Starten in eine Rumpfsaison: Robert Mangold, Geschäftsführer, sowie die beiden Direktoren Margareta Dillinger und Johnny Klinke (v.l.). Hinten zu sehen sind die Künstler: das Duo Giurintano. FOTO: enrico sauda
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Starten in eine Rumpfsaison: Robert Mangold, Geschäftsführer, sowie die beiden Direktoren Margareta Dillinger und Johnny Klinke (v.l.). Hinten zu sehen sind die Künstler: das Duo Giurintano.

Varieté

Tigerpalast startet in turbulente 33. Spielzeit

  • VonEnrico Sauda
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Es gibt 33 Plätze weniger und die Preise werden leicht erhöht

Es gibt 33 Plätze weniger und die Preise werden leicht erhöht. Für Tigerpalast-Macher Johnny Klinke dürfte das wohl mit zum schlimmsten Tribut zählen, zu dem die vergangenen 19 Monate ihn zwangen: Die legendäre Regierungsbank ist weg. Dort saßen sie, die bekannten und unbekannteren Politiker. Und Klinke nahm sie sich am Eröffnungsabend der Saison von der Bühne aus so richtig zur Brust. Der Tiger biss zu. Wenn auch nicht mehr so fest in den vergangenen Jahren.

Und so startet das Varieté-Theater Tigerpalast nun "abgespeckt" in seine 33. Spielzeit. Im Alter von 33 machte sich Frodo, der Held der Saga "Herr der Ringe", auf seinen langen beschwerlichen Weg. So steinig wird der, den die drei "Freunde" Margareta Dillinger , Johnny Klinke und Robert Mangold gehen müssen, wohl nicht. Aber das "Tigerpalast"-Trio startet in eine Rumpfsaison - eine Halb- bis Dreiviertelspielzeit vom 29. Oktober bis zum 2. April. "Der erste Abend beginnt mit einem freien Verkauf, wir haben keine Premiere", betont Mangold. "Die erste Show wird Johnny Klinke mit Joan Faulkner machen", kündigt Margareta Dillinger an.

Dass sie überhaupt wieder spielen dürften, sei nur möglich, weil in den zurückliegenden Monaten alles auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden sei. Und weil der "Tigerpalast" unter allen Auflagen zur Hygiene und zur Vermeidung von Warteschlangen betrieben werde. "Der Stein, der mir vom Herzen fällt, ist gar nicht mehr so groß", sagt Mangold. "Wir haben doch auf diese Situation hingearbeitet", fügt er hinzu. Wahrlich glücklich würden wohl alle drei erst sein, "wenn's wieder richtig losgeht und das Haus voll ist".

Doch erstmal ist die gute Nachricht, dass nach einer 19-monatigen "Zwangspause" der Tigerpalast samt seinen internationalen Artisten und dem Varieté-Orchester zurückkehrt. Und zwar nicht an einen Gastspielort, sondern an seinen angestammten Spielort in der Heiligkreuzgasse. Vergangenes Jahr gab es den Versuch, das Programm im Palmengarten Gesellschaftshaus vorzuführen. Doch das scheiterte an Corona. "Uns wurde geholfen, so wie unserer gesamten Branche, doch dann kam der erneute Lockdown und wir waren uns nicht sicher wie es weitergehen sollte", erinnert sich Mangold. Weil sie genügend Hilfen bekamen, machten sie sich an den Umbau. "Jetzt hat jeder seinen eigenen Tisch und die vorgegebenen Abständen werden eingehalten", sagte Mangold weiter, der auch auf die leistungsstarke Klimaanlage hinwies. "Leistungsstark sind auch wir", betonte er, obwohl das Haus nun 30 Prozent weniger Plätze hat - jetzt 132.

Auch der Stern, den das Restaurant hatte, fiel der Pandemie zum Opfer. "Klar, wir waren ein Jahr lang nicht geöffnet", kommentiert Robert Mangold das. Die vierte Welle droht und genau in dieser Zeit wagen Dillinger, Klinke und Mangold die Wiedereröffnung. Ganz schön riskant. "Wir glauben, dass wir eine Chance haben", unterstreicht Mangold. "Ganz am Anfang, als es ganz eng war und wir nicht wussten, wohin es ging, haben wir den Künstlern die Hälfte ihrer Gage gegeben." Darauf wies Johnny Klinke hin, "denn das, was die Artisten und Musiker uns in den vergangenen 30 Jahren gegeben haben und was sie geleistet haben" - das müsse in der Not auch vergolten werden. Alle, die im "Tigerpalast" arbeiten wüssten, "dass wir alle von der Bühne und von den Künstlern leben. Und deshalb soll bis zum letzten Tag alles dafür getan werden, dass die Künstler sich wohlfühlen, dass alles für sie getan wird und dass sie wissen, dass es um sie geht", betont Dillinger.

"Wir konnten das, weil wir Unterstützung bekommen haben - außerdem gehört das Teilen in der Artistenszene dazu", fügt Margareta Dillinger hinzu. Vom Staat, aber auch vom Vermieter erhielten sie Hilfe. Der erließ ihnen 60 Prozent der Miete. "Das ist entscheidend", stellt Johnny Klinke klar. Nicht zuletzt deshalb war es den Künstlern möglich in den vergangenen 19 Monaten der Krise im "Tigerpalast" zu trainieren, "denn ein Artist, der nicht üben kann, der verliert seine Arbeit und damit den Inhalt seines Lebens", sagte Dillinger. Ihnen dabei zuschauen zu können, "das hat mich aufrecht erhalten. Mit den Künstlern und der Kunst zu leben, das ist mein Lebenselixier".

Im kommenden Jahr möchten Dillinger, Klinke und Mangold wieder durchstarten, "dann hoffentlich unter besseren Bedingungen". es

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