Bei dem Bahnunglück am 7. Mai 2020 wurde eine junge Frau bei offener Schranke vom durchfahrenden Zug einer Regionalbahn getötet; ein Radfahrer und eine Autofahrerin wurden schwer verletzt.
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Bei dem Bahnunglück am 7. Mai 2020 wurde eine junge Frau bei offener Schranke vom durchfahrenden Zug einer Regionalbahn getötet; ein Radfahrer und eine Autofahrerin wurden schwer verletzt.

Bahnübergang in Nied

Tödliches Bahnunglück in Frankfurt: Schrankenwärterin hätte nicht eingesetzt werden dürfen

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Der Untersuchungsbericht zum tödlichen Unglück an der Bahnschranke in der Oeserstraße in Frankfurt-Nied liegt vor. Er spart nicht mit Kritik.

Frankfurt – Die beim tödlichen Unfall an der Bahnschranke Oeserstraße in Nied am 7. Mai 2020 diensthabende Schrankenwärterin hätte nicht eingesetzt werden dürfen. Zu diesem Schluss kommt der 50 Seiten starke, abschließende Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung in Bonn.

Zwar hatte die Frau gut fünf Monate zuvor die schriftliche und die mündliche Schrankenwärter-Prüfung bestanden - zur mündlichen Prüfung hätte sie gar nicht erst zugelassen werden dürfen, weil ihr eine "Bescheinigung über die Durchführung der Ausbildung am Arbeitsplatz" gefehlt habe, erklären die Fachleute. Bei dem Unglück war eine 16 Jahre alte Jugendliche aus Nied auf dem Bahnübergang getötet und zwei weitere Menschen schwer verletzt worden, als ein Regionalzug der Hessischen Landesbahn (HLB) bei geöffneten Bahnschranken durchfuhr.

Tödlicher Unfall in Frankfurt: "Ereignisursächlich" soll Arbeitsfehler sein

Der Bericht bestätigt, was bereits ein Zwischenreport Ende Juli vergangenen Jahres festgestellt hatte: "Primär ereignisursächlich" soll ein Arbeitsfehler der Schrankenwärterin gewesen sein. Sie hatte die Schranke von Hand geöffnet, möglicherweise in der falschen Annahme, dass der Unglückszug den Bahnübergang bereits in Richtung Mainzer Landstraße passiert habe. Gegen die Schrankenwärterin wird wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Bahnbetriebs ermittelt.

Der Abschlussbericht führt aber auch viele Punkte und Mängel auf, die nicht in der Verantwortung der Bahn-Mitarbeiterin liegen. Angefangen bei der langjährigen Stagnation in den politischen Bemühungen, den Bahnübergang zu beseitigen, bis hin zu einer auffallend langen Liste technischer Störungen am Bahnübergang Oeserstraße.

Frankfurt-Nied: Schrankenwärterin wohl im Stress – wegen technischer Störung

Auch kurz vor dem Unglück hatte es laut Bericht Probleme gegeben: Etwa 30 Minuten lang ließen sich die Schranken nicht mehr öffnen. Das habe "erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen" zur Folge gehabt. Die "störungsbedingte Stresssituation durch die unmittelbare Nähe zu den wartenden Bahnübergangsbenutzern" habe wohl "zusätzlich stressverstärkend und ablenkend" auf die Mitarbeiterin gewirkt.

Ebenso stellt der Bericht die mangelnde Anzahl an technischen Überprüfungen der Anlage fest. Vorgesehen sind diese sogenannten Verkehrsschauen alle zwei Jahre. Im Falle der Oeserstraße habe es die bislang letzte jedoch bereits im April 2015 gegeben. Die nächste hätte kurz vor dem Unglück stattfinden sollen, war aber wegen der Pandemie abgesagt worden.

Bahnunglück in Frankfurt: Sicherheit am Bahnübergang alle zwei Jahre überprüfen

Ein künftig stets einzuhaltender Zwei-Jahres-Turnus bei den Verkehrsschauen gehört denn auch zu den abschließenden Sicherheitsempfehlungen des Berichtes. Weiter empfehlen die Gutachter, "die Bedingungen für das Zulassen von Zugfahrten über den Bahnübergang unter ausschließlicher menschlicher Sicherheitsverantwortung um risikominimierende Maßnahmen zu erweitern". Gemeint sein könnte damit beispielsweise, dass ein zweiter Mitarbeiter im Schrankenwärterhäuschen über die korrekte Bedienung der Technik wacht. Auch empfiehlt der Bericht, "die Bahnübergangstechnik unter Berücksichtigung der vorherrschenden verkehrlichen Situation und unabhängig der laufenden Bestrebungen zur Beseitigung des Bahnübergangs, zu ersetzen".

Genau das haben Bahn und Stadt bereits angekündigt. In einem ersten Schritt des Drei-Stufenmodells bis zur vollständigen Beseitigung des Bahnübergangs soll bis zum Jahresende zunächst die veraltete Sicherungsanlage durch moderne Technik ersetzt werden. (Michael Forst)

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