1 von 20
Theodor Wiesengrund Adorno
2 von 20
3 von 20
4 von 20
5 von 20
6 von 20
7 von 20
8 von 20

Bekannte Frankfurter 

So hätten sich berühmte Frankfurter bei Tinder präsentiert

  • schließen

„Erkenne dich im Anderen“, heißt es. Doch bei den großen Denkern der Geschichte, den berühmten Dichterinnen oder den grausamsten Schlächtern fällt das reichlich schwer. Wie lernten wir sie also kennen, wenn wir sie heute bei Tinder träfen? Wir haben uns in zehn Biografien eingegraben und berühmte Frankfurter aus der Geschichte herausgezogen, um sie hinein in unser Internet-Zeitalter zusetzen.



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Ja, Goethe hat nichts anbrennen lassen und wäre heute sicher ein Star auf Instagram. Doch bevor er bekannt wurde, war Johann schon in Gretchen verliebt. Sie ist die Gehilfin einer Putzfrau, er 1763 gerade mal 14 Jahre alt. Er traf Gretchen heimlich, weil sie zur nicht zur gehobenen Gesellschaft gehörte. „Es war der erste bleibende Eindruck“, wird er später schreiben, „den ein Weibliches Wesen auf mich gemacht hatte.“ In einer Nacht mit ihr war es soweit: Gretchen küsse ihn auf die Stirn. Aber am nächsten Tag muss sie wegen krummer Machenschaften ihrer Clique die Stadt verlassen. Anordnung der Polizei! Der junge Johann wird erst nur verhört und dann krank vor Liebeskummer. Er wird aber bald erfahren, was sie der Polizei erzählt: „Dem Goethe bin ich nur schwesterlich zugetan.“ Das wäre heute wohl das Ende einer Facebook-Freundschaft gewesen. 


Vinzenz Fettmilch (Zwischen 1565 und 1570 - 1616)

Vinzenz Fettmilch wäre heute auf Facebook und die Öffentlichkeit stritt darüber, dass das Soziale Netzwerk seine Kommentare nicht löscht. Zwischen 1565 und 1570 ist er ein herrischer Typ und Frankfurts erster Wutbürger. Sein Rezept ist eine Mischung aus teils berechtigten Korruptionsvorwürfen, garniert mit hässlichsten anti-jüdischen Parolen. Seine Triebfedern: Gier, Machthunger, Neid. 1614 führt seine Hetze zu „Fettmilch-Aufstand“. Bei diesem Pogrom stürmen Fettmilch und seine Anhänger die Frankfurter Judengasse. Sie plündern die Wohnungen der jüdischen Frankfurter und vertreiben sie aus der Stadt. Kaiser Matthias greift ein, Soldaten nehmen Fettmilch fest. Im Februar 1616 wird er in strömenden Regen hingerichtet und gevierteilt. 



Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)

Die Banalität, mit der bei Tinder Partner gewählt oder weggewischt werden, hätte Friedrich Hölderlins romantische Gefühle zu tiefst verletzt. Wenn er sich verliebte, dann mit ewigen Treueschwüren. In den 1790er Jahren kommt er als Hauslehrer nach Frankfurt zur Familie Gontard. Friedrich und Susette, die Frau des Hauses, verlieben sich. (Der Ehemann ist selten da.) Sie wird Friedrichs Muse und er fortgejagt. Dennoch pflegen die beiden in Briefen zwei Jahre eine heimliche Liebe. Durch die Zeile eines Freundes: „Der edle Gegenstand deiner Liebe ist nicht mehr, aber er war doch dein“, erfährt Friedrich vom Tod seiner 33-jährigen Susette. Der nervliche Zusammenbruch bringt ihn schließlich in die Tübinger Nervenklinik, wo er über 30 Jahren bleibt und stirbt. Prädikat: „Definitiv nicht Tinder tauglich“.



Bettina von Arnim (1785 - 1859)

Bei Twitter hätte Bettina von Arnim schon mehrere Hashtags ins Leben gerufen und so Debatten angestoßen. Lebensmittelpunkt wäre Berlin. War er auch bei der echten als Brentano im Jahr 1785 geboren Bettina. Sie pflegte Brieffreundschaften mit intellektuellen Größen, wie Goethe oder den Gebrüdern Grimm. Nach dem Tod ihres Mannes Achim 1831 wird sie eine virulenten Schriftstellerin und schreibt in Briefromanen über das Elend der Armen und streitet für die Demokratie.



