Gastro-Kolumne

Von den Tops und Flops am Herd

  • schließen

Auch in diesem Jahr waren die Restauranttester von „Rhein-Main geht aus!“ überall in der Region unterwegs, um noch in den verstecktesten Winkeln des Rhein-Main-Gebiets kulinarische Kleinode aufzuspüren. Klar, dass dabei auch das Gegenteil entdeckt wird.

Die Flops in dem Magazin „Rhein-Main geht aus!“ bieten normalerweise keinen Grund zur Freude – allenfalls zur Schadenfreude. Doch im neuesten Heft, das ab heute erhältlich ist, gibt es nur sechs schwarze Schafe. Im Vergleich dazu sind in der Frankfurt-Ausgabe des Gastro-Führers immerhin neun Restaurants auf der Flop-Liste gelandet. Das halbe Dutzend lässt aber mindestens genauso viel zu wünschen übrig.

Die Culinary World, ein asiatisches Lokal in Karben, mutet den Gästen eine Trilogie des Grauens zu: „Derart schwabbeliges, wirklich abstoßendes Hühnerfleisch kannten wir bis dato nicht“, so der bedauernswerte Autor. „Das Rindfleisch löst sich sofort sämig am Gaumen auf, und die Pute schmeckt nach überhaupt nichts.“ Dafür sei alles mit einer schmierigen Fettschicht überzogen. Zum Nachtisch vielleicht frittierte Banane? Mit dem schlichten Dessert kann ja kaum etwas schiefgehen. „Doch ein Schnitt in das schwarze Innere, das dann sichtbar wird, lässt uns zurückschrecken – this is Culinary Underworld.“ Das Mayflower in Neu-Anspach mit seiner Mischung aus thailändischer und chinesischer Küche attackiert die Geschmacksnerven durch vermeintliche Peking-Ente. „Jeder, der jemals das Glück hatte, die knusprige, über Stunden gegarte Haut einer perfekten Ente mit Frühlingszwiebeln und Hoisin-Sauce in einen Teigfladen rollen zu dürfen, fragt sich angesichts der gummiartigen Fleischfetzen auf verschrumpelten Mungbohnen, was man tun muss, um das zu ertragen.“

Mit schlechten Köchen werden aber nicht nur die Gäste von asiatischen Restaurants konfrontiert. Wacker’s Ristorante in Mühltal demonstriert das auf unappetitliche Weise. Das Vitello Tonnato, ein italienischer Vorspeisenklassiker, bestehe aus Kalbfleischscheiben, die mit extrem mayonnaiselastiger Fischcreme zugespachtelt seien. „Der Koch sollte mal einen Kurs in Food-Design belegen“, ergänzt die Testerin, „und dabei auch gleich sein Handwerk erlernen, denn die mastig-fettige Creme ist eine Persiflage des Originals.“ Kritik, die sitzt.

In der Trattoria Lucana in Darmstadt hingegen stellt sich das Carpaccio als Katastrophe heraus. Schon die erste Kostprobe der dünn geschnittenen Fleischscheiben signalisiert, „dass dieses Rind einen Gnadentod in gesegnetem Alter gestorben ist: Wir kauen eine gefühlte Ewigkeit auf dem herum, was im Mund schließlich zäh und ohne Eigengeschmack als eine Art Fleischkaugummi übrigbleibt.“

Auf die Flop-Liste hat es auch die Viehweide geschafft. Das Lokal in Hofheim kann zwar mit einer tollen Aussicht punkten, hat aber nicht mehr zu bieten, als das „mit Schinken, blassen Champignons und ebenso blassem Käse überbackene Schnitzel Feinschmecker Art“. A propos: Als Feinschmecker-Restaurant hat sich die Alte Bergmühle in Dreieich positioniert – zumindest in der Vergangenheit. Doch die elegant gestalteten Gasträume können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Niveau der Küche gesunken ist. „Nein, hier entspricht leider nichts den hohen Erwartungen, mit denen wir das Lokal betreten haben“, resümiert die Autorin enttäuscht.

Von den kulinarischen Schlusslichtern zu den Lichtblicken, und davon gibt es in „Rhein-Main geht aus!“ eine ganze Menge. Ihren Spitzenplatz unter den exklusiven Restaurants konnte die Burg Schwarzenstein in Geisenheim souverän verteidigen. Die Leistung von Chefkoch Nils Henkel ist aber auch schwer zu toppen. Jan Eichhorn, Herausgeber des Gastro-Führers, bezeichnet ihn als „einen der ganz großen Küchenchefs von Deutschland“ – und damit hat er recht.

Die Liste der Geheimtipps dagegen führt Emmas Weinbar im beschaulichen Kahl an. Bei den „Lieblingen“ gibt es drei Rankings; den ersten Platz rund um Frankfurt hat sich der Nachtwächter gesichert, ein modernes Hessisches Wirtshaus in Obertshausen.

Wie schön der Taunus ist, kann man bei einem Ausflug mit der Familie erleben. Auf der entsprechenden Liste nimmt die Lodge am Opel-Zoo den vordersten Rang ein. Dass diese Position wirklich verdient ist, lassen die 200 Sitzplätze erkennen, die fast jeden Abend ausgebucht sind. Obendrein finden sich im Taunus mehrere Anlaufstellen für Essen mit Aktivprogramm.

Am besten hat es den Testern im Berggasthof Kellerskopf geschmeckt. Bei der anschließenden Wanderung über den gleichnamigen Berg dürften die Kalorien förmlich schmelzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare