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Frankfurter Ortsbeirat fordert Toiletten und Duschen fürs Bahnhofsviertel

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Von: Boris Schlepper

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In der Frankfurter Moselstraße gibt es bereits ein Urinal. Der Ortsbeirat fordert, dass Container mit Duschen und Toiletten im Bahnhofsviertel aufgestellt werden.
In der Frankfurter Moselstraße gibt es bereits ein Urinal. Der Ortsbeirat fordert, dass Container mit Duschen und Toiletten im Bahnhofsviertel aufgestellt werden. © peter-juelich.com

Der Ortsbeirat 1 will die Situation für Passant:innen und Hilfsbedürftige im Frankfurter Bahnhofsviertel verbessern - etwa durch Sanitärcontainer.

Frankfurt - Der Ortsbeirat 1 will gegen Essensreste, Müll und Fäkalien auf den Straßen im Frankfurter Bahnhofsviertel vorgehen. In seiner jüngsten Sitzung hat das für den Stadtteil zuständige Gremium gleich vier Anträge der CDU auf den Weg gebracht – vor allem, um dafür zu sorgen, dass das Quartier sauberer und attraktiver wird. Auch für Bedürftige soll die Lage verbessert werden.

So soll der Magistrat nach dem Willen des Ortsbeirats im Bahnhofsviertel ausreichend Toiletten zur Verfügung stellen. Dazu soll auf dem Karlsplatz oder der näheren Umgebung ein Container mit mehreren Kabinen platziert werden, der mindestens bis 22 Uhr zugänglich sein müsse. Personal soll täglich für die Sicherheit und Sauberkeit der sanitären Anlage sorgen. Der Container soll so lange bleiben, bis die Stadt das Toilettenkonzept für das Bahnhofsviertel umsetzt.

Frankfurt: Seit Monaten große Probleme mit Fäkalien im Bahnhofsviertel

Seit Monaten gebe es große Probleme mit Fäkalien im Stadtteil, beschreibt Antragsteller und Ortsvorsteher Michael Weber die Situation: „Es stinkt zum Himmel.“ Menschen verrichteten „ihr kleines und großes Geschäft“ am Straßenrand zwischen Autos, in Hauseingängen und an Litfaßsäulen. Für die Bewohner:innen des Quartiers und die Besucher:innen stelle dies eine enorme Belastung dar und löse Ekel aus. Und für die Menschen, die ihre Notdurft verrichten müssten, seien es „menschenunwürdige Zustände“. Da das Toilettenkonzept weiter nicht umgesetzt werde, könne ein Container „kurzfristig und schnell“ für Abhilfe sorgen.

Möglichst zeitnah soll die Stadt zudem Duschcontainer aufstellen, fordert der Ortsbeirat. Dies könne auch durch eine Kooperation mit vorhandenen Trägern im Bahnhofsviertel erfolgen – bis das Hygienecenter der Bahnhofsmission im Hauptbahnhof fertiggestellt ist oder andere Einrichtungen mit Duschen und Waschplätzen geschaffen werden. Zwar böten einige Einrichtungen bereits Waschmöglichkeiten an, heißt es in der Begründung. Doch seien es zu wenige, sodass Menschen zum Teil die Trinksäulen am Kaisersack und am Francois-Mitterrand-Platz „für die Körperpflege, zum Auswaschen der Wunden oder zum Waschen der Kleidung“ nutzten. Das sei weder für Passant:innen ein „ansehnliches Bild“, noch ein würdiger Zustand für die Bedürftigen, sagt Weber.

Essensausgabe im Frankfurter Bahnhofsviertel erhöht Müllaufkommen

In einer weiteren Vorlage fordert der Ortsbeirat, dass die Verwaltung Kontakt zu den Organisationen aufnimmt, die kostenlos Essen und Getränke im Bahnhofsviertel ausgeben. 30 bis 40 Gruppen aus ganz Hessen seien dort unterwegs, sagt Michael Weber. Nicht allen sei bewusst, dass ihre Aktion Probleme mit sich brächten. Denn auf diese Weise würden im gesamten Viertel Müll und Essensreste verteilt. Es sei zwar gut gemeint, kostenlos Essen auszugeben, räumt der Ortsvorsteher ein, „aber das Ergebnis sind Berge von Müll“. Eine rechtliche Handhabe, die Ausgabe zu verbieten, gebe es nicht. Der Magistrat müsse deshalb den Organisationen erklären, dass sie hinterher auch aufräumen müssten.

Grüne, Ökolinx und Die Partei im Ortsbeirat stimmten gegen den Antrag. Dieser sei nicht zielführend und greife zu kurz, sagte die stellvertretende Ortsvorsteherin Petra Thomsen (Grüne). So werde zum Teil Essen verteilt, das etwa für Drogenabhängige überhaupt nicht geeignet sei, ergänzte Fraktionskollegin Anne Warnke. Die Speisungen hielten Bedürftige davon ab, vorhandenen Hilfseinrichtungen aufzusuchen, sagte Andreas Laeuen. Auch fehle auf der Straße die Möglichkeit, Hilfesuchende anzusprechen.

Die Abgänge zur B-Ebene des Hauptbahnhofs umzugestalten, ist eine weitere Forderung des Ortsbeirats auf Antrag der CDU. Wegen des Umbaus der B-Ebene seien die Treppen derzeit „mit provisorischen, hässlichen, mit Stacheldraht versehenen Verschlägen“ eingehaust. Da dort viele Reisende und Tourist:innen unterwegs seien, müsse das Erscheinungsbild aufgewertet werden, „damit man nicht das Gefühl hat, man würde direkt auf einer Baustelle stehen oder zwischen den Wellblechhütten eines Slums“. (Boris Schlepper)

Die Lage im Frankfurter Bahnhofsviertel wird immer prekärer und zieht Elendstourismus an.

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