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Mit solchen Betonklötzen werden derzeit Opernplatz, Freßgass? und Hauptwache vor Terrorlastern geschützt. Zwei weitere Gefahrenpunkte im Stadtgebiet sind aber noch ungesichert.

Offene Flanken

Terrorrisiko: Mehrere Orte im Stadtgebiet gelten als besonders gefährdet

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Massive Betonklötze auf zentralen Plätzen sollen Terrorangriffe mit Lastwagen verhindern. Polizei und Sicherheitsexperten warnen jedoch vor offenen Flanken an anderen Ecken der Stadt: Mindestens zwei Hoch-Risiko-Orte sind bisher vollkommen ungeschützt.

Europäische Großstädte befinden sich weiterhin im Visier von Terroristen. Auch wenn Frankfurt bislang verschont blieb, sei die „abstrakte Gefährdungslage“ nach wie vor hoch, betont Polizeipräsident Gerhard Bereswill immer wieder. Er sagte diesen Satz, als Anfang des Jahres die ersten Betonquader auf dem Opernplatz aufgestellt wurden. Und er wiederholte ihn, als vergangene Woche bei einer Pressekonferenz im Römer über eine Verschönerung dieser Zufahrtsbarrieren nachgedacht wurde. „Der ‚Islamische Staat‘ ist in Syrien zwar auf dem Rückzug, aber die Gefahr islamistischer Anschläge in Europa ist dadurch nicht gebannt“, mahnte der Polizeipräsident.

Nachdem 2016 in Nizza und Berlin Terroristen mit Lastwagen in Menschenmengen gerast waren, machten sich Fachleute im Frankfurter Präsidium darüber Gedanken, an welchen Orten im Stadtgebiet ähnliche Szenarien denkbar wären. An drei dieser Stellen hat die Stadt inzwischen Betonsperren aufgestellt: am Opernplatz, der Fressgass’ und der Hauptwache. Sie sollen Amokfahrer stoppen, bevor sie größeren Schaden anrichten. Doch mindestens zwei weitere Hoch-Risiko-Orte sind nach wie vor vollkommen ungeschützt.

Das wurde deutlich, als Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) und sein Stadtratskollege Klaus Oesterling (SPD) vergangene Woche Journalisten erste Ideen vorstellten, wie die Frankfurter Terrorabwehr gestalterisch verbessert werden könnte. Von versenkbaren Stahlpollern bis hin zu robusten Tierfiguren sei einiges möglich, hieß es. Ein auf Sicherheitsfragen spezialisiertes Ingenieurbüro hatte im Auftrag der Stadt den Markt erkundet.

In der Präsentation dieses Büros tauchte eine Liste auf, in der fünf Örtlichkeiten in Frankfurt rot markiert sind. Rot steht für höchstes Risiko.

Als Polizeipräsident Bereswill diese Liste in den Unterlagen entdeckte, wurde er nervös. Sie hätte nicht Bestandteil der Präsentation sein sollen. Später bat er die anwesenden Journalisten, nicht darüber zu berichten, wo Frankfurts offene Flanken liegen. „Wir wollen den Terroristen keine Anleitungen liefern“, sagte er. Daran hält sich auch diese Zeitung.

Wo sich die zwei Hoch-Risiko-Orte befinden, die bisher nicht gegen Angriffe mit Fahrzeugen gesichert sind, werden wir nicht veröffentlichen. Beunruhigend ist allerdings, dass sie sich laut den Unterlagen des Ingenieurbüros in derselben Risikostufe wie der Opernplatz und die Hauptwache befinden. An diesen Orten bestehe ein „hohes bis sehr hohes Schadenspotential“, heißt es im Erklärungstext.

Bei der zugrundeliegenden Risikoanalyse haben die Sicherheitsexperten danach geschaut, mit welcher Geschwindigkeit und in welcher „Eindringtiefe“ ein potenzieller Terrorfahrer die jeweilige Örtlichkeit ansteuern könnte. Und natürlich, ob sich dort regelmäßig größere Menschenmengen aufhalten. Polizeipräsident Bereswill sagte, dass die beiden bisher ungeschützten Orte nicht so häufig dicht bevölkert seien wie die Brennpunkte in der Innenstadt, an denen bereits Betonsperren stehen. Dennoch sei es wichtig, auch dort etwas zu tun.

Aus dem Büro des Frankfurter Sicherheitsdezernenten hieß es diese Woche: „Wir denken darüber nach, auch diese Örtlichkeiten mit temporären Zufahrtsbarrieren zu schützen.“ Konkrete Pläne gebe es aber noch keine.

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