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Das Bild zeigt Inhaber und Küchenchef Mario Furlanello. Foto von: Andrea Möllerr

Gastro-Kolumne

Tausendsassa an Herd und Zeichenbrett

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Wer im Bornheimer Ratskeller gerne essen geht, erlebt kulinarisch oft eine Überraschung. Denn eine permanente Speisekarte gehört nicht zum Konzept des umgebauten und gerade wieder eröffneten Restaurants. Und das aus gutem Grund: „Ich telefoniere regelmäßig mit meinen Lieferanten und frage, was sie zurzeit frisch im Angebot haben“, erklärt Betreiber Mario Furlanello . „Danach gestalte ich meine Auswahl an Speisen.“

Wer im Bornheimer Ratskeller gerne essen geht, erlebt kulinarisch oft eine Überraschung. Denn eine permanente Speisekarte gehört nicht zum Konzept des umgebauten und gerade wieder eröffneten Restaurants. Und das aus gutem Grund: „Ich telefoniere regelmäßig mit meinen Lieferanten und frage, was sie zurzeit frisch im Angebot haben“, erklärt Betreiber Mario Furlanello . „Danach gestalte ich meine Auswahl an Speisen.“

Er produziert alles selbst, denn Vorgefertigtes kommt bei ihm nicht auf den Tisch. Deshalb trägt das Lokal auch den Beinamen „gastronomischer Handwerksbetrieb“.

Mit seinen oft aufwendig hergestellten Gerichten sowie den natürlichen und regionalen Zutaten möchte er an das Ende des 19. Jahrhunderts erinnern, als das Restaurant entstand. Furlanello kennt das Lokal noch aus seiner Kindheit, ist er doch um die Ecke in der Löwengasse aufgewachsen. Nach der Schule absolvierte er ein Architekturstudium, das er 2002 erfolgreich abschloss. Aber gleich danach machte er eine Ausbildung zum Koch, denn „die Liebe zum Essen, die ich schon früh zu Hause entwickelte, hat mich nicht losgelassen.“

Erfahrungen sammelte er in diversen Restaurants mit gehobener Küche in Berlin, München und Barcelona. 2007 kehrte er nach Frankfurt zurück und gründete zusammen mit einer Freundin die Kochschule Menofaktur.

Dabei ging dem 43-Jährigen die Idee, ein eigenes Lokal zu eröffnen, nie aus dem Kopf. Eine gute Gelegenheit bot sich ihm Ende Juni 2012, als der Bornheimer Ratskeller geschlossen wurde. Mit seinen Partnern, den Architekten Michael Kleinert und Jens Boderke , erarbeitete er ein Sanierungskonzept. Keine einfache Sache, denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz, und das Trio musste viele Hürden nehmen. Entsprechend lange dauerte die Umsetzung.

Doch das Ergebnis war die Arbeit wert: Das Interieur zeichnet sich ebenso durch nostalgischen Charme wie durch moderne Elemente aus.

Idyllisch ist der riesige Sommergarten, in dem noch der Aussichtsturm von 1871 steht, der aber leider nicht mehr begehbar ist. Im ersten und zweiten Stock befindet sich jeweils ein Festsaal – einer für 90 und einer für 30 Personen. Gekocht wird in der offenen Küche im Lokal, denn „wir haben nichts zu verbergen“. So können Interessierte schon ab 8 Uhr vorbeischauen, wenn Furlanello nebenan in seiner Metzgerei steht und beispielsweise Wurst selbst herstellt. Denn der Vater von drei Kindern ist nicht nur Architekt, Koch und Küchenmeister, sondern hat vor gut zwei Jahren noch eine Ausbildung zum Metzger drangehängt.

Für die Zutaten hat er sich seine Lieferanten genau ausgesucht. Seinen Fisch erhält er von der Fischzucht Wetterfeld bei Laubach und die Schweine vom Betrieb „Der Vogelsberger“ . Schließlich möchte er durch Qualität überzeugen – und gute Ideen. So bringt Furlanello eigene Frankfurter Weißwürstchen (8 Euro) auf den Tisch, die zwar klassisch aus Schwein und Kalb bestehen. Dem Fleisch hat er aber noch die sieben Kräuter der Grünen Soße beigemischt, die dem Ganzen einen besonderen Geschmack verleiht.

Derweil kommt die Ochsenbacke (16,50 Euro) so zart aus der Küche, dass ein Messer fast überflüssig ist. Allerdings scheint das Tier ziemlich träge gewesen zu sein, weshalb es Pausbacken entwickelt hat, was sich auch auf dem Teller zeigt. Dazu gibt es eine kräftige Soße, die durch ihre Rotwein-Note überzeugt, sowie schlotzig gerührtes Risotto.

Doch es muss nicht immer Fleisch sein, denn die garantiert hausgemachten Käsespätzle samt Röstzwiebeln und knackigem Salat (10,50 Euro) schmecken zusammen mit dem perfekt portionierten Bergkäse würzig und bescheren kein Völlegefühl. Zwar steht nur ein Nachtisch zur Auswahl, aber der lässt keine Wünsche offen. Denn die halbe Apfelweinbirne (6 Euro) hat einen intensiv-fruchtigen Geschmack und wird mit cremig-aromatischem Kürbiseis und dunklem Schoko-Crumble serviert.

Als Getränke gibt es unter anderem Erzeugnisse vom Weingut Müller-Dr. Becker in Flörsheim und Stöffche von der Kelterei Nöll in Griesheim. Wer auf Alkohol verzichten möchte, kann zwischen diversen Säften wählen. Cola suchen die Gäste hier übrigens vergeblich: „Diese Industrieprodukte möchte ich nicht anbieten“, betont Furlanello. So ändert er tatsächlich oft die Speisekarte, bei den Getränken aber ist er sehr beständig.

Bornheim, Kettelerallee 72, Tel. (069) 79 37 03 00, www.ratskeller-bornheim.de, Di–Sa ab 17, So ab 12 Uhr, Sitzplätze: 90 innen/600 außen, Küche: international

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