Clemens Brentano (1778 - 1842)

Der Dichter Clemens Brentano, geboren 1778, hatte in Sachen Liebe kein so glückliches Händchen. Seine erste Ehefrau Sophie Mereau starb, als er 28 Jahre alt war. Die zweite Ehe mit Auguste Bußmann war eine einzige Katastrophe. Drei Wochen nach dem Eheschluss 1807 begannen die schlimmsten Streitereien. Nach sieben Monate versuchte sich Auguste erstmals das Leben zunehmen. Immer wieder trennten sich die beiden. Getrennt voneinander schrieben sie sich dann schmachtende Liebesbriefe, fanden wieder zusammen und der Krach begann erneut. (Mancher wird es kennen.) Noch vor der Scheidung 1814 schrieb Clemens in einem Hassgedicht über Auguste: „Von Zucht und Wahrheit leer,/ Von Schand‘ und Lügen schwer,/ Ein schmutziges Kissen aller eklen Lüste.“



Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)

Arthur Schopenhauer hätte im 21. Jahrhundert Youtube auf ein neues Niveau gehoben. Seine Hasstiraden wären unterhaltsamer und seine Analysen erhellender gewesen, als alles, was heute so durchs Netz schwirrt. Allerdings hätte der Erfolg, der dem 1788 geborenen Philosophen verwehrt blieb, Arthur wohl auch weich gemacht. Aus seiner tiefen Verachtung für die Menschen wäre dann keine Moral-Philosophie entstanden, die letztlich zur empathischen Menschenliebe ermahnt. Vielleicht hätte er eine Frau gefunden, die ihn liebt. Und vielleicht hätte er in Liebesgefühlen dann mehr als nur eine Form des Sexualtriebs gesehen. Glücklicher hätte es ihn wohl gemacht. Den Rest der Welt aber armer.



Friedrich Stoltze (1816 -1891)

Friedrich Stoltze hätte Tinder geliebt und als junger Mann wohl exzessiv genutzt. In seiner ausgeprägten Lust aufs Knutschen schlich sich Clemens, geboren 1778, einmal bei einer Hochzeit ein, um der Braut einen saftigen Kuss aufzudrücken zu können. Ab 1849 ist mit sowas Schluss. Mit der Katholikin Anna Marie Messzahl heiratet der Lutheraner die Liebe seines Lebens. Die Hochzeit ist ein Skandal, es ist die erste konfessionsübergreifende Ehe in Frankfurt. Doch sie geht mit ihm ins Exil oder verdient den Unterhalt, wenn er Schreibverbot hat. Nach Maries Tod 1884 schreibt Friedrich über sie: „Und war mir auch Gold nicht beschieden im Leben,/ Ich war ja zufrieden in meinem Verbleib;/ Es hatte der Himmel mir Lieder gegeben,/ Ein Herz meiner Seele: Marie, mein Weib.“



Karl Hopf (1863 - 1914)

Seinen Wikipedia-Artikel hätte Karl Hopf selbst geschrieben und dort seine naturwissenschaftlichen Blogs verlinkt. Im 19. Jahrhundert war seine Bühne stattdessen das Varieté. Die Frankfurter bewunderten die Schwertkunst des 1863 geborenen Karls. An Geld fehlt es ihm trotzdem. Darum vergiftet Karl seine Kinder meist bald nach der Geburt. Seine Opfer sind auch seine Eltern und eine Ehefrau. Seine letzte Gattin wird misstrauisch, als sie nach einem Tee erkrankt. Ins Krankenhaus bringt Karl ihr Blumen, darauf finden Gerichtsmediziner Typhus-Bazillen. Damit wird er überführt und am 23. März 1914 hingerichtet.



Bertha Pappenheim (1859 - 1936)

Bertha Pappenheim hätte sich um Soziale Medien nicht gekümmert und nur sachliche Vereinsseiten betrieben. Die 1859 in Wien geborene Bertha ist heute eher wegen ihrer Halluzinationen und Angstzustände in jungen Jahren bekannt. Die beschrieb Sigmund Freud in seinen Hysterie-Arbeiten. (Er nannte sie „Anna O.“.) Ab 1888 startet sie in Frankfurt neu und durch. Sie übersetzte emanzipatorische Schriften und verfasste selbst welche. Sie gründete mehrere Vereine. Darunter etwa der Jüdischen Frauenbund oder der Verein „Weibliche Fürsorge“, der erste von Frauen gegründete Verein in Deutschland überhaupt. Unter ihrer Leitung entstanden daraus fortschrittliche Kindergärten oder Wohnheime für uneheliche Mütter. #Danke_dafür!



Theodor Wiesengrund Adorno (1903 - 1969)

Soziale Medien hätte Theodor Wiesengrund Adorno anfangs geliebt und sich dann resigniert abgewandt. Dating-Plattformen hätten allenfalls für einen kurzen Moment der Verzweiflung bei ihm eine Chance gehabt: Damals 1969. Arlette Pielmann hatte gerade die Affäre mit ihm beendet. Sie ist Schauspielerin, Modell, 34 Jahre jünger als der Philosoph und arm. Mit ihre Tochter muss sie in der kleinen Wohnung mit ihrem Ex-Mann wohnen. Theodor unterstützte sie zwar gelegentlich. Doch: Er will Liebe nicht als Tauschbeziehungen sehen (Ihre Schönheit gegen sein Geld). Ein Jahre langes auf und ab, dann trennt sie sich. Einer Freundin schreibt der 65 Jahre alten Theodor: „Ich fühle mich bin ins Innerste getroffen. Mit dem Gefühl des Alterns hängt das auch zusammen. Zumute ist mir, als ob mein unmittelbares Leben zu Ende wäre.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare