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Tausende Friedenskreppel: Bäckerei in Frankfurt spendet Erlös für Ukraine-Flüchtlinge

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Von: Sabine Schramek

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Tanja Huck, Inhaberin der Traditionsbäckerei, mit einem großen Blech der Friedenskreppel in den ukrainischen Nationalfarben. Mit dem Verkauf des Backwerks will sie geflüchteten Frauen helfen. FOTO:
Tanja Huck, Inhaberin der Traditionsbäckerei, mit einem großen Blech der Friedenskreppel in den ukrainischen Nationalfarben. Mit dem Verkauf des Backwerks will sie geflüchteten Frauen helfen. © Rainer Rüffer

Die Bäckerei Huck in Frankfurt spendet den Erlös ihrer Friedenskreppel, um Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen.

Frankfurt – Sie sind rund, mit Zuckerguss überzogen und mit blau-gelbem Muster obendrauf. Die Familienbäckerei Huck will mit dem Verkauf Flüchtlingen aus der Ukraine ein Zuhause auf Zeit ermöglichen.

Die Friedenskreppel leuchten schon von Weitem in blau-gelb. Sie sind nicht gefüllt, kosten einen Euro, schmecken lecker und helfen. "Wir mussten einfach etwas machen", sagt Tanja Huck (47) von der gleichnamigen Familienbäckerei. "Meine Freundin hat ihre Schwester heute Nacht aus der Ukraine geholt. Es ist schlimm."

Bäckerei in Frankfurt sucht Grundstück für Flüchtlinge im Ukraine-Krieg

Die dynamische Frau erzählt, dass viele Mütter mit ihren Kindern eine Unterkunft suchen. "Wir möchten gerne fünf Familien ein Zuhause auf Zeit ermöglichen. Entweder mit einem Grundstück, das nicht so teuer ist, auf das wir Container stellen können, oder auch ein günstiges Hotel mit einem Aufenthaltsraum, in dem wir günstig Zimmer anmieten können." Huck will den Geflüchteten so etwas Zusammenhalt geben, damit sie in der schlimmen Situation nicht ganz allein sind.

So könnten die Frauen auch abwechselnd auf ihre Kinder aufpassen und ab und zu durchschnaufen. "Und man könnte mit den Kindern etwas unternehmen. Zoobesuche und ähnliches. Container würden wir gestellt bekommen". Die hat sie bereits organisiert. Ebenso die Versorgung für sie mit Lebensmitteln.

Bäckerei Huck in Frankfurt bietet Friedenskreppel an

Seit zwei Tagen bietet Huck in den insgesamt 12 Filialen die Friedenskreppel an. "Am ersten Tag haben wir 600 verkauft und hatten schon 300 Vorbestellungen. Heute haben wir 1200 gemacht", sagt sie lachend. "Wir wollen etwas tun, was schnell geht und unbürokratisch ist. Etwas, was nicht teuer ist und von Rentnern, die nicht viel haben, ebenso gern genommen wird, wie von Firmen, die ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun wollen. Wir tragen den Wareneinsatz von 50 Cent, die Kunden bezahlen ebenfalls 50 Cent pro Stück. Das ist fair. So zaubern wir schnell etwas, das hilft", sagt die dynamische Frau.

Seit 1937 gibt es den Familienbetrieb. Tanja Huck hat vor 23 Jahren eingeheiratet. Die Produktion ist in Kalbach, sie selbst ist gerade in der Filiale in der Thudichumstraße in Frankfurt-Rödelheim, während die Friedenskreppel verkauft werden.

150 Mitarbeiter aus 26 Nationen sind in Schichten rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche beschäftigt, um Brot, Backwaren, Kuchen und Kreppel zu produzieren und zu verkaufen. "Im April öffnen wir noch eine Filiale am Flughafen", erzählt sie wie nebenbei. "Da brauchen wir noch 20 Leute im Verkauf."

Hessen für die Ukraine

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Bäckerei Huck in Frankfurt: Familienbetrieb schon in dritter Generation

Tanja Huck liebt ihren Job. Sie ist Teil der dritten Generation des Familienbetriebs. "Die Firma gehört meinem Mann und mir. Darum können wir auch flexibel sein und Dinge so tun, wie wir es wollen und für richtig empfinden. Ohne Franchise ist jede Filiale anders."

In der Corona-Krise war es hart. 40 Prozent des Umsatzes hat Lieferservice ausgemacht. 90 Prozent davon sind weggebrochen, da Firmen im Homeoffice gearbeitet haben und Lokale geschlossen wurden. "Auf Kurzarbeit haben wir verzichtet und die Kosten für die Mitarbeiter bei sechs bis acht Arbeitsstunden selbst getragen. Viele Mitarbeiter sprechen nicht gut Deutsch und wir wollten ihnen den Papierkrieg ersparen. Da wären sie unter die Räder gekommen", erzählt sie. Die Filialen haben den Betrieb gerettet. Jeden Sonntag spendet Huck Kuchen und Brötchen an den Verein Street Angel, der im Bahnhofsviertel Obdachlose mit Essen versorgt. An sechs Tagen in der Woche spenden sie auch der Tafel der Caritas in Sachsenhausen Brot und Kuchen. "Wir achten darauf, nichts wegzuwerfen. Es ist unsere soziale Pflicht, anderen zu helfen." Die blau-gelben Friedenskreppel sind ab sofort fest im Programm. "Viele Kunden legen noch etwas drauf als Spende", freut sie sich.

"Wenn wir jetzt noch jemanden finden, der uns günstig ein Grundstück zur Verfügung stellt, damit wir die Flüchtlinge in Containern unterbringen können oder ein Hotel, dann können wir schnell und unkompliziert helfen." Wer in der neuen Filiale am Flughafen im Verkauf mitarbeiten will, kann sich per E-Mail unter jobs@huckGMBH.de melden. (Sabine Schramek)

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