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Tegut plant mehr digitale Mini-Filialen: Ist das die Zukunft der Supermärkte?

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Von: Paul Bröker

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Innenaufnahme eines Verkaufsraum einer „Tegut teo“-Filiale
Innenaufnahme eines Verkaufsraums einer „Tegut teo“-Filiale: Tegut verspricht eine Vollversorgung. Dabei bietet ein Mini-Markt gerade einmal 950 Produkte an. © Tegut

Die Supermärkte tüfteln am Einkauf der Zukunft: Tegut geht mit einer Mini-Filiale ins Rennen. Das Konzept ist auch in Frankfurt im Gespräch.

Frankfurt – Rund um die Uhr einkaufen, sogar sonn- und feiertags: In einigen Mini-Filialen in der Nähe von Fulda testet die Supermarkt-Kette Tegut dieses Konzept schon seit November 2020. In diesen Märkten funktioniert das Bezahlen praktisch im Vorbeigehen. Die Kunden müssen sich nicht extra an die Kasse stellen. Stattdessen gibt es in den Märkten Selbstscanning-Kassen, die zusammen mit einer Smartphone-App funktionieren.

Einen Nachteil haben die „Tegut teo“ genannten Mini-Märkte jedoch: Das Sortiment umfasst lediglich bis zu 950 Produkte auf 50 Quadratmetern. Zum Vergleich: Ein normaler Supermarkt bietet seinen Kunden mehr als 20.000 Artikel. Den Charme der Märkte macht daher auch eher die praktische und jederzeitige Nahversorgung aus. Dennoch möchte Tegut in den Mini-Märkten eine Vollversorgung bieten. Zudem seien die Preise nicht auf Tankstellen-Niveau angesiedelt, heißt es vom Unternehmen.

Mini-Filialen von Tegut: Konzept wurde mit Preisen ausgezeichnet

Erweitert wird das Angebot der Mini-Märkte zusätzlich um eine Bücher-Tauschbörse, einen Hunde-Rastplatz und eine kleine Fahrradwerkstatt, die teilweise mit einer E-Bike-Ladestation ausgestattet ist. „Das, was ich brauche. Da, wo ich es brauche. Dann, wann ich es brauche“, nennt das Tegut-Marketing den neuen Ansatz. An einzelnen teos gibt es auch eine DHL-Packstation.

Belohnt wurde das Konzept bereits kurz nach der Eröffnung der ersten Mini-Märkte in Fulda mit dem Innovationspreis des Handels 2020. Es folgte jüngst die Auszeichnung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022. Diese Auszeichnung prämiert unter anderem die außergewöhnliche Gebäudekonstruktion. Sie besteht zu 95 Prozent aus Holz, hat ein Gründach und sieht von außen wie ein langer Eisenbahnwaggon aus.

Frontansicht einer „Tegut teo“-Filiale
Frontansicht einer „Tegut teo“-Filiale: Wie ein langer Eisenwaggon fügt sich der Mini-Markt in die Umgebung ein. Dafür wurde Tegut unter anderem mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. © Tegut

Tegut möchte Mini-Filialen an mehr Standorten anbieten: Unternehmen prüft Anfragen

Bislang waren die teo-Märkte rund um Fulda für Tegut ein Test. Doch kürzlich erklärte das Unternehmen die Probephase für erfolgreich beendet: Noch in diesem Jahr sollen laut der Jahresbilanz der Supermarkt-Kette 20 weitere Mini-Märkte entstehen. Geplante Standorte sind im Rhein-Main-Gebiet sowie in Bayern und Baden-Württemberg.

Gegenüber dem Hessischen Rundfunk erklärte der Tegut-Leiter für Vertrieb und Expansion, Thomas Stäb, wo die ersten hessischen Filialen gebaut werden sollen: in Darmstadt und Hanau. Auch in Frankfurt und Wiesbaden gebe es Gespräche. Genannt werden auch Städte wie Mainz, Gelnhausen (Main-Kinzig) und Seligenstadt (Offenbach). Vertraglich fixiert sei aber noch nichts, schreibt der Hessische Rundfunk.

Tegut will mit dem Konzept weiter expandieren. „Wir glauben, dass es Potenzial für mehrere hundert Standorte in Deutschland hat – gerade im ländlichen Raum, wo Unterversorgung vorhanden ist, oder auch in städtischen Nischen, zum Beispiel in neuen Wohnquartieren“, sagte Tegut-Vertriebsleiter Thomas Stäb dem Hessischen Rundfunk. Es seien schon 200 Standort-Anfragen eingegangen, die das Unternehmen prüfe.

Handels-Experte gibt dem Tegut-Konzept keine gute Prognose: „Wohl eher Klecker-Kram“

Der Handels-Experte Gerrit Heinemann sieht bei den Mini-Märkten indes unternehmerische Risiken. „Erfahrungen im Handel zeigen: je kleinflächiger das Format, desto weniger rentabel“, sagte er dem Hessischen Rundfunk. Heinemann, der als Professor für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein (Mönchengladbach) arbeitet, gibt dem Konzept daher keine gute Prognose: „Es ist betriebswirtschaftlich gesehen wohl eher Klecker-Kram.“ Das liege daran, dass damit nicht die nötigen Umsätze erzielt werden können, um ein großes Handelsunternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.

„Man braucht Dutzende dieser Läden, um den Umsatz eines normalen Supermarkts zu machen. Zumal ein durchschnittlicher Einkauf dort wahrscheinlich unter zehn Euro liegt, weil Kunden nur Kleinigkeiten kaufen“, sagt Heinemann im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk. Es sei jedoch einen Versuch wert, das Konzept in größerem Maßstab zu testen. Gegenüber dem Hessischen Rundfunk machte Tegut keine Angaben zu Umsatzzahlen und der Rentabilität der neuen Mini-Märkte. (Paul Bröker)

Die Ausbreitung der Omikron-Variante könnte auch bei Supermärkten und Discountern zu Lieferengpässen führen, warnt der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik.

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