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Bild aus besseren Tagen: Schwan auf dem Weiher im Palmengarten. 

Schwäne und Loris verendet

Tiersterben im Palmengarten Frankfurt - Ordnungsamt prüft Fall

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Fünf junge Schwäne und sieben Bergloris, die im Frankfurter Palmengarten zuhause waren, sind tot. Die Loris starben offenbar an einer Vergiftung - das Ordnungsamt prüft den Fall.

Im Frankfurter Palmengarten sind die Vogelstimmen verstummt: Kein krächzender Kakadu mehr im Palmenhaus, keine piependen Bergloris im Tropicarium, auch die Schwäne sind von den Weihern verschwunden. Besucher und Tierschützer sind entsetzt. Direktorin Katja Heubach verspricht, die Ursachen zu prüfen, und kündigt an: Vögel in Volieren wird es in den Pflanzenhäusern nicht mehr geben.

Vor drei Wochen noch waren sie die Stars im Palmengarten. „Kein Zweifel: Die Schwäne sind die Herrscher auf dem Weiher“, hieß es in einer FR-Reportage. Das ist vorbei. Die beiden erwachsenen Schwäne sind jetzt in der Pflegestation des Vereins Wildtierfreunde in Maintal – und ihre fünf Küken allesamt tot. 

„Die Schwäne waren total unterernährt und von Kokzidien befallen“, sagt Sabine Klein, ehrenamtliche Stationsleiterin in Maintal. Die Küken seien schon Anfang Juni an den Parasiten erkrankt, jede Hilfe sei für sie zu spät gekommen. „Ich bin alles andere als begeistert davon.“ 

Kakadus mittlerweile in Maintal 

„Das Wasser in den Weihern ist wahrscheinlich umgekippt“, schätzt Bettina Kramer, Dauergast im Palmengarten und seit Jahren mit dem großen Schwan vertraut. „Der lief mir sogar hinterher – meine Tochter und ich kannten alle Tiere im Palmengarten seit Jahrzehnten, auch die Pfauen früher.“ Die Pfauen gibt es längst nicht mehr, und jetzt fehlen auch die Kakadus im Palmenhaus, die den Besuchern Antwort gaben und bei Ausstellungseröffnungen oft frech dazwischenkrächzten. Die Kakadus Maximilian und Einstein sind in Maintal. „Die bleiben jetzt auch bei mir“, sagt Sabine Klein, „denen geht es hier sehr gut.“

Im Gegensatz zu den bunten Loris, die im Tropicarium für Leben sorgten. Alle sieben seien gestorben – an giftigen Dämpfen, die sie während der Sanierung des großen Pflanzenhauses hätten einatmen müssen. „Sie saßen mitten in den Umbauarbeiten. Wir hatten vorher angeboten, sie hier während der Sanierung aufzunehmen.“ Darauf habe es keine Reaktion gegeben, sagt Klein. Als die Vögel schließlich krank nach Maintal gebracht wurden, hätten auch Inhalation und Antibiotika ihr Leben nicht mehr retten können. Das Frankfurter Ordnungsamt interessiert sich nun für den Fall. 

Loris atmeten wohl giftige Dämpfe ein

Auf den Palmengarten-Weihern sind nur noch Gänse und Enten mit ihren Küken unterwegs. Die Karpfen hängen mit weit aufgerissenen Mäulern an der Wasseroberfläche. „Besser wird das bei den Temperaturen ja nicht“, sagen die Tierfreunde, der Palmengarten müsse etwas für die Wasserqualität tun.

„Das Wasser wird gerade analysiert, biologisch und chemisch“, sagt Palmengartendirektorin Katja Heubach. Zwar sei vor dem Rosen- und Lichterfest Anfang Juni eine Pumpe kurzzeitig ausgefallen und es habe sich eine schleimige sogenannte Kahmhaut auf dem Wasser gebildet. „Mit der Tiergesundheit hat das aber nichts zu tun“, sagt Heubach, selbst Biologin. Gegen die Theorie, dass verseuchtes Wasser die Schwäne krank mache, spreche auch, dass die Gänse und Enten mit ihrer Brut offenbar keine Probleme hätten. Denkbar sei eine genetische Schwäche des Schwanenpaares, die sich auf die Nachkommen vererbe. Schon in früheren Jahren waren Küken gestorben. 

Fachleute vom Zoo befragt 

Die Direktorin sagt, die Fachleute im Frankfurter Zoo seien um eine Interpretation der aktuellen Untersuchungsresultate an den Schwänen gebeten worden. Vom Füttern der ausgemergelten Wasservögel habe man ebenfalls nach Rücksprache mit dem Zoo abgesehen: Es gebe im Palmengarten genug zu fressen – siehe Gänse und Enten, die keinerlei Symptome zeigten.

„Als wir sahen, dass die Schwäne stark abgemagert sind, haben wir alle Tiere auf den Prüfstand gestellt“, sagt Heubach. Dabei habe sich herausgestellt, dass auch die Kakadus eine Infektion hatten. „Sie sind jetzt in der Wildtierstation viel besser untergebracht“, sagt sie, „da gibt es auch Artgenossen.“ Vom Leiden der Loris hingegen habe sie nichts gewusst, sondern erst durch die FR davon erfahren. Näheres dazu will sie nun in Erfahrung bringen. „Generell wollen wir aber keine Vögel mehr in den Schauhäusern halten, wegen der Infektionsgefahr. Heubach verhehlt nicht, dass sie persönlich überhaupt keine Vögel in Käfige gesperrt sehen möchte. „Aber das war nicht der ausschlaggebende Punkt für unsere Entscheidung. Der Tierschutz war der erste Aspekt.“

Der soll auch beim geplanten Schmetterlingshaus gewährleistet sein. Bevor es voraussichtlich 2021 in Betrieb gehen werde, seien Testläufe mit Blick aufs Tierwohl fest vorgesehen.

Parasiten

Die Kokzidien, an denen die kleinen Schwäne starben, sind eine Parasitenart. Sie greifen die Darmflora an und sind auch für Menschen ansteckend. Das Hessische Landeslabor untersuchte eines der toten Küken und bescheinigte per Mitteilung ans Veterinäramt des Main-Taunus-Kreises eine Infektion mit Umweltkeimen und Parasitenbefall, wie die Kreispressestelle bestätigte. Was zuerst war, die Abmagerung der Schwäne oder die Parasiten, wird noch untersucht.

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