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17.09.2018, Hessen, Frankfurt/Main: Auf dem VGF Betriebshof Gutleut wird eine Box, die zum Transport von Waren dient, mit einem Hubwagen in eine Tram geschoben. Das Pilotprojekt "Logistiktram" soll dem klimafreundlichen Transport von Waren dienen. Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Transport

Test: Straßenbahn soll in Frankfurt Pakete bringen

Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF präsentiert heute ein Pilotprojekt zur umweltfreundlichen Paketauslieferung via Straßenbahn. Die so genannte „Logistiktram” wird am Vormittag vom

Dort, wo normalerweise die Fahrgäste ein- und aussteigen, versperrt eine große Holzkiste den Weg. Doch Menschen soll die Frankfurter Straßenbahn im typischen türkisblauen Farbton am Montag auch gar nicht transportieren. Obwohl sie wie eine normale Tram aussieht,

Sie war in Frankfurt das erste Mal testweise unterwegs - vom Betriebshof im Gutleutviertel ging es zur Messe. Die Idee dahinter: Pakete sollen künftig per Straßenbahn in die vom Autoverkehr überlastete Frankfurter Innenstadt gebracht werden.

Die Tram wird dabei mit so genannten "Mikrodepots" beladen, Kisten voller Paketsendungen. Die Depots werden dann an Umschlagplätze in der Innenstadt gebracht. Von dort aus legen Fahrradkuriere mit den Kisten die letzten Meter bis an die Haustüren zurück. Das soll die Umwelt und den völlig verstopften Innenstadtverkehr entlasten. So lasse sich eine "nahezu emissionsfreie Citylogistik" realisieren, sagt der Abteilungsleiter Stadtentwicklung der Stadt Frankfurt, Ansgar Roese.

Ganz neu ist die Idee nicht. "Das ist alles ein bisschen retro hier", sagt Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei der Vorstellung des Projekts. "Schon in den 60-er Jahren gab es in Deutschland Güterverkehr per Straßenbahn." Nun sei er erneut nötig, weil der Versandhandel übers Internet boome, aber auch wegen der Umweltsituation in den Innenstädten. Abteilungsleiter Roese sagt, die Kombination aus Tram und Fahrrad sei dem herkömmlichen Transporter in Sachen Energieeffizienz überlegen.

"Vor zehn Jahren war noch kein Markt dafür da, jetzt aber schon" sagt die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Ein Grund ist nicht zuletzt das drohende Dieselfahrverbot in Frankfurt. Auch wirtschaftlich rentabel soll das Verfahren sein.

Die Konkurrenzfähigkeit der "Logistiktram" betont auch Herbert Riemann - und gibt ein ambitioniertes Ziel aus: "Das Verfahren soll zum Systemstandard werden". Der Geschäftsführer von "Riemann Produktdesign" hat zusammen mit Klaus Grund vom Logistikunternehmen "Sachen auf Rädern" das System der Mikrodepots erfunden. Beide haben damit im vergangenen Jahr den "Ideenwettbewerb Klimaschutz" der Stadt Frankfurt gewonnen. Das Preisgeld von rund 30 000 Euro haben sie ausgegeben, um einen Prototypen ihres Fahrradanhängers zu bauen. Das Gestell erinnert an einen High-Tech-Bollerwagen. Per Hydraulik werden die einzelnen Kisten aus dem transportablen Mikrodepot gehoben und an ein E-Bike gekoppelt.

Ein Mikrodepot bringe etwa so viel Lieferleistung wie ein Transporter, berichtet Riemann. Wie viele Depots letztlich in einen Straßenbahnwaggon passten, werde noch erforscht. Für den Herbst ist ein größerer Probebetrieb vorgesehen. Verläuft er gut, könnte das System in Frankfurt bald herkömmliche Transporter ersetzen.

Ob so etwas in anderen hessischen Städten mit Straßenbahnen wie Kassel und Darmstadt auch denkbar wäre? In Darmstadt zeigt sich Silke Rautenberg von der HEAG mobilo GmbH, die das Darmstädter Straßenbahnnetz betreibt, skeptisch. "Die Idee wäre logistisch kaum umsetzbar", sagt sie.

Offen ist auch noch in Frankfurt, wie sich die Logistiktram auf den ohnehin schon überlasteten Pendlerverkehr auswirken wird. Der Gedanke scheint auch die Darmstädter abzuschrecken. "Wir sind jetzt schon an der Kapazitätsgrenze. Wir brauchen alle unsere Fahrzeuge für den normalen Linienbetrieb", sagt Sprecherin Rautenberg.

Selbst wenn dieses Problem gelöst werden kann, kann das Projekt die Luft in Frankfurt oder anderen Städten verbessern? Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik und Luftreinhaltung im Verkehr beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), ist skeptisch. Grund: Die fehlenden Kooperationsbereitschaft der Branche. "In den 90er-Jahren war ja Citylogistik auch ein großes Stichwort. Diese Konzepte sind gescheitert, weil sich die Anbieter nicht auf einen einheitlichen Dienstleister einigen konnten. Da machen alle ihr eigenes Ding." Wenn es sich doch durchsetze, sei das Konzept ein guter erster Schritt - mehr aber nicht. "Wir müssen beim Klimaschutz auch an die Pkw gehen, die immerhin zwei Drittel der Verkehrsemissionen verursachen." Das sieht Riemann ähnlich. "Der Markt kann nicht alles regeln. Die Politik muss auch Emissionsgrenzen setzen." Das Dieselfahrverbot sei ein "toller erster Schritt". Die Frankfurter Logistiktram könnte der nächste sein.

(dpa)

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