Frankfurt am Main, 14.04.2016, Innenstadt, Rathaus-Römer, Plenarsaal. Konstituierende Sitzung des Stadtparlaments. Hier:
+
Frankfurt am Main, 14.04.2016, Innenstadt, Rathaus-Römer, Plenarsaal. Konstituierende Sitzung des Stadtparlaments. Hier:

Stadtparlament braucht für eineinhalb Jahre ein Ausweichquartier

Totalschaden im Römer – Plenarsaal muss saniert werden

  • VonGünter Murr
    schließen

Der Sanierungsbedarf im Plenarsaal im Römer ist viel größer als bisher vermutet. Wegen Brandschutzproblemen muss das Stadtparlament Ende 2018 für mindestens eineinhalb Jahre ausziehen. Die Kosten sind noch unklar. Fest steht nur: Auch bei anderen städtischen Sälen muss gehandelt werden.

In einer der jüngsten Sitzungen des Stadtparlaments waren die Redner kaum zu verstehen. „Wir bekommen keinen Druck auf die Tonanlage“, entschuldigte sich Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU). Techniker würden die veralteten Mikrofone und Lautsprecher nur noch mit viel Bastelarbeit am Laufen halten. Seit dem vergangenen Sommer ist klar, dass die Technik des rund 400 Quadratmeter großen Plenarsaals im Römer erneuert werden muss. Ton- und Klimaanlage funktionieren nicht mehr richtig, barrierefrei zugänglich sind die Sitzplätze der Parlamentarier ebenfalls nicht.

Eine Nachfrage bei Siegler hat jetzt ergeben: Die Probleme sind noch viel größer als bisher angenommen. „Wir haben einen Totalschaden“, sagt der Parlamentschef. Bei Untersuchungen seien erhebliche Probleme mit dem Brandschutz zutage getreten. Die verlegten Kabel seien nicht genügend geschützt. Über die Kabelkanäle könnte sich ein Brand schnell ausbreiten, wie es vor einigen Jahren am Flughafen in Düsseldorf der Fall war. Im heutigen Zustand darf der Plenarsaal nur noch bis Ende 2018 genutzt werden.

Eine Sanierung ist laut Siegler nicht einfach. Wände, Decke und Boden müssen komplett freigelegt werden. „Wir bekommen einen Rohbauzustand“, berichtet Siegler von Gesprächen mit Bauexperten, über die er bereits die Fraktionen informiert hat.

Langer Planungsvorlauf

Es steht also der ganz große Umbau an, der auch das Gesicht des Herzstücks der kommunalen Demokratie deutlich verändern wird. Siegler plädiert deshalb für einen Architektenwettbewerb, um verschiedene Gestaltungsvorschläge zu bekommen. Er rechnet mit einem Planungsvorlauf von eineinhalb Jahren. Für die Arbeiten selbst seien mindestens weitere eineinhalb Jahre zu veranschlagen. „Mein Plan, das Projekt bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2021 abzuschließen, wird von den Fachleuten als sehr ehrgeizig eingestuft“, sagt der Stadtverordnetenvorsteher.

Das Programm der Sanierung ist umfangreich. „Wir müssen uns überlegen, ob wir die Holzvertäfelung aus den 80er Jahren weiter haben wollen“, meint Siegler. Einerseits sei eine hellere Gestaltung wünschenswert, auf der anderen Seite sei die Ausstattung mit Eichenpaneelen eine erhaltenswerte Tradition.

Nicht ganz einfach ist es, den Saal auch komplett für Rollstuhlfahrer zugänglich zu machen. Derzeit sind die Sitzplätze wie auf einer Tribüne ansteigend angeordnete, um allen Stadtverordneten eine gute Sicht auf das Rednerpult zu ermöglichen. „Das wird so nicht mehr möglich sein“, sagt Siegler. Für lange Rampen sei kein Platz. Dringend nötig sei es, die Klimatisierung neu zu lösen. „Die ist eine Fehlkonstruktion“, erinnert Siegler an viele Sitzungen in hochsommerlicher Hitze. Die kalte Luft, die über die Decke in den Saal strömt, werde von den später angebrachten Leuchtstoffröhren dermaßen erhitzt, dass am Boden von der Kühlung nichts zu spüren ist.

Kosten noch unklar

Was die Sanierung kostet, ist noch offen. Siegler hält sich auch deshalb mit Schätzungen zurück, weil bei städtischen Bauvorhaben die ursprünglichen Ansätze häufig erheblich überschritten werden.

Über ein Ausweichquartier macht sich Siegler bereits Gedanken. In Frage kommen zum Beispiel der große Saal der Industrie- und Handelskammer am Börsenplatz oder der des Evangelischen Regionalverbands im Dominikanerkloster. In beiden Fällen müsste an Sitzungstagen ein Lkw gepackt werden, um die für den Parlamentsbetrieb nötige Infrastruktur umzuziehen.

Einfacher wäre es deshalb, in der unmittelbar neben dem Römer liegenden Paulskirche zu tagen. Ob die zur Verfügung steht, ist allerdings unklar. Denn auch bei diesem städtischen Gebäude sind laut Siegler Brandschutzauflagen zu erfüllen. Gleiches gelte auch für Kaisersaal und Magistratssitzungssaal im Römer. Es sei nicht möglich, die Hände in den Schoß zu legen. „Beim Brandschutz drückt die Bauaufsicht kein Auge zu.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare