Erreger Acinetobacter baumanii

Todeskeim bedroht auch Frankfurter Krankhäuser

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In einer Kieler Klinik sind nach Infektionen mit dem multiresistenten Erreger Acinetobacter baumanii jüngst zwölf Menschen gestorben. In Frankfurter Krankenhäusern ist der gefährliche Keim allein im vergangenen Jahr 45 Mal festgestellt worden.

Kiel ist gar nicht so weit weg. Zumindest nicht, wenn es um den aggressiven Darmkeim Acinetobacter baumanii geht. Allein im vergangenen Jahr wurde der multiresistente Erreger in Frankfurt 45 Mal festgestellt, im Vorjahr sogar 56 Mal. Eine Infektion lag bei etwa jedem fünften Keimträger vor.

Solange sich das Bakterium nur im Darm tummelt, ist es ungefährlich. Betroffene wissen meist gar nicht, dass sie es in sich tragen. Gelangt der Erreger allerdings in eine Wunde oder in die Blutbahn, verläuft diese Infektion oft tödlich. Gegen die aggressivste Form des Acinetobacter baumanii ist kein Kraut gewachsen. Das Bakterium hat sich derart verändert, dass kein Antibiotikum mehr dagegen wirkt. „Das ist eine Riesenbedrohung“, sagt Prof. Ursel Heudorf, Expertin für multiresistente Keime beim Gesundheitsamt. Was den Baumanii besonders heimtückisch macht: Er ist äußerst widerstandsfähig. Auf trockenen Oberflächen kann er wochen- und monatelang überleben – und sich unbemerkt weiter verbreiten. „Dann kann man nicht mal mehr nachvollziehen, woher der Keim kommt“, weiß Prof. Heudorf.

Zu Ausbrüchen wie jüngst in Kiel kam es in der Mainmetropole seit 2007 nicht mehr. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt“, sagt die Expertin. Die Krankenhaushygieniker in Frankfurt seien für das Thema sensibilisiert und würden den Keim sehr ernst nehmen. Ohnehin kam es hier bislang nur zu kleineren Ausbrüchen: 2006 und 2007 infizierten sich jeweils drei bis sechs Patienten mit dem Erreger. In Kiel waren es seit Mitte Dezember 31 Patienten, zwölf von ihnen starben.

Kommt es zu solchen Ausbrüchen, sei der Keim nur mit intensiven Hygienemaßnahmen in den Griff zu bekommen, sagt Prof. Heudorf. Für betroffene Stationen müsse umgehend ein Aufnahmestopp verhängt sowie Patienten und Pflegepersonal auf den Erreger getestet werden. Außerdem müsse die Umgebung gründlich untersucht und desinfiziert werden. Bei einem Ausbruch 2006 in einer Frankfurter Klinik etwa wurde der Keim auf einem Telefonhörer im Vorraum eines Patientenzimmers gefunden.

Wie weit verbreitet das Bakterium hierzulande tatsächlich ist, weiß niemand so genau. Hessen ist das einzige Bundesland, in dem es seit 2011 eine Meldepflicht für multiresistente Erreger gibt. Prof. Heudorf geht davon aus, dass „deutlich weniger als ein Promille“ der Deutschen den Erreger in sich tragen. Die Zahl der Meldungen kann darüber kaum Aufschluss geben – sie hängt auch davon ab, wie häufig Mediziner nach dem Bakterium suchen. In einer Datenbank des Robert-Koch-Instituts sind rund

200 Ausbrüche

des Keims in Deutschland dokumentiert.

Häufig ist der Baumanii ein „Urlaubsmitbringsel“ aus Ländern wie Ägypten, Indien, Thailand, aus der Ukraine oder dem Nahen Osten. Vor allem von Patienten, die im Ausland im Krankenhaus behandelt wurden, wird er eingeschleppt. So wie bei dem Ausbruch 2007, als ein Patient von einer ägyptischen Intensivstation in eine Frankfurter Klinik eingeliefert wurde und sich im Anschluss fünf weitere Patienten infizierten.

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