikband übertönt im vorderen Bereich die Durchsagen. Trommler übertönen sie weiter hinten in dem Zug, der nach Polizeiaussagen etwa 7500 Teilnehmer zählt. Ein Mann ruft in ein Megafon, dass man "die Rothschilds erst verhaften und dann anklagen soll."

Ein anderer Mann, der in der Hand eine ständig produzierende Seifenblasenmaschine hält, trägt auf dem Rücken ein Plakat, das auf der linken Seite eine Titelseite von "Der Stürmer" enthält und rechts ein nachgemachtes Layout der "Frankfurter Rundschau", umtituliert in "Frankfurter Dummschau". Auf dem Titel ist das unverpixelte Foto einer Redakteurin zu sehen. Quer über dem Nachdruck der antisemitischen NSDAP-Zeitung und dem gefälschten Frankfurter Rundschau-Titel steht in alter Schrift "+Jede Lüge+". Darunter "über angebliche Verschwörer" und fett gedruckt "Braucht eine Zeitung, die sie schreibt". Ein anderer Mann trägt ein Schild mit der Aufschrift "Media is the Virus". Angriffe auf die Presse sind bei Querdenker-Demonstrationen Programm. Rufe wie "Lügenpresse", der Versuch, Pressevertretern die Masken vom Gesicht zu ziehen, sie zu schubsen oder Kameras aus der Hand zu schlagen, sind weit verbreitet. Bereits am 21. November wurde ein FNP-Pressefotograf bei einer Querdenker-Demo tätlich angegriffen. Am 27. November stand der Name einer FNP-Reporterin auf dem führenden Lautsprecherbus der Querdenker. Auch an diesem Samstag wird ein Fotograf angegriffen und geschubst.

Weitere Aktionen geplant

Vor dem Eingang zum Palmengarten in der Siesmayerstraße stehen viele Leute mit Abstand und Masken Schlange, um sich am vorletzten Abend die Winterlichter anzusehen. Sie sind irritiert von dem Aufzug und den vielen Polizeibeamten. Sie fragen Einsatzkräfte, was los sei. Die Antwort lautet kurz "Querdenker". Unverständliches Kopfschütteln ist ihre Reaktion. Im Grüneburgweg informieren die Veranstalter die Polizei darüber, dass sie auf ihre angekündigte Abschlusskundgebung verzichten und bereits vorher ihre Demonstration beenden werden. Statt wie angekündigt um 20 Uhr lösen sie ihre Veranstaltung bereits um 18.30 Uhr auf. Mit der Ankündigung, wiederzukommen.

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