Seit der Kindheit zog es ihn zum Theater hin. In Frankfurt hat Willy Praml in den Naxoshallen mit seinem Theater Willy Praml Kulturgeschichte geschrieben. FOTO: enrico sauda
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Seit der Kindheit zog es ihn zum Theater hin. In Frankfurt hat Willy Praml in den Naxoshallen mit seinem Theater Willy Praml Kulturgeschichte geschrieben.

Frankfurter Kulturszene

Theater-Ikone Willy Praml wird 80

  • VonEnrico Sauda
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Er wollte Schauspieler werden. Aber er wurde Regisseur. Nun steht Willy Praml , der heute seinen 80. Geburtstag feiert, doch auf der Bühne. In Tschaikowskis "Schwanensee" unter der Regie von Schauspieler Michael Weber . Mit ihm gründete Praml vor 30 Jahren das Theater Willy Praml. Noch ein Jubiläum. Dass er seinen 80. erlebt, ist ein Glücksfall, denn Praml hat einen Schlaganfall erlitten.

Der habe dazu geführt, "dass ich mir Gedanken mache. Ich werde sozusagen von oben gezwungen zu überlegen, wie es weitergeht", sagt Praml, der sich als linksorientierten Katholiken bezeichnet. "Ein Rückzug geht im Theater überhaupt nicht - es holt einen der Tod auf der Bühne ein. Frei nach dem Motto: ,To play or not to be'."

Ob er je wieder Regie führt? Er wisse nicht, ob er wieder die Kraft aufbringe. "Aber da ich vom Theater nicht lassen kann, bin ich bei den Projekten als Schauspieler dabei." Schon der junge Willy wollte Schauspieler werden, "ich durfte aber nicht. Mein Vater, ein niederbayerischer Metzgermeister, war dagegen". Seine Mutter hingegen hätte ihn gelassen, musste sich aber dem Willen des Vaters fügen. "Da sollte ich wenigstens Pfarrer werden - hat ja auch was mit Theater zu tun", scherzt Praml. Die Mutter schrieb ihn in ein katholisches Kloster-Internat ein. "Da kommt meine Leidenschaft fürs Theater her." Seine zwei Brüder wurden Metzger.

Im Internat wurde er zum "Herrn der Spiele". Doch nicht nur durch den Unterricht. Denn das Internat war in der Nähe Münchens und oft büxte er aus, um in der Landeshauptstadt Theater zu sehen. Das gab's zwar im Internat auch - aber eben Erbauungsstücke mit religiösem Inhalt. "Meine Lieblingsrolle war König Herodes", sagt er lachend. "Ich hab' damals die ganzen Kindermorde gemacht. Du musst Schauspieler werden, haben mir die Lehrer gesagt."

Mit 18 bestand er die Aufnahmeprüfung an der Falckenberg-Schauspielschule. Aber volljährig war man damals erst mit 21. Der Vater verweigerte die Unterschrift. "Ich habe so getan, als würde ich studieren - Germanistik, Geschichte und Geografie." Das Theater ließ ihn aber nicht los. In München hatte er auch das Glück, dem großen österreichischen Schauspieler und Regisseur Fritz Kortner bei der Arbeit zuzuschauen. "Ich war kein Schüler von ihm, sondern Komparse." In den Pausen schaute er bei Kortners Proben zu. Das habe ihn nachhaltig geprägt. "Das war natürlich nicht erlaubt." Praml wurde oft erwischt - und rausgeworfen. Nur aus dem Saal.

Mit 21 packte ihn die Pfadfinderei, er verschrieb sich der Jugendarbeit. Fand so über sie seinen Pfad zum Theater. 1968 legte Willy Praml das Staatsexamen ab. Später wurde er Hausleiter im Jugendhof Dörnberg in Nordhessen, wechselte dann 1971 nach Dietzenbach, wo er mehr als 100 Stücke mit benachteiligten Jugendlichen inszenierte. Viele wurden im früheren "Theater am Turm" (TAT) uraufgeführt. "Ich hätte nach dem Examen zum Theater gehen können, aber mich hat es eher interessiert, Leute, die vom Theater keine Ahnung haben, auf die Bühne zu bringen." So fing er an, mit Bevölkerungsgruppen zu arbeiten, die mit der Bühne nichts am Hut hatten.

"Es ging mir um demokratische Partizipation als Überwindung des faschistischen Erbes." Es ging um die Einstellung der Jugendlichen zu ihrem eigenen Leben. Sozialarbeit sei zwar damit verbunden gewesen, "aber es war hoch künstlerisch. Viele Leute sind daraus hervorgegangen, die im Theater oder beim Film gelandet sind", sagt Praml. "Wir haben kein Polittheater gemacht, sondern prall aus dem Leben der Proletarier."

1991 gründete er mich Michael Weber das Theater Willy Praml, arbeitete dann mit professionellen Schauspielern, fand in den Naxoshallen eine Heimat. "Wir haben alles mit in dieses Theater eingebracht", sagt Praml. Schon im ersten Jahr gab es ein Projekt mit Senioren vom Altersheim in der Nachbarschaft. "Ich bin aufrechter Demokrat und glaube an die Zukunft der Demokratie", antwortet er auf die Frage, warum er diesen Weg einschlug. "Man muss den Leuten, die in der Gesellschaft nichts zu sagen haben, eine Stimme geben, damit sie sich auszudrücken lernen und etwas über sich selber erfahren und so zu glaubwürdigen und starken Vertretern unseres gesellschaftlichen Denkens werden", sagt er und mahnt: "Die Aufgaben werden nicht weniger, sondern mehr."

Gefeiert wird heute unter dem Motto "fünf vor zwölf" mit Weißwurst und vielem anderem, was die bayerische Küche zu bieten hat. Auch um Pramls Eltern zu ehren, die in Landshut das "Bernlochner" betrieben - die Theatergaststätte der Stadt. Der Vater ahnte also, worauf sich sein Sohn einlassen wollte. es

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