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Auf die Sperrung des Mainkais ab Dienstagmorgen weisen bereits die - noch durchgestrichenen - Schilder hin wie hier in der Gutleutstraße. Hinten ist die geänderte Zielbeschilderung zu sehen.

Verkehr

Nördliches Mainufer ab Dienstag 13 Monate lang für Autos und Laster gesperrt

Am Dienstagmorgen um neun Uhr ist Schluss: Dann dürfen keine Autos, Motorräder, Laster und Busse mehr über den Mainkai rollen. Das Flussufer bleibt Fußgängern und Radfahrern überlassen. Wo entlang aber sollen Autolenker dann ausweichen? Tausende müssen sich umgewöhnen.

Frankfurt - Boston, Paris und viele andere Großstädte am Fluss haben es vorgemacht. Am Dienstag zieht Frankfurt nach. Dann wird die Automagistrale am nördlichen Mainufer für den motorisierten Verkehr gesperrt. Fußgänger und Radfahrer können sich dieses Herzstück der Innenstadt erobern.

Die "Öffnung des Mainufers für den Fußgänger- und Radverkehr" - auf diese positive Formulierung der Sperrung für Autos, Laster, Busse und Motorräder beharrt Gert Stahnke, der Leiter des Straßenverkehrsamtes. Schließlich will die Politik Positives erreichen: Die Frankfurter und ihre Gäste sollen einen der schönsten Bereiche der Stadt am Fluss endlich ohne Autolärm, ohne Abgasgerüche genießen können.

Bisher rollen täglich 20 000 Fahrzeuge über die für den lokalen Verkehr wichtige Ost-West-Strecke. Die Zählungen der Fahrzeuge hätten bestätigt, dass die Strecke beliebt ist bei Pendlern, erklärt Rita Jakoby, Planerin vom Büro Albert Speer und Partner (ASP). Über die Route lassen sich etwa Arbeitsplätze im Gallus, Gutleut oder Bockenheim gut erreichen von Wohnorten wie Bruchköbel oder Erlensee.

Mainkai: Zielführung überarbeitet

Damit aber ist am Dienstag Schluss. Erst mal wird der Mainkai fürs Mainfest dicht gemacht. Die folgende, testweise Dauer-Sperrung hat das Stadtparlament beschlossen. 13 Monate lang bleibt die Strecke dicht bis nach dem Museumsuferfest 2020. Wo aber sollen die Autos und Laster fahren? Ausdrückliche Umleitungen würden nicht beschildert, erklärt Stahnke. "Wir gehen davon aus, dass der Frankfurter Autofahrer weiß, wo er lang fahren muss." Ganz so einfach aber hat es sich Rita Jakoby dann doch nicht gemacht. Sie hat nicht nur die Zahl der Fahrzeuge auf dem Mainkai und in den Parallelstraßen, die den Umfahrungsverkehr aufnehmen müssen, erfasst, sondern auch die Verkehrsschilder.

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"Die Zielführung ist gefühlt seit Jahrzehnten nicht mehr überarbeitet worden", ist Jakobys Eindruck. Deshalb habe man "im Zuge der Untersuchung die Konsistenz der Zielbeschilderung auf Stetigkeit und Plausibilität überprüft", erläutert Gert Stahnke. Als Ergebnis sind in den vergangenen Wochen viele Zielschilder verändert, neue angebracht worden. So führt beispielsweise die Zielführung Hanau und Offenbach nun nicht mehr am Main entlang, sondern durch Leuschnerstraße, Theatertunnel und Berliner Straße.

Von Sachsenhausen geht es Richtung Zoo nicht mehr über die Untermainbrücke, sondern via Walter-Kolb-Straße und Alte Brücke bis zum Börneplatz, wo Fahrer auf vorhandene Zielbeschilderung stoßen. Die Ziele Westhafen und Rathaus entfallen ersatzlos - der Westhafen, weil er längst "nur" noch ein Wohngebiet und kein wichtiger Gewerbestandort mehr ist.

Mainkai: Zwei neue Linksabbieger

Damit der Verkehr besser um die Sperrung herumfließt, hat die Stadt an den Ampeln im Umfeld die Schaltzeiten angepasst. Größere Eingriffe gab es an zwei Kreuzungen. So können Autos vom Untermainkai kommend in die Neue Mainzer Straße nach links abbiegen. Und ein weitere Linksabbiegemöglichkeit ist dieser Tage eingerichtet worden: Auf der Schweizer Straße von der Untermainbrücke kommend in die Walter-Kolb-Straße und zur Alten Brücke. Das soll die fehlende Linksabbiegemöglichkeit vom Sachsenhäuser Ufer auf die Alte Brücke ersetzen. Diese einzurichten habe man zwar geprüft, sagt Fachfrau Jakoby. Aber sie sei zu gefährlich wegen des dort in zwei Richtungen freigegebenen Radwegs.

Zusätzlich hatte das Parlament auf Antrag der FDP zuletzt noch angeregt, Linksabbiegen von der Schönen Aussicht auf die Alte Brücke möglich zu machen sowie am Börneplatz von der Kurt-Schumacher-Straße in die Berliner Straße. Beides kommt aber nicht: An der Alten Brücke sei die Fahrbeziehung nicht nötig, weil sie schon an der Ignatz-Bubis-Brücke bestehe, erklärt Rita Jakoby. Und am Börneplatz sei die Kreuzung bereits überlastet: Eine zusätzliche Abbiegemöglichkeit lasse sich in der 90 Sekunden langen Ampel-Umlaufphase nicht mehr unterbringen, erklärt Gert Stahnke. "Wir haben extra bei Siemens angefragt", also den Ampeltechnikern, erklärt Rita Jakoby "Aber dort ist keine Sekunde mehr herauszuholen."

Ob die neue Verkehrsführung funktioniert, werde sich wohl nach den Sommerferien zeigen, wenn wieder die übliche Verkehrsmenge rolle, schätzt Gert Stahnke. Seine Fachleute überwachen dann die Entwicklung, um, falls notwendig, nachjustieren zu können. Zusätzlich gehen die Daten zu Sperrung und neuen Fahrmöglichkeiten an die Betreiber der Navigationssysteme in den Fahrzeugen, sagt Stahnke. "Das wird hoffentlich schnell eingespielt."

von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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