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Tierheimleiterin Sabine Urbainsky mit einem ihrer Schützlinge. Silvester ist für sie die Hölle.

Silvesterböllerei

Warum der Jahreswechsel für Hunde und Katzen die Hölle ist

Silvester wird wieder aus allen Lagen geschossen. Unabhängig von der Frage, wie umweltschädlich die Ballerei ist, warnen auch Tierschutzverbände vor den Folgen. Redakteur Thomas Stillbauer hat sich mit Sabine Urbainsky, der Leiterin des Frankfurter Tierheims, über den wohl schlimmsten Abend für ihre Schützlinge unterhalten.

Sind Sie an Silvester im Tierheim?

SABINE URBAINSKY: Bis mittags. Aber unser Hausmeister ist 24 Stunden vor Ort und guckt dann nach den Tieren.

Wird viel geballert in Fechenheim?

URBAINSKY: Leider ja. Auf der Carl-Ulrich-Brücke ist ein beliebter Ort dafür.

Was tun Sie, um es den Tieren erträglich zu machen?

URBAINSKY: Wir geben ihnen Rückzugsorte. Die besonders Ängstlichen versuchen wir mit homöopathischen Mitteln zu beruhigen – und dann kann man nur hoffen, dass alles gut um die Ecke geht.

Wie erleben Tiere den Krach?

URBAINSKY: Die haben Angst, ganz klar. Die verstehen das ja nicht – da geht plötzlich von einer Sekunde auf die nächste die Hölle los. Das ist extrem laut. Die Tiere wissen nicht, was los ist.

Gibt es da Unterschiede von Tierart zu Tierart?

URBAINSKY: Ich glaube, ja. Auch von Hund zu Hund. Manche nehmen das gelassen, aber ich hatte auch schon einen, der ist immer panischer geworden, je älter er wurde. Da ist dann auch nichts mehr mit Training zu machen. Kleintiere sind Fluchttiere, für die ist das die Hölle, wenn auf einmal ein Riesenlärm losgeht. Die ziehen sich zurück. Katzen verschwinden unter die Betten, im Tierheim natürlich in ihre Höhlen. Die Tierpfleger schaffen ihnen zusätzliche Verstecke. Dort warten sie darauf, dass es vorbeigeht.

Suchen die Tiere auch Schutz in der Nähe des Menschen?

URBAINSKY: Bei den Hunden mache ich schon die Erfahrung. Meine Katzen daheim ziehen sich lieber unter die Betten zurück.

Wie lange braucht ein Tier, um sich von Silvester zu erholen?

URBAINSKY: Es kann ewig geschädigt bleiben. Man merkt es daran, dass manche Tiere nach so einer Erfahrung immer bei Gewitter nervös werden und Angst haben. Es wird gelegentlich geraten, das Verhalten in solchen Situationen zu trainieren. Aber das ist extrem schwierig. Diese Angst ist keine Sache, die man mal eben wegtrainiert.

Wie kann ich dem Tier helfen?

URBAINSKY: Rückzugsräume schaffen. Wenn der Hund Schutz sucht, soll man ihm den geben. Nicht wegschicken und sagen: Da muss er jetzt durch. Das lässt sich leicht reflektieren: Wenn ich selbst panische Angst habe, bin ich auch froh, dass mir jemand Halt gibt.

Wann soll man am besten Gassi gehen an Silvester?

URBAINSKY: Ich empfehle, so früh wie möglich das letzte Mal zu gehen. Ich selbst gehe vor dem Dunkelwerden mit meinen Hunden raus und habe sie an der Leine. Es gibt halt viele Leute, die schon früh in der Gegend herumballern. Deshalb, auch wenn man sich sicher fühlt und sagt, eigentlich hat mein Tier keine Angst: Lieber nicht von der Leine lassen. Wenn man auf einen doofen Menschen trifft, der einem Böller zwischen die Füße wirft, kann das nervenstärkste Tier Angst bekommen und weglaufen.

Was halten Sie von der Böllerei?

URBAINSKY: Ich finde den Ansatz richtig, dass man Orte definiert und sagt: Da können sie böllern, da können sie schießen. Dass nicht jeder wie wild in der Gegend rumböllert, sondern dass man Orte schafft, an denen man feiert, und der Rest bleibt ruhig. Das wäre auch für die Menschen selber das Beste.

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