Im Februar erinnern Blumen an die beiden Opfer, die an dieser Stelle in der Mörfelder Landstraße vom Auto eines Rasers erfasst und getötet worden waren.
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Im Februar erinnern Blumen an die beiden Opfer, die an dieser Stelle in der Mörfelder Landstraße vom Auto eines Rasers erfasst und getötet worden waren.

Unfall

Todes-Raser von Sachsenhausen kommt in Psychiatrie

  • VonMatthias Gerhart
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Als er zwei Menschen überfuhr, handelte ein 39-Jähriger in Frankfurt im Wahn. Das hat das Landgericht geurteilt.

Frankfurt -Erwartungsgemäß ist der 39 Jahre alte Autofahrer aus Darmstadt nach dem schweren Verkehrsunfall auf der Mörfelder Landstraße gestern vom Landgericht dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht worden.

Der Mann, der am 13. Februar dieses Jahres mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern pro Stunde auf einen Fußgängerüberweg gerast und dort zwei Passanten - zwei jüngere Männer - erfasst und getötet hatte, sei aufgrund einer schizophrenen Erkrankung schuldunfähig und deshalb strafrechtlich nicht zur Verantwortung zu ziehen, sagte Vorsitzender Richter Urs Böcher.

In der gut halbstündigen Urteilsbegründung erinnerte der Richter daran, dass es an jenem Februarnachmittag weit mehr Opfer gegeben habe als die beiden Toten. Eine Frau, die in der Nähe unterwegs war, entkam nur um Haaresbreite einem ähnlichen Schicksal.

Zeugen leiden unter schweren Traumata

Mehrere Zeugen des schrecklichen Geschehens hatten dem Gericht von massiven psychischen Problemen berichtet, von denen sie seither geplagt würden. Einer von ihnen träumt regelmäßig davon - vom Aufprall und durch die Luft geschleuderten Menschen, schließlich auch von dem Unfallfahrer, der einige Meter weiter aus dem auf dem Dach liegen gebliebenen Auto krabbelte.

"Es hätte jeden treffen können"

Mit vier Verhandlungstagen hielt sich der Prozess zwar in einem für die Verhältnisse der Schwurgerichtskammer recht überschaubaren zeitlichen Rahmen. Gleichwohl ragte er durch die besondere Thematik und die damit zusammenhängenden Emotionen aus den üblichen Prozessen deutlich heraus. "Es waren zehn bis 15 Leute an dem Überweg. Es hätte jeden von uns auch treffen können", hatte einer der Zeugen gesagt.

Richter und Staatsanwaltschaft aber hatten sich in dem Verfahren vor allem um die Person des Beschuldigten zu kümmern - so will es das deutsche Strafrecht, das ein "Schuld-Strafrecht" ist. Schon kurz nach dem Unfall gab es deutliche Anzeichen für eine psychische Störung, die zu einer Einweisung in eine Darmstädter Nervenklinik führten und später in die Psychiatrie nach Haina. Der Mann sprach von sich als "Jesus" und von "Maria Magdalena" in der Person einer ominösen, im Internet kennengelernten Freundin namens "Jessica". Gemeinsam sollte es nach Norwegen gehen, per Schnellfahrt, so wie es die inneren Stimmen befohlen hatten. In dem Verfahren freilich war von solcher Irrlichterei kaum etwas zu spüren. Der Mann saß in stoischer Ruhe neben seinem Verteidiger - er wurde zuvor in der Klinik entsprechend medikamentös eingestellt.

Mehrere Jahre Therapie vorgesehen

Der psychiatrische Sachverständige hatte sich eindringlich für die Unterbringung des Mannes in der Klinik ausgesprochen. Die Medikation habe bisher gut angeschlagen, der Patient sei krankheitseinsichtig und arbeite bei der Behandlung gut mit.

Für den Vorsitzenden Richter Urs Böcher war dies ein Grund für den Hinweis, das Urteil vielleicht schnell rechtskräftig werden zu lassen. Nur dann nämlich könne die Therapie des Mannes gut weitergeführt und möglicherweise bereits nach drei bis vier Jahren erfolgreich abgeschlossen werden. (Matthias Gerhart)

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