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Eng eingepfercht und teilweise übereinander saßen die Tiere in einer kleinen Sporttasche.

Hintergrund ist unklar

Tierquälerei: Tasche mit zehn Brieftauben darin gefunden

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Tauben als Geldanlage gibt es durchaus - und das kann Kriminelle anlocken. Zehn Brieftauben fanden Passanten in einer Sporttasche in Frankfurts Innenstadt, nun sind die Tiere in Fechenheim. Und die Polizei ermittelt wegen Tierquälerei und Diebstahl.

Frankfurt - Die zehn Brieftauben sitzen hinten in der großen Voliere, etwas abseits von den anderen Vögeln, die Anne und Werner Weischedel in dem früheren Gewächshaus pflegen und aufpäppeln. Mit geübtem Griff fängt Werner Weischedel eines der Tiere, legt beruhigend die Hände um die Flügel und hält es fest. Dann zeigt er den rechten Flügel, der etwa in der Mitte gestutzt wurde. „Zu zehnt saßen die Tiere in einer kleinen Reisetasche, als sie in der Frankfurter Innenstadt bei der Polizei abgegeben wurden. Das ist Tierquälerei“, ärgert er sich. Das wäre so, als würde man einen Menschen in eine Zwangsjacke stecken.

Gepflegt und gut genährt

Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei verletzte oder verstörte Tauben bei Weischedel abgibt. „Die Beamten wissen: Bei mir haben es die Tiere gut.“ Nicht nur Tauben bringen die Beamten, im vergangenen, heißen Sommer gaben Autobahnpolizisten mehrfach Raubvögel ab, die kurz vor dem Verhungern waren. Weischedel päppelte sie wieder auf und entließ sie in die Freiheit.

Die zehn Tauben bleiben in Fechenheim, bis ihre Besitzer gefunden sind, sagt Polizeisprecherin Chantal Emch. Es bestehe der Verdacht auf Tierquälerei und Diebstahl. Gut gepflegt seien die Tiere und wohlgenährt, sagt Weischedel. Ein Veterinär hat das bestätigt und die Nummern der Ringe notiert.

Weischedel vermutet Tauben-Diebe hinter dem Fall, denn schnelle Brieftauben seien wertvoll. Seit Herbst 2018 gebe es vermehrt Tauben-Diebstähle in Frankfurt, habe er von einem befreundeten Züchter erfahren. Mehrere Tausend Euro seien erfolgreiche Tauben wert. Und die kopierten Flügel wachsen innerhalb eines halben Jahres nach.

Spitzenpreise in Belgien

Ob die Tiere wertvoll sind, sei auch Gegenstand der noch laufenden Ermittlungen, sagt Emch. Die zuständigen Kollegen sagten, Tauben-Diebstähle seien ihnen bislang noch nicht untergekommen. Dazu, ob es sich um einen Diebstahl handelt, will sich der erfahrene Züchter Hans Löbens (76) aus Harheim nicht äußern. „Das zu ermitteln, obliegt der Polizei.“ In Deutschland lägen Spitzenpreise für Brieftauben bei 3000, vielleicht auch mal 4000 Euro, sagt Löbens. In anderen Ländern ist das anders: In Belgien, dem Mutterland der Brieftaubenzucht, verkaufte Züchter Gino Clicque seine Taube „Golden Prince“ für 360 000 Euro, Leo Heremanns bekam für „Bolt“ 310 000 Euro. Die Käufer solch teurer Tiere kommen meist aus China oder Südafrika.

Löbens glaubt eher an andere, möglicherweise dennoch kriminelle Zusammenhänge. „In Osteuropa wird viel Geld für schnelle Tauben bezahlt.“ Vielleicht habe ja ein Händler die Tasche einfach vergessen. Die Besitzer ausfindig zu machen, sei einfach, denn die zehn Tauben seien beringt. „Jeder Verein hat eine eigene Nummer.“

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